Hohe Erwartungen an K-8

Vatikanstadt

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Reformgeist weht über den Dächern des Vatikan. Blick vom Petersdom über den Petersplatz. Im Hintergrund Engelsburg, Tiber und die Innenstadt von Rom.

Hohe Erwartungen an K-8
Acht Kardinäle aus aller Welt nehmen Beratungen über Reformen im Vatikan auf
Papst Franziskus hat mit der Ernennung eines Kardinalsrats, der ihn bei der Leitung der Weltkirche und bei der Ausarbeitung einer Kurienreform unterstützen soll, hohe Erwartungen geweckt. Weitgehend einig schienen sich die Teilnehmer des Konklaves im vergangenen März darüber zu sein, dass Abläufe und Strukturen im Vatikan radikaler Änderungen bedürfen.
Deutschland spricht 2019

Mit der Formel "mehr Kollegialität und Subsidiarität" umriss Erzbischof Robert Zollitsch nach der Vollversammlung der deutschen Bischöfe am Freitag in Fulda die Erwartungen an das Beratergremium. Als konkretes Beispiel für die Rückübertragung von Kompetenzen von Rom auf die Ortskirchen nannte er das neue katholische Gesangbuch. Über die Einführung des "Gotteslob" könnten ohne römische Mitwirkung die beteiligten Bistümer in Deutschland und Österreich entscheiden, empfahl der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Die letzte Reform der vatikanischen Kurie liegt inzwischen ein Vierteljahrhundert zurück. Papst Johannes Paul II. strebte 1988 mit der Apostolischen Konstitution "Pastor Bonus" mehr Beteiligung der nationalen Bischofskonferenzen an den Entscheidungsprozessen der Weltkirche an. Dennoch wuchs das Gewicht der Kurie, der Einfluss insbesondere italienischer Bischöfe und Kardinäle stieg seither stetig.

Regelmäßige Bischofssynoden im Vatikan verliefen meist nach einem starren Schema, das jedem Teilnehmer eine beschränke Redezeit einräumte und kaum Diskussionen vorsah. Eine der Hauptaufgaben des neuen Kardinalsrats ist es auf Wunsch des Papstes, die Arbeit der Synoden wirksamer zu organisieren, damit die Bischöfe aus aller Welt sich bei diesen effektiver untereinander und mit Kurienmitgliedern austauschen können.

Papst will erst einmal zuhören

Eine umfassende Kurienreform werde Zeit erfordern, dämpfte Franziskus selbst zu hohe Erwartungen an die Arbeit der Kardinalskommission. Bis Donnerstag will das Oberhaupt der katholischen Kirche dem auch als "K-8" bezeichneten Kardinalsgremium vor allem zuhören. Entscheidungen oder Dokumente werde es in dieser Woche nicht geben, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Montag.

Papst Franziskus sorgt für frischen Wind in der katholischen Kirche.

Kritiker warnen, eine Kurienreform dürfe sich nicht allein auf besseres Management und mehr Transparenz innerhalb der Kurienbehörden beschränken. Grundlegenden Reformbedarf sieht etwa der amerikanische Jesuit Thomas Reese auch bei der Personalpolitik. Die Leitung zahlreicher vatikanischer Kongregationen und päpstlicher Räte sollte demnach künftig nicht mehr mit Erzbischöfen und Kardinälen sondern mit kompetenten Laien besetzt werden.

Mit besonderer Spannung werden die Beratungen der acht Kardinäle über die kirchliche Familienpolitik erwartet. Unter diesem Sammelbegriff erwartet Franziskus, dass die Purpurträger Möglichkeiten einer Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion ausloten. Nachdem aus dem Vatikan in den vergangenen Jahren mehrfach die ablehnende Position der Amtskirche bei diesem Thema bekräftigt worden war, gibt es in jüngster Zeit durchaus Anzeichen für eine Aufweichung der bisherigen Haltung.

Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene?

Die bisherige Amtszeit von Papst Franziskus legt die Vermutung nahe, dass es die Kardinäle nicht bei umfangreichen Dokumenten mit langen Zitaten aus päpstlichen Schreiben belassen werden. Franziskus dürfte schon durch seine Präsenz für einen offenen Gesprächsstil in den Beratungen sorgen. Ob er sich mit seinem Anliegen durchsetzen kann, die Kurie mehr an den Interessen der Ortskirchen auszurichten, wird sich noch zeigen. Bisher ließ der 76-jährige Franziskus kaum einen Zweifel daran, dass er eine vitale Kirche wünscht, die sich nicht in Dokumenten und Versammlungen erschöpft.