Gauck soll es deutlich sagen: "Es geht um Rassismus"

Gauck soll es deutlich sagen: "Es geht um Rassismus"
Die Mahner seien nicht gehört, die Anschläge durch Ausreden bagatellisiert worden.

Die Sicherheitsbehörden hätten nicht nur bei dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen vor 20 Jahren und bei der Terrorgruppe NSU versagt, findet Rechtsextremismus-Experte David Begrich, sondern gingen auch in anderen Fällen wie mehrfach in Sachsen-Anhalt oft nicht angemessen mit rechtsextremen und fremdenfeindlichen Straftaten um. (Begrich in der Berliner "tageszeitung", Samstagsausgabe).

Auch in Politik und Medien müsse kritischer reflektiert werden, "dass Lichtenhagen die Ouvertüre für ein ganzes Jahrzehnt rechtsextremer Gewalt war, das nie richtig aufgearbeitet wurde", kritisierte Begrich, der bei dem Verein Miteinander in Magdeburg arbeitet. Damals hätten die späteren NSU-Täter und andere Neonazis den Eindruck vermittelt bekommen, sie könnten ungestraft tun, was sie wollen. "Opfer, Mahner und Menschen, die sich dagegen gewehrt haben, wurden oft nicht gehört."

Schale Argumentation: "Wendewirren Schuld am Progrom"

Begrich forderte Bundespräsident Gauck auf, die Probleme ernst zu nehmen: "Es wäre gut, wenn er deutlich benennen würde, um was es geht: Rassismus." In der Debatte über die Gewaltexzesse in Rostock 1992 würden auch heute wieder "die alten Argumentationsfiguren" bemüht, gesellschaftliche Umbrüche, Wendewirren und Arbeitslosigkeit seien Schuld an dem Pogrom gewesen.

Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burghardt sagte der Zeitung "Neues Deutschland" (Samstagsausgabe), das Pogrom in Lichtenhagen sei damals "von der Politik mindestens fahrlässig herbeigeredet worden" und anschließend benutzt worden, um das Asylrecht zu ändern. Auch heute werde Rassismus viel zu oft ignoriert, rechtsextreme Anschläge bagatellisiert und rassistische Taten nicht aufgeklärt, bis hin zu einem "Totalversagen der Ermittler" bei den NSU-Morden.

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