Bibelserie: Freier und "Huren" in der Heiligen Schrift

Johannes Baeck, Der Verlorene Sohn /1637

Foto: akg-images/Erich Lessing

"Der Verlorene Sohn" auf einem Gemälde von Johannes Baeck von 1637. Der Sohn in der Bibelerzählung verprasst das Vermögen des Vaters, u.a. bei Prostituierten, wie es die Interpretation von Baeck zeigt.

Bibelserie: Freier und "Huren" in der Heiligen Schrift
Der Legende nach gilt sie als "ältestes Gewerbe der Welt": die Prostitution. Die Große Koalition will das Prostitutionsgesetz reformieren. Der Beruf ist umstritten: Schon in der Bibel wird Prostitution ambivalent thematisiert. Einerseits werden Prostituierte als Glaubensvorbilder genannt, andererseits wird vor ihrem Umgang gewarnt.

Glauben und nicht Beruf entscheidend

Matthäus 21,31f.

Ob eine Frau als Prostituierte arbeitet, ist Jesus ziemlich egal. Ihm geht es darum, dass Menschen zum Glauben und zu Gott finden. Um das immer wieder klar zu machen, legt er sich oft mit den religiösen Autoritäten seiner Zeit an. Als er einmal im Tempel ist, verwickeln ihn einige Hohepriester und Älteste ins Gespräch. Jesus lässt sich nicht auf eine rechthaberische Diskussion ein, sondern erzählt ihnen Gleichnisse. Als sie die nicht verstehen, sagt er ihnen Unverschämtes: "Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr."

Zitat: "Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm."

 

Eine Prostituierte als Glaubensvorbild

Josua 2; Hebräer 11,31; Matthäus 1,5; Jakobus 2,25

Bis ins Ostjordanland hatte Mose das Volk Israel geführt. Nun musste sein Nachfolger Josua das "gelobte Land" erobern. Er sendet Kundschafter aus, um die Stimmung im Land Kanaan auszuforschen. Zwei von ihnen kommen nach Jericho – und haben offensichtlich nichts Besseres zu tun als zuerst eine Prostituierte zu besuchen. Rahab, so ihr Name, versteckt die beiden auf dem Dach ihres Hauses und verleugnet sie vor den Soldaten des Königs von Jericho. Als Dank fordert sie, bei der Besetzung Jerichos durch die Israeliten verschont zu bleiben. Die beiden Männer versprechen es ihr; als Zeichen soll sie ein rotes Seil aus dem Fenster hängen lassen. Danach lässt Rahab die beiden durch ihr Fenster fliehen. Im Neuen Testament wird Rahab als Glaubensvorbild geehrt. Sie ist eine Urahnin Jesu.

Zitat: "Durch den Glauben kam die Hure Rahab nicht mit den Ungehorsamen um."

 

Verkleidet auf dem Straßenstrich

1. Mose 38

Was ihr widerfuhr, fand sie ungerecht: Nach dem Tod ihres Mannes namens Er sollte die kinderlose Tamar im Hause ihres Schwiegervaters Juda leben und warten, bis dessen jüngster Sohn Schela erwachsen und heiratsfähig wird. Um ihren Kinderwunsch schneller zu erfüllen, heckt sie einen Plan aus. Sie wirft sich aufreizende Schleier über und bietet auf der Straße ihre Liebesdienste an. Ihr Schwiegervater Juda wird zum Freier, erkennt sie nicht und schwängert sie. 

Zitat: "Als Juda sie nun sah, meinte er, es wäre eine Hure, denn sie hatte ihr Angesicht verdeckt."

 

Hosea und die "Hurenfrau"

Hosea 1,1-9; 2,21

Gänzlich frei von romantischen Vorstellungen war die Partnerinnenwahl des Propheten Hosea. Er bekam von Gott den Auftrag, sich ein "Hurenweib" zur Frau zu nehmen, mit dem er "Hurenkinder" zeugen sollte. Wem beim Kennenlernen der beiden Assoziationen an den Film "Pretty Woman" kommen, liegt sicherlich falsch. Hosea ging und nahm sich eine Prostituierte namens Gomer. Aus der Beziehung gingen drei Kinder hervor. Die seltsame Familie sollte ein Zeichen sein dafür, dass Israel mit fremden Göttern "hurte". Dass Gott eigentlich andere Vorstellungen einer liebevollen und leidenschaftlichen Beziehung hat, wird später deutlich. Wenn Israel seinem Gott wieder treu ist, will er sich "verloben für alle Ewigkeit, ich will mich mit dir verloben in Gerechtigkeit und Recht, in Gnade und Barmherzigkeit".

Zitat: "Geh hin und nimm ein Hurenweib."

 

Auf Felder und in Tempeln …

5. Mose 23,18; Jeremia 2,20; Hesekiel 16,24

In allen altorientalischen Religionen gehörte die kultische Prostitution zum Ritus und galt nicht als ehrenrührig, sondern als heilig. Unter Bäumen, in Höhlen und in Tempeln gaben Frauen wie Männer ihre Körper hin – für die Götter und den Liebesakt. Das auf dieser Weise eingenommene Geld ("Hurenlohn") floss an die offiziellen Religiösen und wurde für Kultgegenstände verwendet. Der biblische Gott warnt die an ihn Glaubenden vor dieser Art Götzendienst: "Es soll keine Tempeldirne sein unter den Töchtern Israel und kein Tempelhurer unter den Söhnen Israel!" Trotzdem waren die Juden anfällig und mussten von den Propheten immer wieder an das Verbot erinnert werden: "Auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen Bäumen triebst du Hurerei."

Zitat: "Du bautest dir einen Hurenaltar und machtest dir ein Lager darauf an allen Plätzen."

 

Biblische Freier

Richter 16,1; Baruch 6,10; Sirach 9,6; 19,3; Lukas 5,30

Wer nahm eigentlich die Dienste Prostituierter in Anspruch? Die Freier kamen aus allen Schichten. Als der Richter Simson einmal nach Gaza kam, ging er zuerst zu einer Liebesdienerin. Der namentlich unbekannte "verlorene" Sohn eines Gutsbesitzers verprasste sein Hab und Gut mit Prostituierten. Sogar Priester wurden im Freudenhaus gesehen. Und das alles entgegen der dringenden Ratschläge der biblischen Weisheit. "Hänge dich nicht an die Huren, damit du nicht um dein Vermögen kommst", warnt Sirach.

Zitat: "Wer sich an Huren hängt, der wagt zuviel; den fressen Maden und Würmer, und wer so verwegen lebt, der wird hinweggerafft."

 

Die "große Hure" der Endzeit

Offenbarung 17-19

"Eine Frau auf einem scharlachroten Tier, das war voll lästerlicher Namen und hatte sieben Häupter und zehn Hörner": So stellt sich der Seher Johannes die "große Hure" vor, die im Jüngsten Gericht Angst und Schrecken verbreitet. Doch meint Johannes das sinnbildlich für die große Feindmacht Babylon, das im apokalyptischen Endkampf vernichtet wird. 

Zitat: "Von dem Zorneswein ihrer Hurerei haben alle Völker getrunken, und die Könige auf Erden haben mit ihr Hurerei getrieben, und die Kaufleute auf Erden sind reich geworden von ihrer großen Üppigkeit."

Infos zur Serie
Sehr viel von dem, was uns im Alltag begegnet, ist in der Bibel schon erwähnt. In der Serie "Best of Bible" suchen Uwe Birnstein und Sonja Poppe diese Stellen zusammen.

Die Grenzen zwischen profaner und sakraler Prostitution waren in biblischen Zeiten fließend. Luther versuchte in seiner Übersetzung, die Unterschiede mit den beiden Begriffen "Dirne" und "Hure" zu verdeutlichen. Paulus warnt die Christen vor Unzucht mit Prostituierten. Erstaunlich unbefangen geht Jesus mit dem Thema um.

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