Er wurde fürs Lesen ausgelacht – heute hilft er Kindern

Danny Beuerbach ist zu Gast beim Podcast "echt gefragt".
Aaron Kniese
Danny Beuerbach ist zu Gast beim Podcast "echt gefragt". Der Vorlesefriseur erzählt über seine bewegte Kindheit und Jugend und wie er zu seinem Berufswunsch kam.
Podcast "Echt gefragt"
Er wurde fürs Lesen ausgelacht – heute hilft er Kindern
Früher schämte er sich fürs Vorlesen. Heute schreibt Danny selbst Kinderbücher und reist mit seinem mobilen Friseursalon durch Deutschland. Charlotte Mattes sprach mit dem Vorlesefrisör.

Danny Beuerbach ist als Vorlesefriseur bekannt. Kinder, die ihm beim Haareschneiden vorlesen, bekommen ihren Haarschnitt kostenlos oder günstiger. Dabei hatte Danny selbst als Kind große Probleme mit dem Lesen. Im indeon-Podcast "Echt gefragt - der Talk mit Lotte" erzählt er mir, wie aus seinen eigenen Erfahrungen ein ungewöhnliches Leseprojekt entstanden ist.

Danny kommt mit einem hüfthohen, sehr breiten Koffer ins Studio. In lässig weiter Hose und mit beiger Mütze auf dem Kopf begrüßt er mich mit einem großen Lächeln. Er kommt gerade von einer Tour aus dem Ruhrgebiet und legt für unser Gespräch einen kleinen Stopp in Frankfurt ein. 

Er zieht mit seinem Koffer durch Städte und rollt dort seinen Teppich aus. Im Gepäck hat er viele Bücher, sodass es häufig vorkommt, dass Menschen ihn beim Aufbau mit einem Bücherverkäufer verwechseln.

Danny wurde als Kind fürs Vorlesen ausgelacht

Dass Danny einmal Kinder fürs Lesen begeistern würde, hätte er sich früher wohl kaum vorstellen können. Als Grundschüler hatte er große Schwierigkeiten beim Lesen. Zu Hause sei lediglich seine älteste Schwester eine Leseratte gewesen. In der Familie sei Lesen ansonsten fast verpönt gewesen. Manchmal hätten die Geschwister sie verpetzt: "Mama, die liest schon wieder." 

In der 3. Klasse wurde festgestellt, dass Danny nicht richtig lesen könne. "Das macht etwas mit dem Selbstwertgefühl", sagt Danny. Er erzählt mir, wie er alle Wörter abends auswendig gelernt hat, damit er wusste, wie sie aussehen. Aber richtig lesen konnte er damals nicht. 

Heute möchte er Kindern eine andere Erfahrung ermöglichen: Statt ausgelacht zu werden, sollen sie stolz auf sich und ihre Leistung sein.

Wie Danny auf die Idee mit dem Vorlesefriseur kam

Angefangen hat alles mit einem Freund, der Danny beim Haareschneiden vorgelesen hat. An diesem Tag haben viele weitere Kunden dasselbe getan. Bis dahin sei es eher ein Running Gag gewesen, sagt er mir im Podcast "Echt gefragt".

Dann las ihm das erste Kind freiwillig vor. "Das hat mich so berührt" und sei eine tiefgründige Erfahrung gewesen. So kam er auf seine Idee zu "Book a Look and read my Book". 

Warum Danny mit seinem Vorleseprojekt auf die Straße ging
Die Eltern seien "in Scharen" mit ihren Kindern in den Salon gekommen. Aber er wollte gerne Kinder begeistern, die im Alltag selten oder gar keine Bücher lesen. 

Aus diesem Grund verlegte er seinen Salon kurzerhand nach draußen auf die Straße. Die Kinder dürfen sich aus seinen mitgebrachten Büchern eines aussuchen und ihm daraus vorlesen.

Der gebürtige Gelnhausener bittet im Anschluss um einen großen Applaus für die Kinder. Berufswunsch Friseur kam durch Reinigungsjob der Mutter
Der Wunsch, Friseur zu werden, kam durch einen Job seiner Mutter. Er musste als einziger Sohn häufig abends mit in einen Friseursalon kommen. Da hat er sich ausprobiert, während seine Mutter die Böden geputzt hat.

Nach vielen abgebrochenen Ausbildungen hat er in einem Frankfurter Salon eine Ausbildung durchgezogen. Da habe es Klick gemacht. Seit diesem Zeitpunkt habe er seinen Beruf mehrmals neu erfunden. Er lebte und arbeitete viel im Ausland und helfe heute dabei, Salons aufzubauen. Einen eigenen Salon besitzt Danny nicht. Sein Salon sei der Teppich, sagt er.

Inzwischen lebt er mit seiner sechsjährigen Tochter in München. Ins Ausland möchte er nicht mehr ziehen. Für die Zukunft träumt er davon, einen eigenen Friseursalon mit Café und Friseurkiosk zu eröffnen.

Auch über seinen Glauben sprechen wir im Podcast "Echt gefragt". Danny ist evangelisch getauft und glaubt an Gott, fühlt sich aber keiner bestimmten Religion zugehörig. 

Danny hat mit seinem Vorleseprojekt noch viel vor. Seine Idee soll sich nicht nur in Deutschland verbreiten. Als ich ihn nach seinem größten Ziel frage, antwortet er: "Mein größter Wunsch ist es, dass es weltweit normal wird, dass Kinder, die mit einem Buch zum Friseur kommen, dafür etwas bekommen."

evangelisch.de dankt indeon für die inhaltliche Kooperation.