Gefahr durch Atomwaffen nimmt enorm zu

Nuklearraketen zeigen in den Abendhimmel.
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Das internationale Wettrüsten nimmt bedrohliche Züge an, die Kontrolle über Atomwaffen geht immer weiter verloren.
2000 Sprengköpfe einsatzbereit
Gefahr durch Atomwaffen nimmt enorm zu
Das Friedensforschungsinstitut SIPRI warnt vor einer neuen Phase atomarer Aufrüstung. Weniger Kontrolle, mehr Technik, höhere Risiken und damit die Frage: Wie groß ist die Gefahr, dass Fehleinschätzungen gefährliche Eskalationen auslösen?

Staaten setzen laut dem Friedensforschungsinstitut SIPRI zunehmend auf Atomwaffen. Damit machten sie jahrzehntelange Bemühungen um atomare Abrüstung zunichte, erklärte das schwedische Institut bei der Veröffentlichung seines Jahresberichts in Stockholm. Zugleich steige die Gefahr von Fehleinschätzungen und Eskalationen.

"Einflussreiche Stimmen, darunter auch einige Staats- und Regierungschefs, befürworten Atomwaffen als Garantie gegen Angriffe durch einen feindlichen Staat", kritisierte SIPRI-Direktor Karim Haggag.

Aufgrund von Fortschritten in der Waffentechnologie, dem Zusammenbruch von Rüstungskontrollen und zunehmenden geopolitischen Spannungen nehme das mit Atomwaffen verbundene Risiko allerdings zu.

Über 2.000 Sprengköpfe in höchster Einsatzbereitschaft

Die neun Atommächte USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel haben ihr Arsenal laut SIPRI im vergangenen Jahr weiter ausgebaut und modernisiert. Im Januar 2026 gab es demnach weltweit schätzungsweise 12.187 nukleare Sprengköpfe. Davon befanden sich etwa 9.745 in militärischen Beständen für den potenziellen Einsatz, rund 4.000 davon bereits auf Raketen und Flugzeugen montiert.

Zwischen 2.100 und 2.200 der stationierten Sprengköpfe wurden auf ballistischen Raketen in höchster Einsatzbereitschaft gehalten. Zwar besitzen dem Bericht zufolge die USA und Russland rund 83 Prozent aller Atomwaffen, doch ihr Anteil nimmt aufgrund der Aufrüstung anderer Länder ab. Doch auch die russischen und US-amerikanischen Bestände dürften laut SIPRI in den kommenden Jahren zunehmen.

Befürworter in den USA drängten auf diese Strategie als Antwort auf Chinas neue nukleare Aufstockung. China, das laut den Forscherinnen und Forschern aktuell über rund 620 Sprengköpfe verfügt, ist das Land, das sein Nukleararsenal derzeit am schnellsten ausbaut.

Rationales Handeln nicht mehr voraussetzen

Nuklearprogramme seien immer schon von Geheimhaltung umgeben gewesen, hieß es in dem Bericht. In jüngster Zeit seien die Atommächte allerdings noch intransparenter vorgegangen. Dieser Trend dürfte sich nach dem Auslaufen des letzten großen Abkommens zur atomaren Abrüstung - "New START" - Anfang des Jahres weiter fortsetzen. Zugleich fehle es an strategischem Dialog und direkter Kommunikation zwischen bestimmten Atommächten.

"Neben der abnehmenden Transparenz und dem Wegfall diplomatischer Kanäle für das Krisenmanagement trägt auch die Tendenz zum Autoritarismus in einigen Atomwaffenstaaten zu noch größerer Unvorhersehbarkeit bei", sagte SIPRI-Experte Matt Korda. Es sei nicht mehr davon auszugehen, dass Staats- und Regierungschefs in Zeiten erhöhter Spannungen rational handelten.

Auch Nicht-Atomländer setzen auf Nuklearwaffen

Entwicklungen und Debatten in Ostasien, Europa und dem Nahen Osten im vergangenen Jahr deuteten zudem auf eine zunehmende Rolle von Atomwaffen in den Sicherheits- und Verteidigungsstrategien von Staaten hin, die keine Nuklearwaffen besitzen. Unter anderem Deutschland habe den Wunsch geäußert, die Nato-Vereinbarungen zur gemeinsamen Nutzung von Nuklearwaffen mit den USA auf Frankreich und Großbritannien auszuweiten.

Derweil werde das globale System zur Nichtverbreitung von Kernwaffen immer schwächer. Dass die Vertragsstaaten des Atomwaffensperrvertrags von 1968 sich im Mai zum dritten Mal in Folge auf kein Abschlussdokument einigen konnten, sei ein weiterer Schlag gegen das Streben nach Abrüstung, kritisierte SIPRI-Chef Haggag.