Geld macht nicht glücklich: Den Spruch haben sich garantiert reiche Menschen ausgedacht, damit sie unter sich bleiben können. Kein Geld macht aber erst recht nicht glücklich; also versuchen Günther Kuballa und Wolfgang Krettek unverdrossen, ihr kümmerliches Einkommen aufzubessern. Seit 2010 stemmen sich die beiden gegen ein Schicksal, das sie einst unbarmherzig zu Verlierern abgestempelt hat: erst als Langzeitarbeitslose, mittlerweile als Rentner. Dass die Filme so gut funktionieren, hat die "Schnitzel"-Reihe, von der es zudem einen Serienableger gab, den beiden Hauptdarstellern zu verdanken: Es ist nach wie vor ein Vergnügen, Armin Rohde und Ludger Pistor dabei zuzuschauen, wie Günther und Wolfgang Pläne schmieden, sich zerstreiten, wieder versöhnen und weiter gegen die unerbittlichen Windmühlen des Daseins kämpfen.
Im sechsten Teil, dem ersten seit 2022, konfrontieren Gabriele Graf und Katja Kittendorf das Duo mit gleich zwei Herausforderungen. In der letzten Geschichte ("Das Weihnachtsschnitzel") haben die Freunde zwar ihre Imbissbude schließen müssen, aber Wolfgangs Schnitzelpanade war heiß begehrt. Daraus muss sich doch ein Geschäft machen lassen, und die beiden haben auch eine Idee, wie sie ans nötige Startkapital kommen: Ein beim weiblichen Teil des Publikums heftig umschwärmter TV-Moderator präsentiert in seiner "Gewinner-Arena" Projekte mit großem wirtschaftlichem Potenzial. Um teilnehmen zu können, sind allerdings einige bürokratische Hürden zu überwinden, was sich als gar nicht so einfach erweist; Voraussetzung ist unter anderem eine Patentanmeldung. Außerdem muss die Panade haltbar sein; das war beim Imbiss natürlich nicht nötig. Davon abgesehen kann Günther den TV-Star nicht ausstehen, weil der ihm einst seinen kanadischen Traum zerstört hat.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
Diese Ebene allein wäre wohl zu wenig für neunzig Minuten, also haben die Autorinnen zu einer bewährten Drehbuchmaßnahme gegriffen: Die einfachste Möglichkeit, um frischen Wind in ein Ensemble zu bringen, ist eine neue Figur; Purnima Grätz, dank ihrer Mitwirkung in der Kinofilmreihe "Die Schule der magischen Tiere" und vor allem der Disney-Serie "Die drei !!!" bereits sehr erfahren, erweist sich in der Tat als das erhoffte belebende Element (Regie: Wolfgang Murnberger): Um sich die teuren Eheringe leisten zu können, hat Wolfgang vor dreißig Jahren seinen Samen gespendet. Das hat er seiner Karin (Therese Hämer) allerdings nie erzählt, was sich nun rächt, als eines Tages Ta vor seiner Tür steht. Sie ist zwar erst fünfzehn, kann aber belegen, dass Wolfgang ihr Erzeuger ist; ihre mittlerweile verstorbene thailändische Mutter hat sich kurzerhand bedient, als die alten Bestände der Samenbank aussortiert wurden. Ta will 5.000 Euro, dann wird sie aus seinen Leben ebenso rasch verschwinden, wie sie aufgetaucht ist.
Wie Graf und Kittendorf die beiden Handlungsstränge nun miteinander verknüpfen, ist ebenso originell wie amüsant: Damit sich Karin nicht fragt, was die beiden Männer mit dem Teenager zu schaffen haben, sorgen sie für eine kleine Variation der Samenspende und erklären den kinderlosen Günther zu Tas Erzeuger; der wiederum stellt zu seiner Überraschung fest, dass ihm die ungewohnte Vaterrolle gut gefällt. So erklärt sich auch seine Reaktion, als er erfährt, dass Ta die Schule schmeißen will. Vor allem Chemie bereitet ihr erhebliche Probleme. Als Günther dafür sorgen will, dass die notorische Schwänzerin auch wirklich zur Schule geht, trifft er auf Frau Gottschalk (Ramona Kunze-Libnow), die die beiden Freunde während ihrer Arbeitslosigkeit als Sachbearbeiterin stets mit rührender Hingabe unterstützt hat. Sie hält Günther für einen ehrenamtlichen Schulbegleiter, und so hat er nun einen Vorwand, am Chemieunterricht teilzunehmen, denn wie es der Zufall will, erklärt Quereinsteigerin Dr. Bocholt der gelangweilten Klasse gerade, wie sich Lebensmittel haltbar machen lassen.
Mit der ebenso renommierten wie arroganten Chemikerin haben die Autorinnen eine würdige Gegenspielerin geschaffen, zumal Inga Busch die Frau mit klirrender Kälte versieht. Für ihre Schutzbefohlenen hat Bocholt ohnehin nur Verachtung übrig. Ihren auf Ta gemünzten Spruch "Einmal Underdog, immer Underdog" muss einer wie Günther natürlich als pure Provokation empfinden, und so lässt sich auch die vermeintliche Tochter von seinem Lebensmotto "Niemals aufgeben!" anstecken. Tatsächlich gelingt den beiden Freunden schließlich sogar die "Arena"-Teilnahme, doch sie haben die Rechnung ohne die Chemikerin gemacht; aber Geld ist schließlich nicht alles.


