Die drohenden Einschnitte beim Bundesprogramm "Demokratie leben!" könnten auch spürbare Folgen für die Weltladenbewegung haben. Eine wichtige Säule der Arbeit neben dem Verkauf fair gehandelter Produkte seien schon immer auch Veranstaltungen und Bildungsprojekte gewesen, sagte Gifty Amo Antwi, Geschäftsführerin beim Weltladen-Dachverband mit Sitz in Mainz, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Kürzungen bei der Demokratieförderung bedrohten die Arbeitsfähigkeit vieler örtlicher Partner-Organisationen und damit gemeinsame Projekte.
"Für unsere Themen ist das schlecht, aber auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt", warnte Amo Antwi vor Einsparungen bei der Demokratieförderung. Ohnehin sei es zuletzt schwieriger geworden, für die Ideen fairer Handelsbeziehungen und eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu werben. Viele Bürgerinnen und Bürger seien aktuell stark auf das eigene Wohlbefinden fokussiert.
Die in der Weltladenbewegung engagierten Ehrenamtlichen registrieren laut Amo Antwi auch einen Wandel des gesellschaftlichen Klimas, insbesondere während der zurückliegenden zwei bis drei Jahre. Anfeindungen nähmen zu, vor allem dort, wo sich Weltläden an öffentlichen Demonstrationen beteiligten. Trauriger Höhepunkt sei ein 2024 verübter Buttersäure-Anschlag auf den Weltladen im hessischen Oberursel gewesen.
Erfolg: Verabschiedung des Lieferkettengesetz
Obwohl von den erheblichen Umsatzsteigerungen beim Verkauf fair gehandelter Waren vor allem Supermarktketten und weniger die bundesweit rund 900 Weltläden selbst profitieren konnten, sieht der Dachverband die Arbeit der Bewegung insgesamt als großen Erfolg. "Wir haben uns 50 Jahre lang gehalten", sagte Amo Antwi, länger als die allermeisten gesellschaftlichen Initiativen. Das Engagement für fairen Handel habe zwischenzeitlich auch große Erfolge erzielt, etwa die Verabschiedung des Lieferkettengesetzes. Derzeit schwinge das Pendel zurück in Richtung Deregulierung, bedauerte die Geschäftsführerin.
Beim jährlichen Weltladen-Tag am zweiten Samstag im Mai wollen die Weltläden 2026 auf schlechte Arbeitsbedingungen bei der Produktion von Orangen, Mangos, Bananen und anderem Obst aufmerksam machen. Die Kampagne zum 9. Mai steht unter dem Motto "Fair fruchtet!".





