Forscher kritisieren Schockbilder auf Zigarettenschachteln

Forscher kritisieren Schockbilder auf Zigarettenschachteln
Schockbilder auf Zigarettenschachteln sind offenbar nicht geeignet, Rauchern ihre Sucht zu verleiden. Hirnforscher und Marketingexperten bezweifeln den Sinn einer entsprechenden Maßnahme der EU-Kommission, wie das deutsche Wissensmagazin "New Scientist" (Hamburg) in seiner neuen Ausgabe berichtet.

Auf den Verpackungen sollen Abbildungen von Teerlungen, Wundbrandbeinen und Kehlkopflöchern Käufer auf die Gefahren des Nikotingenusses hinweisen. Die Schockfotos kommen dem Bericht zufolge nicht gegen das erlernte Suchtverhalten an. Zwar prägten sich Bilder besser ein als Warntexte wie "Rauchen kann tödlich sein", fanden Neurologen mithilfe eines Magnetresonanztomografen heraus. Der Anblick einer Zigarettenschachtel aktiviere aber dennoch das Lust- und Suchtzentrum im Gehirn.

Warnbilder können Trotzreaktion hervorrufen

Immer drastischere Warnungen auf Zigarettenschachteln könnten sogar schaden, sagte Sabine Glock von der Universität Luxemburg: "Warnbilder bedrohen den Raucher. Dieser will sich verteidigen und verfällt in eine Trotzreaktion." Raucher wüsten genug über ihr Risiko, so die Sozialpsychologin. Dieses Wissen ließe sich besser mit subtileren Packungsbotschaften aktiveren.

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Damit die Hinweise ihre Wirkung behalten könnten, müsste der Informationsgehalt regelmäßig verändert werden, empfahl Glock. Jugendliche müssten völlig anders angesprochen werden als erwachsene Raucher. In Kanada, das 2001 als erstes Land die drastische Packungsdekoration einführte, zeigte sich laut den Recherchen der Zeitschrift kein nennenswerter Effekt auf den Tabakkonsum. Er sei dort ohnehin seit Jahren ebenso rückläufig wie in Deutschland, das auf Tabaksteuer, Aufklärungskampagnen und Rauchverbote setzt.