Reformierte Kirche berät wieder Kriegsdienstverweigerer

Pastor Bert Gedenk
Ulf Preuß
Bert Gedenk war viele Jahre lang Friedensbeauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche. Vor seinem Theologiestudium verweigerte er 1981 den Wehrdienst. Jetzt berät er Kriegsdienstverweigerer.
Aufstocken der Streitkräfte
Reformierte Kirche berät wieder Kriegsdienstverweigerer
Die Bundeswehr will mehr junge Leute gewinnen. Die reformierte Kirche führt daher ihre Beratung für Wehr- und Kriegsdienstverweigerer wieder ein - mit dem Emder Pastor Bert Gedenk.

Die Evangelisch-reformierte Kirche bietet mit dem Emder Pastor Bert Gedenk wieder eine Beratung für Kriegsdienstverweigerer an. "Mit dem neuen Wehrdienstgesetz, das seit Januar gilt, werden sich mehr junge Menschen die Frage stellen, ob sie einen Wehrdienst mit der Waffe leisten wollen", sagte Gedenk jüngst in Leer. Die Beratung richte sich auch an aktive Soldat:innen sowie Reservist:innen, die nicht in den Kriegseinsatz wollen.

Nach Artikel 4, Absatz 3 des Grundgesetzes darf in Deutschland niemand gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.

Die Bundeswehr will auf Grundlage des Wehrdiensterneuerungsgesetzes die Streitkräfte bis 2035 auf 260.000 aktive Soldat:innen sowie 200.000 Reservist:innen aufstocken. Wer 18 Jahre alt wird, erhält seit Jahresbeginn Post von der Bundeswehr mit den Zugangsdaten zu einer Online-Befragung. Männer müssen den Fragebogen beantworten, für Frauen ist es freiwillig. Der Wehrdienst ist nicht abgeschafft, sondern seit 2011 lediglich ausgesetzt.

"Wiedereinführung des Wehrdienstes wahrscheinlich"

Gelingt es auf diese Weise nicht, genügend Freiwillige für die Bundeswehr zu gewinnen, kann der Bundestag die Wehrpflicht für alle Männer wieder in Kraft setzen. Gedenk hält es für wahrscheinlich, dass dies bald geschehen könnte. Spätestens dann müsse der Bundestag auch klären, ob der Zivildienst oder gleichwertige Ersatzdienste wieder eingeführt werden. "Im Falle eines militärischen Krisen- oder Spannungsfalls in Deutschland können alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren zum Wehrdienst herangezogen werden - es sei denn, sie sind als Kriegsdienstverweigerer anerkannt", sagte Gedenk.

Bert Gedenk sagte, er wolle den Menschen beistehen, die vom grundgesetzlich garantierten Recht auf Kriegsdienstverweigerung Gebrauch machen wollen. So stehe für ihn der Satz aus dem Grundgesetz im Mittelpunkt seiner Beratung: "Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden." (Artikel 4, Absatz 3 Grundgesetz). Die Beratung richtet sich auch an aktive Soldat:innen sowie Reservist:innen, die nicht in den Kriegseinsatz wollen. 

Bert Gedenk war viele Jahre lang Friedensbeauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche. Vor seinem Theologiestudium verweigerte er 1981 den Wehrdienst und absolvierte den Zivildienst bei der AWO in Nordhorn.