Bischof Bilz: Kirche muss sich auch politisch äußern

Sachsens Landesbischof Tobias Bilz
epd-bild/Heike Lyding
Nicht nur im Hinblick auf die Wahlen in Sachsen-Anhalt: Bischof Tobias Bilz ist überzeugt, dass Kirche sich auch politisch äußern muss.
Kirche und Politik
Bischof Bilz: Kirche muss sich auch politisch äußern
Sachsens Landesbischof Bilz spricht in einem aktuellen Podcast von der Verantwortung der Kirche in herausfordernden Zeiten. Er plädiert für klare Worte und Relevanz der Themen.

Nach Überzeugung von Sachsens evangelischem Landesbischof Tobias Bilz muss sich Kirche auch politisch äußern. Eine Positionierung sorge oft auch für Interesse, sagte Bilz im Podcast der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens "Echt jetzt?!" in Dresden.

Er habe die Erfahrung gemacht, je deutlicher er sich zu Zeitfragen äußere, umso interessanter fänden es die Leute und träten in einen Diskurs ein. Die Menschen blieben seiner Erfahrung nach nicht der Kirche fern, weil klare Worte gesprochen werden, sagte er.

Viel größer sei die Gefahr, dass Kirche nicht benennt, was die Menschen beschäftigt, und dass nicht ausgesprochen wird, was im alltäglichen Leben relevant sei. Eine besondere Aufgabe sieht Bilz darin, Hilfe und Orientierung zu geben.

Fehlentwicklungen benennen

Kirche dürfe nicht schweigen, wenn sie Entwicklungen wahrnehme, die aus ihrer Sicht nicht hinnehmbar sind, sagte der Bischof: "Wenn ich etwas feststelle im Land, von dem ich sage, das geht so nicht, dann muss das ausgesprochen werden." Die Kanzel sei jedoch kein Ort für Parteipolitik.

Entscheidend sei, die Werte der Demokratie zu verteidigen: Freiheit, Würde und gleiche Rechte für alle sowie die Erkenntnis, dass Menschen aufeinander angewiesen seien. Er nehme auch eine gesellschaftliche Überforderung wahr, sagte Bilz: "Wir sind eine Gesellschaft unter Druck."

Gründe dafür seien ein hohes Tempo, eine Vielzahl von Nachrichten und eine zunehmende Komplexität. Populistische und autoritäre Bewegungen reduzierten komplexe Sachverhalte. Aber eine vereinfachte Komplexität sei auch eine Gefährdung, sagte der Landesbischof.