Frauenquote bei Telekom: Eingeständnis der Niederlage

Frauenquote bei Telekom: Eingeständnis der Niederlage
Im Arbeitszeugnis der Personalchefs großer deutscher Unternehmen könnte stehen: Um Frauen in der Führungsebene hätten sie sich "stets bemüht, aber es reichte nicht". Das sei beschämend, sagte Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger am Montag in Berlin, "zumal wir ja seit einer Dekade Lippenbekenntnisse abgeben." Sein Unternehmen hat sich nun selbstverpflichtet, die Frauenquote im Management zu steigern. Bis 2015 sollten weltweit 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen mit Frauen besetzt werden, derzeit sind es in Deutschland nur zwölf Prozent.
15.03.2010
Von Simone Andrea Mayer

Damit ist die Deutsche Telekom das erste Dax-Unternehmen, dass sich eine solche Selbstverpflichtung auferlegt. Dies ist ein Signal, aber auch ein Eingeständnis einer Niederlage: "Unsere jahrelangen Maßnahmen zur Frauenförderung waren redlich und gut gemeint, der durchschlagende Erfolg blieb wie in allen großen Unternehmen leider aus", gestand Sattelberger. Telekom-Chef René Obermann sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Es gibt zu wenig qualifizierte Leute für unsere Industrie. Wir brauchen mehr Frauen, und dafür werden wir kämpfen."

Gesetzliche Verordnung nur als Ultima Ratio

Schülerinnen, weibliche Auszubildende und Studentinnen sind längst Spitze, in Deutschlands Führungspositionen sucht man Frauennamen aber mit der Lupe. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) identifizierte in den 80 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland 2009 nur eine einzige Frau im Vorstand: Die für Einkauf zuständige Barbara Kux bei Siemens. In den Aufsichtsräten sah es mäßig besser aus: In den 100 größten Firmen waren immerhin 10,1 Prozent Frauen vertreten, die meisten sind allerdings Arbeitnehmervertreterinnen.

Damit hängt Deutschland internationalen Vorreitern weit hinterher. In Norwegen und Frankreich wurden verbindliche Frauenquoten von 40 Prozent in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen per Gesetz beschlossen. In Belgien, Finnland, Schweden und Spanien wurde entsprechendes initiiert oder bereits beschlossen. In Deutschland aber hofft Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) vorerst auf freiwillige Änderungen der Unternehmensstrukturen: "Eine gesetzlich verordnete Quotenregelung für Frauen in Aufsichtsräten kann nur Ultima Ratio sein", teilte sie am Montag gemeinsam mit der Telekom mit.

Management richtet sich auf interne Kritik ein

Eine der wenigen weiblichen Aufsichtsräte, Frauke Vogler vom Solarunternehmen Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen, sucht die Schuld an geringen Frauenquoten auch bei den Frauen: "Ich muss auch mal sagen, wir müssen von den Frauen einfordern, dass sie ihren Anteil dazu leisten." So müssten Frauen sich stärker bemühen, in Netzwerke hineinzukommen, über die Qualifizierungen angeboten und Posten vermittelt werden. Sie hielten sich gerne raus, sagte Vogler.

Schützenhilfe für weibliche Talente gibt der Telekom-Personalvorstand, der bereits in vier Dax-Unternehmen tätig war. "Ich habe erlebt, dass Frauen für Spitzenpositionen gar nicht gesucht wurden", sagte Sattelberger. Er stellt sich daher auf interne Kritik gegen die neue Personalpolitik ein. "Die inneren Widerstände artikulieren sich dann gerne in dem bösen Wort der Quotenfrau", sagt Sattelberger. "Das Killer-Wort ist eines der hinterlistigen Worte, um zu verhindern, dass die Quote besser wird."

dpa