Sendeschluss für Dirty Harry

Harald Schmidt

Foto: dpa/Christian Charisius

Sendeschluss für Dirty Harry
Nach 26 Jahren TV-Karriere verabschiedet sich Harald Schmidt mit der letzten Ausgabe seiner Show vom Fernsehen.

Es wird ein TV-Abschied fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Wenn Harald Schmidt am 13.3. auf Sky zum letzten Mal seine Witze reißt, dürfte kaum jemand zuschauen. Die Einschaltquoten für die seit anderthalb Jahren beim Bezahlsender laufende "Harald Schmidt Show" waren enttäuschend, zudem wurde "Dirty Harry" eine gewisse Lustlosigkeit vorgeworfen, die er jüngst in einem Radiointerview bestätigte.

"Meine Sachen laufen sich tot. Ich habe selber auch das Gefühl: Es reicht, ich habe nicht mehr die Kraft", sagte der 56-jährige Schwabe, der früher mit seinen zynischen Späßen Maßstäbe im Fernsehen gesetzt hat und dem Sky nun den Saft abdreht. Am 13. März läuft um 22.15 Uhr die letzte Ausgabe der legendären "Harald Schmidt Show". 

Dass es nicht ewig weitergehen würde mit Harald Schmidts TV-Karriere, die vor 26 Jahren mit der Sendung "MAZ ab!" startete, hatte sich schon länger abgezeichnet: Seine Mitte der neunziger Jahre bei Sat.1 gestartete Late-Night-Show wurde zum Wanderpokal, wobei der geschäftstüchtige Entertainer bei jedem Vertragsabschluss mit einem neuen Sender gut Kasse machte – finanziell hat der 56-Jährige seine Schäflein schon lange im Trockenen. Die von 1995 bis 2003 bei Sat.1 laufende Late-Night-Sendung war mit durchschnittlich rund einer Million Zuschauer zwar kein Quotenhit, doch seine ironischen Sprüche und respektlosen Witze machten Harald Schmidt zum Kultstar, der für ein anderes, frecheres Fernsehen stand.

Teuer erkaufter Imagegewinn

Damit wollte sich auch die altehrwürdige ARD schmücken, die Dirty Harry verpflichtete und seine Show von 2004 bis 2011 zu später Stunde im Ersten zeigte. Seine Einschaltquoten konnte der Zyniker dort zwar leicht verbessern, doch mit seiner Lust am Job schien es kontinuierlich bergab zu gehen. Ein Zeichen des Niedergangs war sicherlich die Verpflichtung des Brachialkomikers Oliver Pocher, den Schmidt Ende 2007 in seine Show holte. Die Show-Ehe hielt nur anderthalb Jahre, im Herbst 2009 beendeten die beiden so verschiedenen Spaßmacher ihre Zusammenarbeit. Vor drei Jahren wechselte Harald Schmidt dann zurück zu Sat.1 und musste ein unerwartetes Quotendesaster erleben: Durchschnittlich wollten nur noch 660.000 Zuschauer die "Harald Schmidt Show" sehen – kein Wunder, dass der werbefinanzierte Privatsender das Experiment schon nach etwas mehr als einem halben Jahr wieder beendete.

Zur Überraschung der TV-Branche war die Bildschirm-Odyssee Harald Schmidts damit aber nicht vorbei: Der auf kostenpflichtige Fußballübertragungen, Hollywoodfilme und TV-Serien spezialisierte Kanal Sky verpflichtete den Kult-Entertainer, der im Programm des Bezahlsenders seit September 2012 dienstags bis donnerstags seine Späße macht. Für das um Abonnenten buhlende Sky erwies sich Schmidts Show als teuer erkaufter Imagegewinn, die Einschaltquoten waren schlecht und lagen zuweilen sogar unter dem messbaren Bereich. Schmidt selber schien das wenig zu kratzen: Es sei ihm egal, ob 4.000 Zuschauer oder vier Millionen seine Show guckten, denn "in der Studiosituation" merke er ja nichts davon.

Doch jetzt zog Sky die Reißleine und verlängerte den Vertrag mit Dirty Harry nicht. Die "Harald Schmidt Show" ist somit nach fast 20 Jahren Geschichte. Wie es mit Harald Schmidt weitergeht, steht derzeit in den Sternen: Eine Rückkehr ins Fernsehen schloss der fünffache Vater aus, möglicherweise macht er ja zukünftig auf der Bühne im legendären Studio 449 in Köln sein "eigenes Theater", wie er im Rundfunkinterview sagte, oder präsentiert Witziges im Internet. Der zynische Schwabe war schließlich immer für eine Überraschung gut.

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