TV-Tipp: "Die Toten vom Bodensee: Im Schattenreich"

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7. September, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Die Toten vom Bodensee: Im Schattenreich"
Schon der Prolog, als Oberländer (Matthias Koeberlin) ein leerstehendes düsteres Haus erkundet, ist optisch ungemein reizvoll. Es handelt sich um den vor zwanzig Jahren geschlossenen "Sonnenhof Bregenz", ein Heim für verhaltensauffällige Kinder.

"Mit einem Messer im Rücken geh’ ich noch lange nicht nach Hause", witzelte einst Otto Waalkes. Micha Oberländer würde den Spruch in seiner aktuellen Situation nicht lustig finden: Er schwebt nach einem Messerstich in den Bauch in akuter Lebensgefahr; im letzten Film hatte eine Wahrsagerin seinen Tod prophezeit. Weil er zudem eine schwere Kopfverletzung hat, liegt er nun in einer Klinik im Koma, aber überraschenderweise kann er auch im titelgebenden "Schattenreich" am aktuellen Fall dranbleiben.

Das Drehbuch zu diesem außergewöhnlichen und äußerst fesselnden 25. Film der 2014 gestarteten Reihe "Die Toten vom Bodensee" stammt erneut von Jeanet Pfitzer, Frank Koopmann und Roland Heep, die die Krimis mit Episode Nummer 14 (2022) von Timo Berndt übernommen und zu neuer Blüte geführt haben. Das lag auch an der Umsetzung durch Regisseur Michael Schneider und Lukas Gnaiger, dessen Kameraarbeit regelmäßig sehenswert ist. Diesmal allerdings hat er sich selbst übertroffen. Schon der Prolog, als Oberländer (Matthias Koeberlin) ein leerstehendes düsteres Haus erkundet, ist optisch ungemein reizvoll. Es handelt sich um den vor zwanzig Jahren geschlossenen "Sonnenhof Bregenz", ein Heim für verhaltensauffällige Kinder.

Im Zwielicht entdeckt der Kommissar ein Dachzimmer, in dem die schweren Fälle an ein Bett gefesselt worden sind. In die Wand hat jemand Zahlen und Buchstaben geritzt, die auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben; dann wird Oberländer niedergeschlagen. Er rappelt sich wieder auf und verfolgt den Täter in den von Nebelschwaden durchzogenen Wald. Die wie stets vorzügliche Musik von Chris Bremus treibt die Spannung auf die Spitze; die Jagd endet mit dem Messerstich. In vielen Filmen würde auf die packende Einführung eine ausführliche Rückblende folgen ("Drei Tage vorher"), aber das Drehbuchtrio hat auf dieses abgenutzte Stilmittel verzichtet und erfreut stattdessen durch einen anderen Clou, der an "Limbus" (2020) erinnert.

In dem "Tatort" aus Münster befand sich Rechtsmediziner Boerne nach einem Anschlag schon halb im Jenseits. Um seinen endgültigen Tod zu verhindern, musste er dafür sorgen, dass sein Mörder überführt wird, doch in der Welt der Lebenden war er nur ein Geist. Oberländers Aktionsradius bleibt zwar auf die Zwischenwelt reduziert, aber da ihn die Kollegin Mara Eisler (Anna Werner Friedmann) auf dem Laufenden hält, kann er die Ermittlungen auch dort fortsetzen. Diese Ebene ist mit ihrer Mischung aus tiefer Schwärze und organgefarbenen Lichtinseln ästhetisch ebenfalls ungewöhnlich gestaltet. Weil der Kommissar ein guter Mensch ist, befindet er sich zwar nicht im Limbus (in der katholischen Theologie die Vorhölle), aber doch in einer anderen Wirklichkeit, in der er den bisherigen Opfern des Falls begegnet.

Auf diese Weise kann der Film nachtragen, was bisher geschah: Ein sozial engagierter Pfarrer ist in seiner Kirche mit einem Kreuz erschlagen worden. Später, als Oberländer schon im Krankenhaus ist, wird die Leiche eines erstochenen Erziehers gefunden. Die Verbindung zwischen den beiden Männern ist das Kinderheim. Der besondere Reiz des Films liegt in der Verknüpfung von Dies- und Jenseits: Was neben dem Krankenbett passiert, hat unmittelbare Auswirkungen auf das Zwischenreich. Dort kann der Kommissar mit Hilfe eines Monitors beobachten, was in seinem Zimmer vor sich geht, aber verständlich machen kann er sich nicht.

Als er den Bildschirm wutentbrannt zerstören will, scheint es um ihn geschehen: Er stürzt in eine bodenlose Wassertiefe, nun kann ihn nur noch ein Wunder retten. Ein weiteres wichtiges Element ist die Schachmetapher. Weil Heimleiter Hadeling (Helmut Berger) das Spiel früher gern in seinen Englischunterricht integriert hat, kommt den englischen Bezeichnungen der Figuren eine entscheidende Bedeutung zu: Der Pfarrer hatte einen weißen Läufer ("Bishop") in der Tasche, im Wohnwagen des Erziehers findet Eisler einen Springer ("Knight", Ritter"); er wurde mit einer schwertartigen Stichwaffe ermordet.

Dank der jenseitigen Begegnung mit einem mysteriösen Jungen weiß Oberländer, dass das nächste Opfer durch die Dame symbolisiert wird. Sein verzweifelter Ruf "Wer ist die weiße Dame?" verhallt jedoch ungehört. Das spätere lautstarke Finale schmälert den ansonsten exzellenten Gesamteindruck etwas, aber dafür ist es Pfitzer, Koopmann und Heep gelungen, der bedrückenden Atmosphäre im Krankenzimmer beim einseitigen Zwiegespräch zwischen Inspektor Komlatschek (Hary Prinz) und seinem bewusstlosen Kollegen sogar einige heitere Momente abzutrotzen. Der Schluss, der dem üblichen Abspannlied "Here Again" ("Wieder da") eine spezielle Note gibt, ist ohnehin berührend.