Jugendliche fragen nach lutherischer Identität heute

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Foto: Florian Hübner/DNK-LWB

Foto: Florian Hübner/DNK-LWBJunge Erwachsene bringen Bewegung in die Kirche: Die Steuerungsgruppe des Jugendprogramms "Young Reformers Network" bei ihrem ersten Treffen in Wittenberg im Herbst 2013.

Jugendliche fragen nach lutherischer Identität heute
Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 startet der Lutherische Weltbund (LWB) ein weltweites Jugendnetzwerk. Dabei sollen sich junge Christen aus allen Erdteilen überwiegend im Internet über Fragen des Glaubens und der lutherischen Identität im 21. Jahrhundert austauschen. Im Gespräch mit evangelisch.de erläutert LWB-Jugendreferentin Caroline Richter Inhalte und Ziele des ungewöhnlichen Projekts.

Frau Richter, was ist das Ziel des Young Reformers Network?

Richter: Wir haben ein weltweites Netzwerk von jungen Lutheranern ins Leben gerufen, die sich über Fragen der Reformation heute Gedanken machen und an selbstgewählten Themen arbeiten wollen. Das Netzwerk soll hauptsächlich im Internet stattfinden, zur "Halbzeit" gibt es im August 2015 ein Treffen im Wittenberg. Wir wollen junge Menschen aus der weltweiten lutherischen Gemeinschaft miteinander in Kontakt bringen, damit sie sich darüber austauschen, was lutherische Identität in den verschiedenen Kulturen und Regionen des 21. Jahrhunderts bedeutet.

Welche Themen stehen dabei im Mittelpunkt?

Richter: Die Jugendlichen werden die Themen selbst bestimmen. Es gibt aber bereits drei Schwerpunkte, die die Jugenddelegierten bei der LWB-Vollversammlung 2010 in Stuttgart eingebracht haben und die auch im Netzwerk aufgegriffen werden sollten: Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit, Gendergerechtigkeit sowie Jugendpartizipation.

Ende September 2013 hat sich die Steuerungsgruppe in Wittenberg getroffen. Welche Aktivitäten wurden dabei beschlossen?

Richter: Zur internationalen Steuerungsgruppe gehören sieben Jugendliche aus allen sieben LWB-Weltregionen, das sind Afrika, Asien, Lateinamerika und Karibik, Nordamerika, Westeuropa, Zentral- und Osteuropa und Nordeuropa. Diese werden das Projekt planen und steuern. Sie haben gemeinsam nachgedacht und entschieden, wie sie das Programm gestalten werden. Unser Motto "Freed by God's love – to change the world" (Durch Gottes Liebe befreit – um die Welt zu ändern) lehnt sich an das Motto an, mit dem wir im LWB auf 2017 zugehen, "Befreit aus Gottes Gnade".

"Jemand aus Magdeburg fragt nach einem Begriff wie Gnade. Sie oder er bekommt dann Antworten aus Singapur, Namibia oder Argentinien."

Gibt es schon Überlegungen für die Kernthemen des Netzwerks?

Richter: Im April sollen jeweils zwei Repräsentanten, eine junge Frau und ein junger Mann, von jeder der zurzeit 142 LWB-Mitgliedskirchen benannt sein. Dann haben wir einen Online-Prozess über die Frage, wie lutherische Identität heute aussieht. Das wird eine Art Online-Katechismus, bei dem ein Dialog entstehen soll, auch mit Hilfe von Videos und Online Diskussionen. Wir stellen uns vor, dass zum Beispiel jemand aus Magdeburg die Frage stellt, was heute ein Begriff wie "Gnade" bedeutet. Sie oder er bekommt dann Antworten aus Singapur, Namibia oder Argentinien.

Die Ergebnisse dieses Austauschs sollen dann bis Oktober 2014 gebündelt werden.

Richter: Ja, wir werden aus der theologischen Diskussion in einem zweiten Schritt jene Themen herausfiltern, die besonders dringlich erscheinen. Anfangs dachten wir an drei Schwerpunkte, es könnten aber bis zu zehn werden. Am Reformationstag soll es dann eine erste Online-Konferenz aller Delegierten geben – eine globale virtuelle Tagung. Dort werden die Themen in Arbeitsgruppen behandelt.

Warum kann die Erinnerung an die Reformation gerade für Jugendliche gewinnbringend sein?

Richter: Wichtig ist, wenn wir der Reformation gedenken, dass wir uns der Wurzeln bewusst sind. In Deutschland denkt man dabei zuerst an Luther in Wittenberg. Aber für viele unserer Mitgliedskirchen in der Welt liegen die Wurzeln auch woanders – in den Missionskirchen etwa, die den Glauben dort zuerst zu den Menschen gebracht haben. Es wird eine neue Definition zu finden sein, was lutherische Kirche heute in der Welt bedeutet. Natürlich wollen die Lutheraner aus aller Welt die Reformationsstätten in Wittenberg und anderswo sehen - es gibt die Geschichte, es gibt aber auch die aktuelle Situation. Die Spannung zwischen Tradition und postmodernem Leben wird ein wichtiges Thema sein. Wir blicken in die Vergangenheit, um neue Chancen und Impulse für die Zukunft zu bekommen. Der Blick ist nach vorne gerichtet, es wird keine Geschichtsstunde.

Mitglieder der Steuerungsgruppe des "Young Reformers Network" im Gespräch.

In Europa sind die Kirchen eher alt als jung. In anderen lutherischen Weltregionen sieht das ganz anders aus - was kann der alte Kontinent da lernen?

Richter: Wir erhoffen von diesem Lernprozess, dass eine solche Begegnung und Vernetzung viele neue Perspektiven auf Glauben heute eröffnet, und dass eine Begeisterungswelle nach Europa zurückkommt. Es gibt viele kleinere Kirchen in der Welt, die sehr jung sind. In Kolumbien haben wir eine LWB-Mitgliedskirche, in der mehr als zwei Drittel der Menschen jünger sind als 30 Jahre. Junge Menschen übernehmen da sehr schnell Verantwortung – damit sind wir schon beim Thema Jugendpartizipation.

"Die Methode ist wichtig: in seinem eigenen Kontext arbeiten, gleichzeitig aber vernetzt sein und damit die globale Perspektive im Blick zu haben."

Vorgesehen sind Lern- und Praxiserkundungen in Form von Reformationsprojekten in den jeweiligen Heimatkirchen. Wie könnte das aussehen?

Richter: Aus den zehn Themen sollen im August 2015 in Wittenberg Projektideen entwickelt werden. Vielleicht will jemand eine Jugendliturgie entwickeln, die auch in den anderen LWB-Regionen verwendet werden kann. Wir denken auch an das Thema "Junge Frauen und Kirche". Die Methode ist wichtig: in seinem eigenen Kontext arbeiten, gleichzeitig aber vernetzt sein und damit die globale Perspektive im Blick zu haben. Die Jugendlichen sollen aber nicht nur Projekte machen, sondern auch danach vernetzt bleiben. Etwa beim Thema Klimagerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Konsumverhalten: Wenn sich da fünf Delegierte aus fünf verschiedenen Ländern finden, die gemeinsam weiter arbeiten und lernen, wäre das wunderbar.

Das Netzwerk will natürlich auch im Jahr des Reformationsjubiläums präsent sein. Wo und wie?

Richter: Als Lutherischer Weltbund haben wir uns entschieden, polyzentrisch zu feiern – nicht nur an einem Ort, sondern überall auf der Welt. Auch in Deutschland, aber auch in den anderen Mitgliedsländern. Die Ergebnisse des Netzwerks werden sehr präsent sein in Namibia, wo 2017 die LWB-Vollversammlung stattfindet. Wir hoffen zudem, dass wir bei der großen Reformations-Weltausstellung in Wittenberg beteiligt sind.

aus dem chrismonshop

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