Wenn Sportreporter originell sein wollen, loben sie gelungene Aktionen von Nachwuchskickern gern mit dem Prädikat "Jugend forscht". In diesem Fall müsste das Urteil allerdings "Jugend pfuscht" lauten, denn was Valessa Matkovic im "Kroatien-Krimi" treibt, ist mehr als bloß fahrlässig: Bei der Verfolgung eines Verdächtigen ballert sie dem Mann, der auf einem Motorrad flüchtet, mitten in einem Wohnviertel auf offener Straße ein paar Kugeln hinterher. Gerade gemessen an der Seriosität, mit der die ARD ihre Donnerstagskrimis erzählen lässt, wirkt die Szene reichlich absurd, aber sie passt ins Bild: Die junge neue Kollegin von Stascha Novak hintergeht ihre Vorgesetzte und begibt sich prompt in größte Gefahr. Weil der Film zudem wichtige Fragen offen lässt, wirkt die gesamte Geschichte zunächst völlig unglaubwürdig.
Größeres Manko dieses zehnten Falls für die Kommissarin aus Split – insgesamt ist "Mord am Jaro" Episode Nummer siebzehn – ist jedoch die Umsetzung. Bislang hat Michael Kreindl sämtliche Filme der 2016 gestarteten Reihe inszeniert. Die Vorlagen stammten (wie auch diesmal) bis auf eine Ausnahme stets von Christoph Darnstädt, Regie führte jetzt jedoch Carolina Hellsgård. Die seit 25 Jahren in Deutschland lebende Schwedin hat 2019 mit dem für damalige deutsche Verhältnisse äußerst ungewöhnlichen Zombiefilm "Endzeit" verblüfft und anschließend neben einer Kino-Neuverfilmung des Kästner-Klassikers "Das fliegende Klassenzimmer" (2023) für die ARD einige TV-Krimis gedreht, die handwerklich mehr als solide waren. Einer ihrer beiden "Barcelona-Krimis", "Der längste Tag" (2022), fiel als intensives Kammerspiel mit Ecken und Kanten sogar deutlich aus dem Rahmen der sonstigen "Donnerstagskrimis". Seit damals ist Patrick Orth Hellsgårds bevorzugter Kameramann. Nicht zuletzt dank seiner Bildgestaltung war auch "Tod am Rennsteig: Haus der Toten" (2025), der zweite Film mit Kristin Suckow als Kriminalpsychologin, durchgehend fesselnd. Im Vergleich mit diesen Arbeiten ist "Mord am Jadro" allenfalls ein ganz gewöhnlicher TV-Krimi.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
Außerdem muss die Reihe ab sofort ohne Lenn Kudrjawizki auskommen. Der in Ost-Berlin aufgewachsene gebürtige Leningrader spielte stets nur die zweite Geige, war aber dank seiner besonderen Ausstrahlung und der stillen Präsenz seiner Rolle ein perfekter "Supporting Actor" für Jasmin Gerat. Er macht nun Platz für Romina Küper. Sie ist Jahrgang 1992, wirkt jedoch wesentlich jugendlicher. Die Besetzung soll vermutlich ein jüngeres Publikum ansprechen, aber so einfach funktioniert das natürlich nicht; erst recht, wenn ein Film streckenweise schlicht langweilig ist. Eingeführt wird Valessa Matkovic allerdings als Kellnerin: Sie hat sich als Servicekraft in der Strandbar von Luka Staric (Christian Kuchenbuch) verdingt, wo sie gleich mal von einem Gast schmierig angemacht wird. Seinen süffisant lächelnden Begleiter, der zudem Drago heißt (vom Lateinischen "Draco", Drache), spielt Felix Klare, der jenseits des "Tatorts" aus Stuttgart gern als mindestens zwielichtige Figur besetzt wird. Der Anbaggerer besitzt eine Mandarinenplantage und ist tags drauf tot, ebenso wie der Mann, den Novak zunächst für den Täter hält. Weil die beiden Polizistinnen in den Dosen mit der angeblichen Mandarinenmarmelade Ecstasy-Pillen entdecken, glauben sie anfangs an Morde im Milieu: Offenbar hat die Drogenmafia unliebsame Konkurrenz aus dem Weg geräumt. Die von Darnstädt recht kompliziert verpackte Wahrheit ist allerdings viel einfacher.
Für gewisse Zeit lebt "Mord am Jadro" von der Frage, warum Valessa nach Feierabend in der Bar jobbt, denn finanzielle Gründe hat ihr Zweitjob vermutlich eher nicht. Und weshalb verschweigt sie ihrer Vorgesetzten die Undercover-Ermittlung? Für Novak wiederum bedeutet die Zusammenarbeit mit der jungen Kollegin eine erhebliche Umstellung: Im Gegensatz zum besonnenen Emil Perica, der stets Bedenken äußerte, wenn sich die Chefin Hals über Kopf in die Ermittlungen stürzte, legt Valessa ein Tempo vor, dass selbst Novak der Kopf schwirrt. In einem Albtraum überträgt Kommissariatsleiter Kovačić (Max Herbrechter) der Neuen gar die Leitung der Mordkommission, weil sie "jünger, fitter, schneller" und Novak "eine Null" sei. Das ist angesichts des Selbstbewusstseins, mit dem Jasmin Gerat ihre Rolle verkörpert, zwar etwas übertrieben, gibt den gemeinsamen Szenen mit Valessa aber eine reizvolle Note, und natürlich muss die Ältere die Jüngere am Schluss aus einer scheinbar ausweglosen Situation retten. Sämtliche offenen Fragen werden allerdings erst im nächsten Film ("Gefahr im Verzug") beantwortet.




