Die Sorge um das "C": Kirchen zu Gast bei CDU-Klausur

Die Sorge um das "C": Kirchen zu Gast bei CDU-Klausur
Pünktlich zur Klausurtagung des CDU-Bundesvorstands ist die Debatte um das konservative Profil der Partei voll entbrannt. Die Unzufriedenheit war schon länger zu spüren. Vor allem, wer sich unter traditionellen Katholiken umhörte, merkte: Es knirscht im Verhältnis zur CDU. Es ist daher kein Zufall, dass Hermann Gröhe, CDU-Generalsekretär und engagierter evangelischer Christ, die beiden Spitzenvertreter der großen Kirchen zur Klausurtagung eingeladen hat.

Am Donnerstagabend treffen die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin mit dem Bundesvorstand zusammen. Neben aktuellen Themen wie der Wirtschaftskrise, Afghanistan, der Gesundheits- und Familienpolitik geht es daher auf beiden Seiten auch um eine Vergewisserung: Was bedeutet das "C" noch in der Christlich-Demokratischen Union?

Traditionelles Familienbild, Kirchgang und Respekt vor dem Papst

Seit Merkel 2005 die Regierungsgeschäfte übernommen hat, sind die konservativen Wählermilieus der Union verunsichert. "Manche fragen sich, ob sie noch in der CDU beheimatet sind", sagt der badische CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß. Weiß, der dem Kardinal-Höffner-Kreis, einem Zusammenschluss katholischer Unionsabgeordneter, angehört, trifft gerade im Südwesten der Republik auf Wähler, für die ein traditionelles Familienbild, der sonntägliche Kirchgang und Respekt vor dem Papst noch selbstverständlich sind. Eine andere Partei als die CDU zu wählen, war in diesem Milieu über Jahrzehnte undenkbar.

Diese CDU-Mitglieder mussten sich zuerst mit einer evangelischen, geschiedenen und wiederverheirateten Bundeskanzlerin und Parteivorsitzenden anfreunden. Dann mit einer Familienministerin, die "Vätermonate" einführte. Und obendrein gab es noch die Kritik von Merkel am Papst.

CDU: Partei vernachlässige ihr "C"

Einige Katholiken zogen Konsequenzen und gründeten im vergangenen November den "Arbeitskreis Engagierter Katholiken in CDU und CSU". Der katholische Teil in der Union wolle sich wieder stärker zu Wort melden, sagt der CSU-Bundestagsabgeordnete und Mitbegründer Norbert Geis. Die Union müsse sich wieder mehr anstrengen, damit Christen bereit seien, sie zu wählen.

Nach Angaben des Sprechers des Kreises, Martin Lohmann, hat der Kreis inzwischen mehr als 600 Mitglieder. Demnächst soll es ein Treffen mit Merkel geben. Einen Termin konnte Lohmann aber noch nicht nennen.

Unterstützung erhielt der Arbeitskreis vom Kölner Erzbischof. Kardinal Joachim Meisner, der immer wieder der CDU mangelndes christliches Profil vorwirft, begrüßte die Gründung des Kreises. Nicht zufällig kursierte kurz später ein Papier in der CDU, in dem es hieß, die Partei vernachlässige ihr "C". Auch der Münchner Erzbischof Reinhard Marx unterstützte in der neuesten Ausgabe des "Spiegel" den Kreis. Darin drücke sich aus, "dass eine wichtige Strömung innerhalb der Partei zu wenig Gehör findet".

Wählerschichten: Konservatives katholisches Milieu stetig kleiner

Allerdings gibt es auch engagierte Katholiken in der Union, die die Gründung des katholischen Arbeitskreises mit Skepsis verfolgen. "Von mir ist bekannt, dass ich katholisch bin, dafür benötige ich keinen eigenen Gesprächskreis", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan der "Rheinischen Post". Auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und langjährige Kirchenbeauftragte der Unionsfraktion, Ingrid Fischbach, reagierte zurückhaltend. Die Partei müsse auch die Lebenswirklichkeit wahrnehmen, sagte Fischbach mit Blick auf die säkularisierte Gesellschaft und auf Lebensformen, die mit der traditionellen Ehe nicht mehr viel gemein haben.

Einige verweisen darauf, dass das konservative katholische Milieu stetig kleiner wird, so dass Merkel auch andere Wählerschichten im Auge haben müsse, wenn die CDU Volkspartei bleiben wolle. Der Abgeordnete Weiß betont jedoch, dass diese CDU-Anhänger ernst genommen werden müssten. "Denn Treuere hat die Union nicht."

"Sie muss schnellstens zu einer Privataudienz nach Rom"

Identifikationsfiguren wie Helmut Kohl und Erwin Teufel es einst waren, hat dieses Milieu derzeit in der Union nicht. Prominente Politiker, die konservativen Katholiken eine Stimme verleihen, fehlen inzwischen. Die stellvertretenden Parteivorsitzenden Roland Koch, Christian Wulff, Jürgen Rüttgers und Schavan sind zwar alle katholisch, füllen diese Rolle aber nicht aus. CSU-Chef Horst Seehofer ebenso wenig.

Und dann steht Merkels "Fehltritt", wie es von einigen gesehen wird, noch immer im Raum: ihre Kritik an der Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson durch den Papst. Ein Zusammentreffen Merkels mit dem Papst wäre ein wichtiges Signal für die verunsicherte katholische Stammwählerschaft, ist Weiß überzeugt. Ein Kirchenmann formuliert es direkter: "Sie muss schnellstens zu einer Privataudienz nach Rom."

epd