RKI meldet schon jetzt rund 14.000 hitzebedingte Tote

Nebeldusche gegen Hitze
epd-bild/Tim Wegner/Tim Wegner
Nebelduschen können etwas Erleichterung verschaffen für Menschen, die bei Hitze unterwegs sind.
Trauriger Rekord
RKI meldet schon jetzt rund 14.000 hitzebedingte Tote
Nach jüngster Schätzung des Robert Koch-Instituts sind in diesem Jahr bereits rund 14.000 Menschen infolge der Hitze gestorben - so viele wie nie zuvor. Politiker und Verbände fordern verbesserten Hitzeschutz.

Die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Deutschland hat in diesem Sommer einen neuen Höchststand erreicht: Bis zum Stichtag 9. August schätzte das Robert Koch-Instituts (RKI) rund 14.000 Hitzetote, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Wochenbericht des Instituts hervorgeht. Damit liegt die Zahl aus bislang sieben Monaten bereits mehr als 50 Prozent über dem bisherigen Höchstwert eines gesamten Jahres: Im insgesamt heißen Jahr 2018 wurden rund 9.000 hitzebedingten Todesfällen vermerkt. Angesichts des Negativrekords mehren sich von Politikern und Wohlfahrtsverbänden Forderungen nach verstärktem Hitzeschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen.

Mit Blick auf die rasant steigenden Todeszahlen wurde vonseiten der Opposition Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) laut. "Brutale Hitze, tausende Tote. Der Kanzler schweigt. Brennende Wälder, der Kanzler informiert sich und tut ansonsten nichts", sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge in der RTL/ntv-Sendung "Frühstart" (Donnerstag). Dies sei "fatal und verantwortungslos".

Auf Fragen von Journalisten nach einer Äußerung des Bundeskanzlers zum Thema Hitzemortalität hatte Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille am Vortag erklärt, über Hitzeschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen werde auf der Kabinettsklausur in der kommenden Woche beraten. Die Klausur findet am Dienstag und Mittwoch in Schloss Neuhardenberg in Brandenburg statt.

Lauterbach: Zahl der Hitzetoten "eher unterschätzt"

Hohe Temperaturen sind laut den RKI-Daten für ältere Menschen besonders gefährlich: Ab einem Alter von 75 steigt die Übersterblichkeit durch Hitze stark an, fast 10.500 der in diesem Jahr verzeichneten Hitzetoten gehörten dieser Altersgruppe an. Mit etwa 9.600 der hitzebedingten Sterbefälle gehen laut RKI rund zwei Drittel aller Hitzetoten auf die besonders heiße Woche vom 22. bis 28. Juni zurück, als in Deutschland vielerorts Rekordtemperaturen über 40 Grad Celsius gemessen wurden.

Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geht davon aus, dass die Zahl der Toten sogar noch höher liegen könnten: "Das Robert Koch-Institut fährt eine eher konservative Methodik. Das heißt, dass die Zahl der Hitzetoten eher unterschätzt wird", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post" (Donnerstag). Um künftig einen besseren Hitzeschutz zu erreichen, sprach sich Lauterbach für eine Änderung des Grundgesetzes aus. Wirksamer Hitzeschutz koste viel Geld. Deshalb halte er den jüngsten Vorstoß von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) für richtig, über eine Grundgesetzänderung für Hitze- und Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe nachzudenken.

Grundgesetzänderung für Klimaanpassung?

Auch der Paritätische begrüßte den SPD-Vorstoß für eine Grundgesetzänderung: "Sie könnte eine dauerhafte und verlässliche Beteiligung des Bundes ermöglichen, statt Klimaanpassung immer wieder über befristete Modellprojekte zu finanzieren", sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Rock dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zugleich betonte er den Bedarf, den Hitzeschutz in sozialen Einrichtungen zu fördern.

Hitzeperioden in Deutschland führen laut RKI regelmäßig zu einem Anstieg der Todeszahlen. Hitze ist dabei selten die alleinige Todesursache. Meist führt eine Kombination aus hohen Temperaturen und Vorerkrankungen zum Tod. Da Hitze auf Totenscheinen normalerweise nicht als Todesursache angegeben wird, schätzt das RKI die Zahl der Hitzetoten mithilfe statistischer Verfahren.