Kardinal Kasper kritisiert Reformationspapier der EKD

Kardinal Kasper auf dem Katholikentag in Ulm

Foto: epd-bild / Norbert Neetz

Kardinal Kasper kritisiert Reformationspapier der EKD
Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat das Grundlagenpapier "Rechtfertigung und Freiheit" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in scharfer Form kritisiert.

Darin werde die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" von Lutheranern und Katholiken "mit keinem Wort auch nur erwähnt", sagte Kasper Radio Vatikan am Dienstag. Diese Nicht-Erwähnung habe ihn enttäuscht. Die Art und Weise, wie "von vielen Seiten geäußerte Kritik" zurückgewiesen wurde, habe ihn "entsetzt", schreibt der ehemalige "Ökumene-Minister" des Vatikan in einer schriftlichen Stellungnahme.

Kasper wirft den Verfassern des EKD-Papiers, das der Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017 dient, "konfessionalistische Eigenbrötelei" vor. "Sind wir in Deutschland wirklich so weit, dass die bloße Erwähnung eines wichtigen ökumenischen Dokuments für die Gemeinden in der EKD eine Belastung darstellt?", fragt Kasper. Falls dies Meinung der evangelischen Kirche sei, müsse sie sich fragen, "ob sie noch als ein ernsthafter ökumenischer Partner gelten will".

Vorwurf: "dogmatische Geschichtsdeutung"

Der EKD-Text wurde von einer Kommission unter Leitung des Kirchenhistorikers Christoph Markschies ausgearbeitet. Ausgangspunkt des Papiers ist die Rechtfertigungslehre Martin Luthers (1483-1546), die wesentlicher Grund für die Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert war. In der Rechtfertigungslehre sieht die EKD die Grundlage des reformatorischen Freiheitsverständnisses.

Der Kardinal äußert sich zustimmend zu der Kritik der Historiker Thomas Kaufmann und Heinz Schilling an dem Reformationstext. Aus katholischer Sicht könne man dem Vorwurf "dogmatischer Geschichtsdeutung" bei der Vorbereitung des Reformationsjubiläums nur zustimmen.

Die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" von 1999 gilt auf evangelischer wie katholischer Seite als wesentlicher Fortschritt in der Ökumene, da sie in einem zentralen Streitpunkt der Reformation einen Konsens erzielte. Für Kasper bedeutet die Tatsache, dass das jüngste EKD-Papier dieses Dokument nicht erwähnt, "nicht nur eine Absage an den katholischen Partner, sondern ebenso an den Lutherischen Weltbund, der dieses durch den damaligen Präsidenten, ein deutscher Landesbischof, unterzeichnet hat".

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