TV-Tipp: "München Beats"

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26. August, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "München Beats"
Von Kartoffelknödeln zu heißen Rhythmen: Die Miniserie "München Beats" verwebt die Pfanni-Firmengeschichte mit dem Aufstieg der Münchner Clubkultur der 90er-Jahre. Ein mitreißendes, stark besetztes Generationendrama.

Maggi für die Suppe, Kartoffelknödel von Pfanni, zum Nachtisch ein Pudding von Dr. Oetker: Die drei Marken gehörten zum westlichen Nachkriegsdeutschland wie Tesa, Tempo und der Otto-Katalog. Pfanni, 1949 in München gegründet, war vierzig Jahre lang eins der wichtigsten Unternehmen der bayerischen Landeshauptstadt. Eine Miniserie über die Firmengeschichte des Kartoffelkonzerns wäre sicher auch interessant, aber in "München Beats" geht es um Techno. Und doch sind die beiden Ebenen untrennbar miteinander verwoben; dem Drehbuchteam rund um Erfolgsautor Christian Schnalke ist eine ungewöhnliche Kombination gelungen.

Die 1994 beginnende Handlung enthält Triumphe, Tragödien und Dramen, unter anderem sorgt eine verbotene Liebe für erhebliche Komplikationen, aber im Mittelpunkt steht ein zweifacher Generationskonflikt. Weibliche Hauptfigur dieses Spielfilms in vier Teilen ist eine junge Frau, die der Enge des elterlichen Kartoffelhofs in Ismaning entfliehen will. Linda – auch der Name einer besonders aromatischen Kartoffelsorte – zieht nach München, zunächst ohne Plan und Perspektive; bis sie vom Techno-Fieber gepackt wird. Jule Hermann verkörpert ihre Rolle mit einer derart erfrischenden Natürlichkeit, dass schon allein ihre Leistung ein Einschaltgrund ist.

Die Existenz von Lindas Eltern (Marlene Morreis, Frederic Linkemann) ist untrennbar mit Pfanni verknüpft. Theo Meinhardt (Tobias Moretti), ein Unternehmer von altem Schrot und Korn und außerdem Lindas Patenonkel, hat die Zeichen der Zeit zu spät erkannt und strategische Fehler begangen; dem Werk droht die Pleite. Daher will er den Markennamen verkaufen, die Fabrik abreißen und an ihrer Stelle ein Geschäftszentrum errichten. Sohn Marius (Klaus Steinbacher), kürzlich als gescheiterter Internet-Investor aus New York zurückgekehrt, hat andere Pläne: Das Firmengelände soll Europas größte Partyzone werden – und Linda die Massen mit ihren Beats begeistern.

Rund um die zentralen Figuren erzählen Schnalke und seine Koautorinnen (Stefani Straka, Julie Fellmann) eine Vielzahl weiterer Geschichten, zum Beispiel über Homophobie in der Provinz, die Lindas Bruder Andi (Ben Münchow) am eigenen Leib erfährt, als er von Gleichaltrigen halbtot geprügelt wird. Meinhardt senior ist ebenfalls eine tragische Figur, Gattin Alicia (Sophie von Kessel), die ihren Kummer in Alkohol ertränkt, ohnehin, zumal ein zwanzig Jahre altes Geheimnis gleich beide Familien zu zerstören droht. Die Pfanni-Ebene ist stark fiktionalisiert, doch die historischen Details sind korrekt; aus dem Werksgelände wurde 1996 der Kunstpark Ost. Im Mittelpunkt steht jedoch Linda, die von den beiden schwulen Betreibern der ebenfalls authentischen "Deutschen Eiche" unter die Fittiche genommen wird und ihren Weg geht; nicht immer unbeirrt, aber mit Hilfe von DJ-Kollege Olli (Moritz Jahn) mehr oder weniger zielstrebig. Dass sie sich in Marius verliebt, verkompliziert die Dinge allerdings, wie sich schließlich zeigt.

Im Vergleich zu den zwar aufwändigeren, aber auch recht staatstragenden Prestige-Mehrteiler des ZDF etwa über die Essener Familie Krupp (2009, auch nach Drehbüchern von Schnalke) oder das Hotel Adlon (2013) ist "München Beats" nicht zuletzt dank der mitreißenden Techno-Passagen (Christoph Zirngibl, Andreas Weidinger), die eine eigene Veröffentlichung verdient hätten, ungleich kurzweiliger und unterhaltsamer. Michaela "Mimi" Kezele, selbst gebürtige Münchenerin, hat für das "Zweite" zuletzt das sehenswerte Drama "Kati – Eine Kür, die bleibt" (2024, über Katarina Witts überraschendes Olympia-Comeback 1994) gedreht. Auch wenn ihre Miniserie längst nicht die optische Wucht der beiden "Oktoberfest"-Serien (ARD) hat: Inhaltlich gibt es durchaus Parallelen, zumal hier wie dort die vielen verschiedenen Personen nie zu Klischees werden. Das gilt allen voran für Lindas schwule Ersatzeltern Rudi und Klaus (Michael A. Grimm, Simon Pearce) sowie für Andis erste Liebe (Helge Mark). Sehr schön ist auch die Rolle von Tim Seyfi, dessen Figur dem bis heute in München verehrten Wolfgang Nöth nachempfunden ist; der "Hallenkönig" hat damals gewissermaßen die Clubhallen-Kultur erfunden.

Prolog und Epilog, beide nur kurz, spielen in der Gegenwart. Roman Knižka war sich nicht zu schade, am Schluss quasi nur in die Kamera zu winken. Auch das hat einen besonderen Grund, der sich jedoch erst im Abspann erschließt. Jule Hermann (Jahrgang 2004), ebenfalls Münchenerin, stand zwar schon mit zehn Jahren das erste Mal vor der Kamera, musste bislang aber noch auf den Durchbruch warten; den dürfte sie nun geschafft haben.
Das "Zweite" zeigt heute die Teile ein und zwei, der Rest folgt morgen. Die Serie steht komplett im ZDF-Streaming.