Katholikentag debattiert im strömenden Regen über Kirche und Gesellschaft

Katholikentag 2014

Foto: epd/Friedrich Stark

An Himmelfahrt öffnete der Himmel tatsächlich seine Pforten: Die Teilnehmer des Katholikentags in Regensburg wurden nass.

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Katholikentag debattiert im strömenden Regen über Kirche und Gesellschaft
Mit Aufrufen zum gesellschaftlichen Engagement der Christen ist am Donnerstag der Katholikentag in Regensburg fortgesetzt worden. Bei regnerischem und kühlem Wetter nahmen rund 17.000 Gottesdienstbesucher an einer Messe unter freiem Himmel teil, darunter Bundespräsident Joachim Gauck. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer rief die Christen in seiner Predigt zum Engagement in allen gesellschaftlichen Bereichen auf.

Der 99. Katholikentag war am Mittwochabend eröffnet worden. Bis Sonntag werden insgesamt rund 80.000 Teilnehmer zu dem katholischen Laientreffen erwartet, das unter dem Leitwort "Mit Christus Brücken bauen" steht. Rund 1.000 Veranstaltungen stehen auf dem Programm, darunter etwa 100 Veranstaltungen zur Ökumene.

Bundespräsident Gauck äußerte sich besorgt über eine "grassierende Gleichgültigkeit" in der Gesellschaft und rief Christen zum gesellschaftlichen Engagement auf. Viele Menschen verzichteten darauf, Verantwortung zu übernehmen, beklagte Gauck bei einem Podium zum Thema "Wie viel Religion verträgt die säkulare Gesellschaft?" Es sei eine Illusion, Gesellschaft ohne Engagement genießen zu können. Der Bundespräsident hatte sich zuvor bei einem Rundgang über Projekte katholischer Hilfswerke informiert.

"Ökumene braucht einen langen Atem"

Der Regensburger Bischof Voderholzer ermunterte im Hauptgottesdienst vor allem die jugendlichen Katholikentagsteilnehmer, sich gesellschaftlich zu engagieren. "Wir brauchen junge Menschen, die fest im Glauben verwurzelt, beruflich kompetent und mit einem starken Rückgrat sich einbringen, Verantwortung übernehmen und mitbauen an einer menschlichen Gesellschaft", sagte er. Auch in der Wirtschaft müssten Christen sich dafür einsetzen, dass "die Kluft zwischen arm und reich zumindest gemildert werden kann".

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, sagte, wenn die Religion aus der Öffentlichkeit verschwinde, sei die Gefahr von Orientierungslosigkeit groß. Trotz zunehmender Entkirchlichung seien "so viele Menschen wie nie auf der Sinnsuche". Viele Menschen suchten allerdings den Sinn nicht mehr in der Kirche. "Vertrauen zurückzugewinnen ist eine lange Wegstrecke", sagte der Präsident der katholischen Laienbewegung.

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann warnte vor Unbeweglichkeit wie auch vor Übereifer in der evangelisch-katholischen Ökumene. "Ökumene braucht einen langen Atem", sagte der Mainzer Bischof. Die ökumenischen Partner seien nicht selten in der Gefahr, eine Ökumene ohne theologischen Tiefgang zu betreiben. Den nachlassenden ökumenischen Schwung führte der Kardinal auch darauf zurück, dass die Differenzen in den vergangenen Jahrzehnten geringer geworden seien.

Auch der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm unterstrich die Bedeutung der Ökumene. Zwar sei die Kirche noch immer in verschiedenen Konfessionen getrennt. Er freue sich aber, dass katholische und evangelische Christen beim Katholikentag gemeinsam ein Glaubensfest feierten und neu auf die Botschaft Jesu Christi hörten, "die allein uns wieder zusammenführen vermag", sagte der Landesbischof in einer Predigt in der Dreieinigkeitskirche, die 1631 für evangelische Glaubensflüchtlinge errichtet wurde.

Die Reformationsbotschafterin der EKD, Margot Käßmann hob die ökumenische Dimension der Reformationsfeiern im Jahr 2017 hervor. "Wir wollen nicht alleine einen Lutherkult feiern, sondern gemeinsam feiern", sagte die evangelische Theologin in Regensburg. "Bei aller Differenz und dem je eigenen Profil verbindet uns mehr als uns trennt", betonte Käßmann.

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