Gedenkgottesdienst für Opfer von Solinger Messerangriff

Menschen legen zum Gedenken an die Opfer Blumen nieder
epd-bild/Meike Boeschemeyer
Blumen in Gedenken an die Opfer: Beim Fest zum 650. Geburtstag der Stadt Solingen hatte ein Angreifer am 23. August 2024 mit einem Messer abends auf Besucher vor einer Bühne in der Innenstadt eingestochen.
Werner warnt vor "Gräben und Rissen"
Gedenkgottesdienst für Opfer von Solinger Messerangriff
Superintendentin Werner sieht auch zwei Jahre nach dem Terroranschlag von Solingen die Stadtgesellschaft mit den Folgen der Tat konfrontiert. Zugleich warnt die evangelische Theologin in der Diskussion über den Anschlag vor "Gräben und Rissen".

Zwei Jahre nach dem Terroranschlag von Solingen haben die Menschen in einem Gottesdienst der Opfer gedacht. Bis heute gebe es "diese tiefe Trauer um die drei Getöteten, und um die acht Schwerverletzten, und um die, die diese Nacht einfach nicht mehr vergessen können", sagte die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen, Ilka Werner, laut Redemanuskript am Sonntag in der evangelischen Stadtkirche.

Bei dem Messerangriff eines syrischen Asylbewerbers waren am 23. August 2024 auf dem Solinger Stadtfest drei Menschen getötet und acht zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte den Täter im September 2025 zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Das Gericht ging davon aus, dass der Syrer als Anhänger der Terrororganisation "Islamischer Staat" gehandelt hat.
Laut Werner wirken die Folgen der Tat auf die Stadtgesellschaft nach. Bis heute existierten "Schmerz und Mitleid" sowie die "hilflose Frage danach, wie man sich denn schützen könne". Mit Bezug auf die biblische Geschichte der Sintflut, an deren Ende eine Taube zu den Überlebenden fliegt und ein Regenbogen erscheint, sagte Werner, bis heute seien Taube und Regenbogen Zeichen, dass auch das Schlimmste nicht das Ende sei und die Hoffnung und Gottes liebe größer seien.

In dem Attentäter sieht die Superintendentin jemanden, der den islamischen Glauben missbraucht und "seinem Hass auf unsere Gesellschaft freien Lauf" gelassen hat. Er habe im Auftrag islamistischer Gruppen gehandelt, "die die friedliche und bunte und manchmal zu sorglose westliche Gesellschaft hassten und verletzen, ja vernichten wollten", sagte sie. Zugleich warnte Werner in der Frage der Verantwortlichkeiten vor Schuldzuweisungen und Vorwürfen. Solche Debatten könnten "Gräben und Risse in einer Stadtgesellschaft" entstehen lassen.

Am Sonntag sollten am Abend auch eine Dialogveranstaltung in der Stadtkirche sowie das Gedenken zum Tatzeitpunkt um 21.37 Uhr mit NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Landesministern stattfinden.