"Fundraising ist vor allem Friendraising"

Roland Strehlke sammelt hauptberuflich Spenden für die Berliner Gedächtniskirche

Foto: epd-bild / Rolf Zöllner

Roland Strehlke steht auf einem Gerüt am alten Turm der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Rechts im Bild ist das "Fundraising-Gemeindekalender-Logo" von evangelisch.de.

"Fundraising ist vor allem Friendraising"
Roland Strehlke sammelt für die Berliner Gedächtniskirche
Wer viel Geld akquirieren will, braucht vor allem Fantasie. Das wissen die rund 800 Fundraiser, die sich ab Mittwoch zum Deutschen Fundraising-Kongress in Berlin treffen, nur zu gut. Einer, der für seinen Einfallsreichtum beim Thema Spenden bekannt ist, ist Roland Strehlke. "Du hast doch immer so gute Ideen", bekam der heute 51-Jährige schon im Jahr 2008 aus den Reihen des Gemeindekirchenrates der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu hören.

Die Gemeinde des prominenten Kirchenbaus mitten im Zentrum des Berliner Westens stand vor einer großen Herausforderung. Die Ruine des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Alten Turms, Berliner Wahrzeichen und Friedensmahnmal zugleich, bröckelte und musste dringend saniert werden. Veranschlagte Kosten: über vier Millionen Euro.

Hoffnungen auf Großspenden von solventen Berliner Unternehmen zerschlugen sich schnell. Die Gemeinde setzte deshalb auf bürgerschaftliches Engagement: Egal ob Einheimische, Touristen oder Berlin-Liebhaber - möglichst viele sollten dazu bewegt werden, für den Erhalt des "Hohlen Zahns", wie die Turmruine auch genannt wird, Geld zu spenden.

Über das "Wie?" sann Roland Strehlke nach, für den die Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche eigens eine Dreiviertel-Stelle als "Spenden-Referent" einrichtete. Als studierter Schauspieler brachte Strehlke nützliche Erfahrungen mit. Nach Jahrzehnten auf der Bühne produzierte er bereits 2005 einen Film über Crowdfunding, als die meisten Menschen hierzulande noch gar nicht wussten, was diese Art der Schwarmfinanzierung eigentlich ist. Zudem ist er ausgebildeter Filmkaufmann und Werbetexter.

Fugenpatenschaften, ein EC-Karten-Opferstock

Die Idee mit der "Fugenpatenschaft" für den Alten Turm kam ihm nach eigenem Bekunden bei Spaziergängen rund um die Gedächtniskirche. Für einen Meter der schadhaften Fugen am Alten Turm konnte man eine Patenschaft übernehmen verbunden mit einer Spende zwischen 50 und 5.000 Euro. Die persönliche Fuge wurde an einer Turmskizze in einer Urkunde genau gekennzeichnet: Die Großspender wurden zu Gold- und Platinumpaten ernannt und auf einer Bronzetafel namentlich verewigt.

Spendenurkunde in einer Box für die Sanierung des alten Turms der Berliner Kirche.

Unterstützt wurde die Kampagne zur "Fugenpatenschaft" von einigen Berliner Unternehmen, darunter ein Stadtmöbelhersteller, eine Tageszeitung und eine Werbeagentur. 450.000 Euro kamen auf diese Weise zusammen von 1.450 Spendern aus aller Welt. Dazu kamen weitere private Einzelspender sowie Zuwendungen und Fördermittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Lottostiftung, des Kulturstaatsministers und des Berliner Senats. Am Ende waren die 4,2 Millionen Euro zusammen und es konnte 2011 mit der Sanierung des Turms begonnen werden. Der Anteil von privaten Spenden, die durch gezieltes Fundraising eingeworben wurden, lag bei 1,2 Millionen Euro.

Zu der "Fugenpatenschaft" kamen weitere Spendenmöglichkeiten hinzu wie ein elektronischer Opferstock für EC-Karten in der Gedenkhalle des Alten Turms, ein Online-Spenderportal sowie die Möglichkeit von SMS-Spenden. 

"Das Wichtigste am Fundraising ist das Friendraising", erklärt Roland Strehlke. Fundraising sei in erster Linie Beziehungspflege, die Spender bei der Stange zu halten und sich bei ihnen "zu bedanken". "Der Spender muss das Gefühl haben, er hat die Welt ein bisschen besser gemacht."

Dankesabenden in der Kirche

Teil der Beziehungspflege ist "Momentum", eine Zeitschrift der Gedächtniskirche "für Spender, Freunde und Interessierte", wie es heißt. Darin gibt es Informationen zum aktuellen Baugeschehen, zu neuen Projekten oder Stücke aus der Geschichte der Kirche. Zudem werden die Spender regelmäßig zu Dankesabenden in die Kirche eingeladen mit kleinem Imbiss und Konzert. "Die Menschen danken uns das mit ihrer zweiten, dritten oder x-ten Spende", sagt Strehlke.

Die Sanierung des Alten Turms wird im Sommer 2014 abgeschlossen sein. Aber es warten bereits neue Aufgaben. Als nächstes muss das 2.500 Quadratmeter große Podium um die Kirche für 1,4 Millionen Euro neu gepflastert werden. Gesucht werden "Podium-Paten" für neue Pflastersteine. Aber auch die kleine Kapelle und die Betonwaben des neuen Glockenturms sind wieder fällig. An vielen Stellen bröckelt bereits der Beton und der Armierungsstahl schimmert durch. Veranschlagte Kosten: noch unbekannt.

Der Deutsche Fundraising-Kongress ist einer der Termine aus unserem Gemeindekalender 2014. Schauen Sie selbst, welche Termine Sie und ihre Gemeinde bewegen könnten.