Demonstranten in Chile erinnern an Folterzentrum der Diktatur

Demonstranten in Chile erinnern an Folterzentrum der Diktatur
Vor dem 40. Jahrestag des Militärputsches in Chile haben mehrere hundert Menschen an die Folterungen in der deutschen Siedlung "Colonia Dignidad" ("Kolonie der Würde") erinnert.

Unter dem Motto "Colonia Dignidad - 40 Jahre Straflosigkeit" versammelten sich die Menschen am Sonntag (Ortszeit) vor dem Eingangstor der Siedlung in der Nähe der südchilenischen Stadt Parral, wie der Rundfunksender Radio BíoBío berichtete. Während der Diktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) diente die Siedlung dem berüchtigten Geheimdienst DINA als Folterzentrum.

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Die Menschen forderten die Beschleunigung der Ermittlungsverfahren gegen Täter der Colonia Dignidad. Auch die Bundesregierung und die deutsche Justiz wurden aufgefordert, ihre Ermittlungen gegen den in Krefeld wohnhaften Arzt der Colonia Dignidad, Hartmut Hopp, voranzutreiben. Hopp wurde in Chile wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs zu fünf Jahren Haft verurteilt. Am 15. Mai 2011 flüchtete er nach Deutschland und lebt seither in Krefeld. Deutschland hatte seine Auslieferung abgelehnt.

Die deutsche Siedlung Colonia Dignidad, 400 Kilometer südlich der chilenischen Hauptstadt Santiago sorgte jahrzehntelang für Schlagzeilen. Es ging um sexuellen Missbrauch, Folter unter der Pinochet-Diktatur und illegalen Waffenhandel. Geflohene Mitglieder berichteten von unmenschlichen Zuständen in der auf nationalsozialistischem und pseudoreligiösem Gedankengut aufgebauten Zwangswelt.