TV-Tipp: "Zwei Frauen für alle Felle: Neuanfang"

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29. August, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Zwei Frauen für alle Felle: Neuanfang"
"Zwei Frauen für alle Felle" startet als neue ZDF-Freitagsreihe: Zwei Tierärztinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, eröffnen gemeinsam eine Praxis. Zwischen rätselhaften Symptomen, Familienchaos und Labradoodle Tessa geht es turbulent zu.

Vermutlich hat schon Bettina Böttinger das Wortspiel nicht erfunden, als sie einst für den WDR die Doku-Soap "Ein Heim für alle Felle" konzipierte, und auch sonst klingt "Zwei Frauen für alle Felle" erst mal nicht sonderlich originell. Zwei Frauen, die nicht nur vom Alter her grundverschieden sind, tun sich zusammen, um gemeinsam eine Praxis zu betreiben: Das erinnert an die ZDF-Sonntagsreihe "Mit Herz und Holly" (seit 2023); selbst die Titel der beiden Auftaktfilme, dort "Diagnose Neustart", hier "Neuanfang", sind sich ähnlich. Ansonsten entspricht das Schema der neuen Freitagsreihe dem bewährten "Medical"-Muster von "Eifelpraxis" oder "Praxis mit Meerblick": Beruflich suchen Maja Freydank (Bettina Zimmermann) und Julia Kramer (Meriel Hinsching), Detektivinnen gleich, nach den Ursachen rätselhafter Symptome, privat erleben sie allerlei Turbulenzen. 

Einziger, aber wesentlicher Unterschied zu den anderen Reihen, der Titel lässt es erahnen: Die beiden Frauen behandeln "alle Geschöpfe groß und klein"; so lautete der übersetzte Originaltitel der auch hierzulande sehr beliebten BBC-Serie "Der Doktor und das liebe Vieh" (ab 1978) nach den Erzählungen des Tierarztes James Herriot. Sein erstes Buch hieß "Wenn sie doch nur reden könnten", und dieser Stoßseufzer markiert auch den größten Kontrast zwischen den beiden Veterinärinnen: Julia sagt von sich selbst, sie sei keine Hundeflüsterin. Während die erfahrene Maja grundsätzlich auf ihr Bauchgefühl vertraut, hält sich die jüngere Kollegin lieber an Fakten; auch das ein typischer Muster, wenngleich vor allem in Krimiserien. 

Dass die beiden Filme allem Schematismus sowie der soliden, aber allzu unaufgeregten Inszenierung (Stefan Bühling) zum Trotz dennoch sehenswert sind, liegt vor allem an den vielen Geschichten, die die "Praxis mit Meerblick"-erfahrene Autorin Anja Flade-Kruse erzählt. Auch hier finden sich zwar allerlei schon oft verwendete Versatzstücke, doch die Kombination ist abwechslungsreich und die Figuren sind interessant: Maja hat ihren von Kai Schumann als sympathischen Luftikus verkörperten Gatten zwecks "Beziehungspause" ausquartiert, was gelegentliche nächtliche Rückfälle nicht ausschließt. Julia wiederum verliebt sich regelmäßig in ihre Kollegen, pflegt aber stets Reißaus zu nehmen, wenn’s ernst wird. Zumindest in dieser Hinsicht kann sie bei Maja unbesorgt sein, und die gelegentlichen medizinischen Differenzen erweisen sich ohnehin als fruchtbar. Einig sind sich die beiden auch darin, keine teuren Operationen vorzuschlagen, wenn ein Tier bald an Altersschwäche sterben wird. 

Zunächst erzählt "Neuanfang" jedoch, wie die Frauen zusammenkommen: Majas Chef (Karl Kranzkowski) wechselt in den Ruhestand und will seine Praxis im schönen Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt) an einen Konzern verkaufen, der in der Gegend auch eine Klinik betreibt. Maja wäre fortan Angestellte und würde als Springerin mal hier, mal da eingesetzt. Kurzerhand beschließt sie, die Praxis selbst zu übernehmen, zumal ihr neuer Chef (Max von Pufendorf) ein Schnösel ist. Die junge Kollegin hat zwar schon einen Vertrag bei Sanaripets unterschrieben, aber keine Lust auf Schichtdienst, und weil sich die beiden Frauen auf Anhieb gut verstehen, tun sie sich zusammen. Julias Privatleben beschränkt sich zumindest im ersten Film auf ihre Besuche beim Bruder: Leo (Matti Schmidt-Schaller) sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl, ist aber felsenfest überzeugt, eines Tages wieder laufen und in seinen Beruf als Koch zurückkehren zu können.

Mindestens so wichtig wie die zweibeinigen Mitwirkenden ist in "Neuanfang" die vierbeinige Hauptfigur: Labradoodle Tessa läuft Maja zu Beginn des Films vors Auto. Bei der Untersuchung der Hündin entdeckt sie Symptome, die nicht vom Unfall stammen können. Im Gegensatz zu den beiden Ärztinnen ahnt das medical-geschulte Publikum alsbald, das hinter der lebensbedrohlichen Krankheit des Tiers keineswegs der stinkstiefelige Nachbar (Henning Peker), sondern ein familiäres Drama steckt. Auch bei Maja läuft daheim nicht alles nach ihrem Wunsch: Ihre beiden Teenager argwöhnen, dass sie als Praxischefin noch weniger Zeit für sie haben wird. Und dann gibt’s noch eine Nebenebene mit einer kleinen und bis kurz vor Schluss stummen Rolle für Wolfgang Stumph: Wenn Maja morgens nackt im Waldsee schwimmt, versteckt der Vater ihre Kleider, weil Baden dort verboten ist. Was wie ein neckischer Streich wirkt, hat einen überaus ernsten Hintergrund, der ebenfalls allerlei Zündstoff birgt.