Kirchen wollen das Verfahren des Heimkinder-Fonds vereinfachen

Kirchen wollen das Verfahren des Heimkinder-Fonds vereinfachen
Die evangelische und die katholische Kirche haben die teilweise schleppende Bearbeitung der Anträge ehemaliger Heimkinder durch staatliche Beratungsstellen beklagt.

"Wartezeiten von mehreren Monaten tragen zur Retraumatisierung derjenigen bei, die sich an den Fonds wenden. Dies muss vermieden werden", sagten der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, und der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, am Dienstag.

In einer gemeinsamen Stellungnahme forderten die Kirchen Vereinfachungen im Verfahren des Fonds. Vor allem die Zeit vom ersten Kontakt mit der Beratungsstelle bis zur Auszahlung der Gelder durch die Bundeskasse müsste verkürzt werden. Da Leistungen beim Fonds Heimerziehung West nur noch bis Ende 2014 beantragt werden können, appellierten Zollitsch und Schneider an ehemalige Heimkinder, dieses Hilfsangebot zu nutzen.

Die Kirchen reagierten mit diesem Aufruf auf Berichte, wonach der Fonds Heimerziehung West anders als der Fonds für Betroffene aus der ehemaligen DDR noch gut gefüllt sei. In den beiden vergangenen Jahren sind demnach 66 Millionen Euro von insgesamt 120 Millionen Euro beantragt worden. Dieser Fonds für traumatisierte Heimkinder in der alten Bundesrepublik wird jeweils zu einem Drittel vom Bund, den Ländern und den Kirchen finanziert, in deren Trägerschaft sich mehr als die Hälfte aller Heime befanden.

Die Vorsitzenden bedauerten zugleich, dass es trotz intensiver Bemühungen noch nicht gelungen sei, Betroffenen aus der Behindertenhilfe und Psychiatrie ähnliche Hilfen anzubieten. Menschen, die zwischen 1945 und 1975 in der Bundesrepublik in einer solchen Einrichtung untergebracht waren, berichteten von ähnlich schlimmen Erfahrungen wie ehemalige Heimkinder. "Auch diese Gruppe Betroffener sollte schnellstens Hilfen zur Bewältigung ihrer schlimmen Erlebnisse erhalten", forderten Zollitsch und Schneider von Bund und Ländern.
 

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