Kein Platz für Floskeln! Wenn es um Gerechtigkeit und Gottes-Dienst, Menschlichkeit und Mut, Ungerechtigkeit und Unterstützung geht, ist es Christ:innen auf Social Media ernst.
Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kam nicht überraschend – trotzdem war in den fünfzehn anderen Bundesländern vor allem viel Bestürzung zu lesen. Auch junge Christ*innen teilten am Wahlabend und am Tag nach der Wahl auf Social Media, was sie angesichts der Wahlergebnisse umtreibt. Dabei geht es um Faschismus, Angst und ‚Wokeness‘, auch um Frieden, Fürsorge und Solidarität und Trost.
Wir haben auf Instagram eine Auswahl von Stimmen gesammelt. Zehn Christ:innen aus dem evangelischen yeet-Netzwerk und ihre ganz unterschiedlichen Positionen zum Wahlausgang:
Pia Schäfer @2fuer1halleluja:
"Wir sind viele. Viele, die an Liebe statt an Hass glauben. An Menschlichkeit statt Ausgrenzung. An eine Gesellschaft, in der alle dazugehören. Lasst uns sichtbar bleiben. Lasst uns weiter reden. Lasst uns Haltung zeigen. Liebe ist stärker."
Elske Gödeke @elzkalation:
"Die Prognosen für die Wahl stimmten – aus meiner Sicht ist der Katastrophenfall eingetreten. Manche sagen ‘Das ist Demokratie’, Wählerwille oder ‘Lass die erstmal machen’. Derweil liege ich gestern Nacht mit Tränen auf den Wangen im Bett und fühle mich in Gefahr. Meine Familie in Gefahr.
Gedanken, die cis-weiß-hetero-Deutsche vermutlich lächerlich finden. Oder auch nicht, weil sie finden, dass wir hier nichts verloren haben.
Nächstes Jahr kommt auch hier in Niedersachsen ein neuer Landtag. Ist Faschismus auch hier wieder wählbar? Ist meine Familie noch sicher?"
Jan Simowitsch @jan_simowitsch:
"Der Osten besteht aus mehr als blauen Zahlen. Der Freiheits- und Gerechtigkeitssinn ist auch im Osten riesig! Ich bin begeistert, was viele hoch engagierte Menschen im Osten in den letzten Tagen, Wochen Monaten und einige seit vielen Jahren durchziehen.
Wie stark ihr geworden seid, wie sehr ihr bündnisfähig seid, vom Bauhaus bis zu den Omas gegen rechts, von Antifaschist:innen aus dem Jugendclub bis zu den Kirchen. Ihr habt wahrhaftig begriffen, dass es nur zusammen geht.
Ich bin mir sicher: Mit diesem Zusammenhalt, mit dieser entschiedenen und gelebten Form der Solidarität, werden die Demokratie und damit die Menschenrechte und Menschenwürde für alle Menschen gewinnen. Danke in den Osten! Ihr macht mir Mut!"
Sara Keller @glaubensraum:
"Zwischen den dunklen Wolken erinnert mich Gott vielleicht heute Morgen: Licht strahlt durch die Dunkelheit. "
Jörg Niesner @wasistdermensch:
"Seit wann ist Nächstenliebe links? 43,8 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt und plötzlich soll alles, was nicht rechts ist ‘links’ sein? Mich stört diese Verschiebung gewaltig. Wer Menschenwürde verteidigt, sich gegen Ausgrenzung stellt, für Geflüchtete, Arme, Kranke oder Menschen mit Behinderungen eintritt, wird als ‘links’, ‘woke’ oder weltfremd abgeheftet. Als hätte Rechtsaußen das Recht, die politische Mitte neu zu vermessen. Nein. Nächstenliebe ist kein Parteiprogramm. Barmherzigkeit ist keine politische Mode. Und die besondere Aufmerksamkeit für Menschen, die schwach, fremd, arm oder ausgegrenzt sind, gehört seit den Anfängen zum Kern des christlichen Glaubens."
Gianna Baier @_giannahavana:
"In den Wahlergebnissen steckt auch ein Sieg für demokratische Parteien. Auch wegen der Aktion ‘Taktisch wählen’ ziehen Grüne und SPD in den Landtag ein, die wegen der 5%-Hürde fast raus gewesen wären – was eine alleinige Mehrheit der AFD ermöglicht hätte.
Dieses Ergebnis zeigt also nicht nur den erschreckenden Zuwachs der AfD, es zeigt auch den Zusammenhalt der demokratischen Wähler*innen, die den Wunsch, ihre eigene Partei zu wählen, hintenangestellt haben, um eine rechtsextreme Alleinregierung zu verhindern."
Daniela-Marlin Jakobi @danielamarlinjakobi:
"Ich fühle mich überrollt von den Ergebnissen. Als neurodivergente Person nehme ich die welt sehr intensiv wahr - vor allem Ungerechtigkeit in der Welt. An Tagen wie dem der Wahl möchte ich mein Herz behüten und Hoffnung behalten. "Ich und viele andere Menschen setzen sich für eine gerechte, plurale Gesellschaft und Demokratie ein. Darauf können wir stolz sein und hoffen. Wir können uns gegenseitig aufbauen, unterstützen und trösten, wenn trotz unserer Mühen die Worst-Case-Szenarien Realität werden sollten."
Michael Waschhof @gottcaster:
"Kirche ist nicht da, um Demokratie zu retten. Es geht nicht um ein abstraktes politisches System – mir geht es um seine Menschen. So verstehe ich Gottes-Dienst. Damit Gott und die Nächsten den Raum bekommen, der ihnen gebührt. Ich muss laut werden, wenn die Würde des Menschen missachtet wird.
"Egal, ob gegen eine bestimmte Partei oder gegen Auswüchse des Kapitalismus, Extremismus aller Seiten und Religionen oder oder oder.
Gottes-Dienst heißt für mich: Hinzusehen, zu widersprechen zu stärken und zu schützen. Und von Gott zu erzählen, von Freiheit und Heimat. Mit Liebe und Zuversicht."
Johannes Schneider @blind_geglaubt:
"Politik verteilt Mandate und Sitze im Parlament – aber sie entscheidet niemals über deinen Wert. Deine Würde ist unantastbar. Dein Leben hat unendlich viel Bedeutung. Keine Wahl, kein Rechtsruck und keine Hetze können jemals bestimmen, wer du bist. Wenn die Angst dich erdrücken will, lass dich von dieser Gewissheit tragen: Du bist nicht allein.
Wir sehen dich, wir tragen diese Last gemeinsam und wir lassen niemanden im Stich. Lass uns die sozialen Medien mit Fürsorge, Nächstenliebe und echtem Zusammenhalt füllen – damit die Angst nicht das letzte Wort behält. Du bist wertvoll. Du bist gewollt. Bleib behütet."
Josephine Teske @seligkeitsdinge_:
"Gott, bewahre unsere Demokratie, stärke alle, die sich für ein gutes Miteinander einsetzen, und lass uns nicht vergessen: Jede Stimme zählt. Jeder Mensch ist wertvoll. Und Frieden beginnt dort, wo wir einander achten."
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