Weit über 1.000 Menschen in der Region haben den 20-minütigen Dokumentarfilm "Obdachlos in Bayreuth" bei öffentlichen Vorführungen in Schulklassen, Männer-, Frauen- und Seniorenkreisen sowie bei Gottesdiensten gesehen. Vor etwas über einem Jahr wurde der Film, der auf Initiative des Journalisten und Theologen Günter Saalfrank entstand, veröffentlicht.
Seitdem habe sich etwas in der Stadt verändert, stellt der Leiter der Bayreuther Stadtmission, Volker Sommerfeldt, fest. Er bekomme vermehrt Angebote von Menschen, die helfen wollen, erklärt in einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
epd: Herr Sommerfeldt, welche Auswirkungen des Films merken Sie bei der Stadtmission?
Volker Sommerfeldt: Wir werden viel mehr wahrgenommen und mehr Menschen wissen, was wir wirklich machen - nämlich in welcher Intensität wir uns um Obdachlose kümmern, und dass hier jeder vorbeikommen kann, um ins Gespräch zu kommen.
Ein weiteres Ergebnis ist, dass die Leute wissen, wo sie mit Obdachlosen hinsollen. Im Januar gab es zum Beispiel den Fall, dass ein Mann bei Minusgraden ohne Schuhe unterwegs war. Den haben Menschen kurzerhand zu mir gebracht. Vorher wären sie vielleicht vorbeigegangen.
Wohnungen an Obdachlose vermittelt
Andere haben mich angerufen, wenn sie obdachlose Menschen in der Stadt gesehen haben, und gefragt, ob ich diese Menschen schon kenne. Dann bekommen wir auch vermehrt Sachspenden. Das ist wirklich super toll, damit habe ich gar nicht gerechnet.
Sie haben sogar Wohnungen für obdachlose Menschen angeboten bekommen. Wie kam es dazu?
Sommerfeldt: Eine private Wohnungsbaugesellschaft ist auf uns aufmerksam geworden. Insgesamt haben wir vier Wohnungen angeboten bekommen, drei konnte ich über unser Netzwerk an die Sozialen Dienste weitergeben. Tatsächlich konnte ich schon einen jungen Mann unterbringen.
Ich habe zum ersten Mal eine Bürgschaft übernommen, damit er die Wohnung bekommt. Das könnte ein Modell sein, um Obdachlosigkeit zu mindern. Das ist natürlich ein Risiko, aber mir ist es wichtig, Vorurteile abzubauen und den Menschen wieder Wohnraum zu verschaffen. Ich glaube, ohne den Film wäre das nicht passiert.
Dann muss der Film weite Kreise gezogen haben...
Sommerfeldt: Bis Bamberg wurde der Film wahrgenommen. Wir haben jetzt sogar ein soziales Projekt vom Internationalen Bund (IB), das in Bayreuth einen neuen Standort mit zwei Sozialpädagoginnen aufgemacht hat. Wir touren immer noch mit dem Film. Der ist einmal dauerhaft im Internet zu finden. Aber wir sind auch mit Günter Saalfrank regelmäßig in Kirchengemeinden. Man muss ja den Kessel am Kochen halten. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Aktuell ist schon ein neuer Film in Produktion über positive Beispiele für Integration.




