Berlin fordert Aufklärung nach Terroranschlag im Jemen

Berlin fordert Aufklärung nach Terroranschlag im Jemen
Nach dem Terroranschlag mit Dutzenden Toten im Jemen, bei dem auch zwei deutsche Entwicklungsexperten ums Leben gekommen sind, prüft ein Krisenstab der Bundesregierung Konsequenzen für die weitere Zusammenarbeit.

Aus Regierungskreisen in Berlin verlautete am Freitag, es könnte auf eine Ausdünnung des Personals hinauslaufen. Zu dem Anschlag bekannte sich laut BBC-Berichten vom Freitag die Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel.

Der Gebäudekomplex in Sanaa, zu dem das Verteidigungsministerium und ein Militärkrankenhaus gehören, sei als Ziel ausgewählt worden, weil von dort US-Drohnen gesteuert worden seien, zitierte der britische Sender einen Al-Kaida-Sprecher. Bei dem Anschlag waren am Donnerstag mehr als 50 Menschen getötet worden, darunter zwei deutsche und ein jemenitischer Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die Deutschen seien zum Zeitpunkt des Anschlags am Donnerstagmorgen zufällig vor Ort gewesen, erklärte die GIZ in Eschborn. Die GIZ-Mitarbeiter hielten sich offenbar in dem Krankenhaus auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Anschlag scharf. Regierungssprecher Stephan Seibert sagte am Freitag in Berlin, die Kanzlerin sei "außerordentlich bestürzt" über den Terrorakt. Die Terroristen handelten menschenverachtend. Die internationale Gemeinschaft dürfe im Kampf gegen den Terror nicht nachlassen.

Botschaft im Notbetrieb

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte, es sei ein Krisenstab gebildet worden. Die Lage im Jemen sei sehr schwierig und habe mit dem Anschlag eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die deutschen Mitarbeiter, die im Jemen für Entwicklungsorganisationen arbeiten, seien zunächst aufgefordert worden, das Land zu verlassen. Die deutsche Botschaft werde bis auf weiteres mit reduziertem Personal im Notbetrieb arbeiten. Außerdem seien die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden.

Auch Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigten sich tief bestürzt. "Ich verurteile den feigen Anschlag in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa aufs Schärfste", erklärte Niebel am Freitag in Berlin. "Wir unterstützen mit unserer Entwicklungsarbeit die Menschen im Jemen dabei, sich eine Zukunftsperspektive zu erarbeiten. Die Terroristen zielen darauf, genau diese Zukunft zu zerstören", betonte er. "Deshalb attackieren sie die Menschen, wo sie am verletzlichsten sind, zum Beispiel im Krankenhaus."

GIZ seit 40 Jahren im Jemen

Westerwelle erklärte, die Bundesregierung erwarte, dass der Terrorakt schnellstmöglich aufgeklärt werde und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Jemen dürfe kein Hort des Terrors werden, sagte der Außenminister. Dafür werde Deutschland sich weiter einsetzen.

Die GIZ ist seit mehr als 40 Jahren im Jemen aktiv. Sie fördert dort vor allem die Bildung und baut die Wasserversorgung aus. Weiter ist das Bundesunternehmen im Gesundheitssektor, in der Ernährungssicherung und der Wirtschaftsentwicklung tätig.

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