Gauck verteidigt Plädoyer für Auslandseinsätze gegen Kritiker

Gauck verteidigt Plädoyer für Auslandseinsätze gegen Kritiker
Bundespräsident Joachim Gauck hat sein Plädoyer für Auslandseinsätze der Bundeswehr gegen Kritik auch von kirchlicher Seite verteidigt. Soldaten zu schicken, sei die "allerletzte Variante", um "das Schlimmste zu verhüten", erläuterte Gauck.

"Wir sind keine Insel", sagte Gauck im ZDF-Sommerinterview. Es gebe in Europa gemeinsame Interessen und "Werte, die uns wichtig sind". Und Deutschland gehöre internationalen Bündnissen an, die auch dazu dienten, diese Werte unter Umständen zu verteidigen.

"Ich möchte nicht noch einmal erleben, dass in Ruanda Hunderttausende von Menschen abgeschlachtet werden und wir nichts tun. Nichts tun, um Ihnen zu helfen", sagte Gauck. Wenn sich die Vereinten Nationen damals durchgerungen hätten, Truppen anzufordern, um die Menschen vor dem Völkermord zu bewahren, dann hätte Deutschland "dabei sein" sollen, um gemeinsam mit den Partnerländern zu helfen.

Zur Kritik der evangelischen Theologin Margot Käßmann an seinem Wunsch nach mehr deutscher Verantwortung in internationalen Konflikten sagte Gauck, er teile deren Auffassung, dass es "keinen gerechten Krieg" gebe. "Aber manchmal sind Verteidigungshandlungen gerechtfertigt", betonte der Bundespräsident. Über solche Situationen habe er gesprochen und sei dankbar, dass die Mehrheit der Kommentatoren ihn so verstanden habe.

Soldaten schicken, um das Schlimmste zu verhüten

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und derzeitige Reformationsbotschafterin Käßmann hatte erklärt: "Im Zeitalter von Drohnen und Massenvernichtungswaffen kann niemand mehr Krieg als ein Werkzeug Gottes sehen." Gewalt sei nie gerecht, fügt sie hinzu... "Das sollte auch Joachim Gauck wissen." Auch ostdeutsche Pfarrer wie Friedrich Schorlemmer hatten Gauck kritisiert.

Der Bundespräsident, seinerzeit selbst evangelischer Pfarrer in der DDR, wies darauf hin, dass die Meinung Käßmanns nicht die Haltung der evangelischen Kirche insgesamt darstelle. Er sei dankbar, dass der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider seine Auffassung genauer zur Kenntnis genommen habe. Auch EKD-Militärbischof Sigurd Rinke hatte erklärt, es müsse "bestimmte Formen von rechtserhaltender Gewalt" geben.

"Wenn wir dann als allerletzte Variante unseres Tuns zusammen mit Bündnispartnern uns entschließen, Soldaten zu schicken, dann tun wir das nicht, um zu herrschen und zu dominieren, sondern wir tun es aus Solidarität, um das Schlimmste zu verhüten", sagte Gauck in dem ZDF-Interview: "Und das, denke ich, kann jeder nachvollziehen."

Das Sommerinterview mit dem ZDF lag dem Evangelischen Pressedienst vorab in schriftlicher Form vor.

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