Hitzetelefone unterstützen Senior:innen

Älterer Mann trinkt zu Hause aus einem Wasserglas
Getty Images/iStockphoto/LSOphoto
Wer sich beim Hitzetelefon angemeldet hat, bekommt von Mai bis September grundsätzlich einmal pro Woche einen Anruf.
Hilfe bei Hitze und Einsamkeit
Hitzetelefone unterstützen Senior:innen
Viele Senior:innen trinken bei hohen Temperaturen zu wenig und verlassen kaum das Haus. Daher gibt es in einigen Kommunen inzwischen Hitzetelefone. Sie können helfen, die gesundheitlichen und sozialen Folgen von Hitze zu mildern.

Mindestens einmal in der Woche klingelt bei mehr als 50 Senior:innen in Freiburg das Telefon. Am anderen Ende sind Ehrenamtliche des Freiburger Hitzetelefons. Sie fragen die Senior:innen, wie es ihnen geht und geben Tipps für heiße Tage.

"Die Anrufe des Hitzetelefons werden als sehr wohltuend empfunden", sagt Koordinatorin Carolin Fessler vom Freiburger Hausnotruf-Dienst im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er bietet die kostenlose Hotline in Kooperation mit der Stadt Freiburg an. Die Anrufe sollen die gesundheitlichen und sozialen Folgen von Hitze abschwächen.

Denn gerade Betagte, die schon gesundheitlich vorbelastet sind, sind oft ans Haus gefesselt. "Bei Hitze gehen sie noch seltener nach draußen", so Fessler. Insbesondere bei Hitzewellen könne es vorkommen, dass sie tagelang in einer über 35 Grad heißen Wohnung sitzen. "Und in Freiburg ist es im Sommer selten kühl", unterstreicht Fessler. Ein wöchentlicher Anruf, bei dem auch geplaudert wird, tue ihnen gut.

Zugleich geben die Ehrenamtlichen am Telefon Tipps, wie sich hohe Temperaturen besser bewältigen lassen. Manchmal erinnern die Mitarbeiter:innen die Senior:innen daran, ausreichend zu trinken, manchmal gehen sie aber auch auf individuelle Probleme ein. "Denn nicht alle Hitzetipps gelten für alle Menschen gleichermaßen", so Fessler. So sollten etwa Menschen mit Herzschwäche "nicht unbedingt literweise Wasser trinken, sondern die empfohlene Trinkmenge mit dem Hausarzt oder der Hausärztin beziehungsweise dem Kardiologen oder der Kardiologin absprechen".

Angemeldete sind meist älter als 75 Jahre

Wer sich beim Hitzetelefon angemeldet hat, bekommt von Mai bis September grundsätzlich einmal pro Woche einen Anruf. Auf Wunsch auch an allen Tagen, an denen es eine Hitzewarnung gibt. Die meisten der Angemeldeten sind älter als 75 Jahre.

Das Freiburger Hitzetelefon wird inzwischen im dritten Jahr angeboten. Die Idee entstand durch die Notrufe, die beim Hausnotruf-Dienst eingingen. "Es war offensichtlich, dass Senior:innen unter der Hitze leiden", sagt Fessler. Durch die nachlassende Fähigkeit des Körpers, seine Temperatur zu regulieren, und oft ein geringeres Durstgefühl dehydrieren sie öfter oder erleiden einen Schwächeanfall. Und ihr Leben wird oft schon erschwert durch Krankheiten wie Diabetes, Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Teils können sich diese durch Hitze noch verschlimmern.

Angehörige sind manchmal misstrauisch

Auch in anderen Städten wie Köln, Würzburg oder Recklinghausen gibt es inzwischen Hitzetelefone in unterschiedlichen Formaten. Das Projekt in Recklinghausen ist für das Jahr 2024 vom Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule und dem Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) evaluiert worden. Im Abschlussbericht heißt es: "Hitzetelefone scheinen ein guter Weg zu sein, um insbesondere vulnerable Menschen der höheren Altersklassen zu schützen und in Hitzeperioden zu unterstützen."

Allerdings gebe es viel Misstrauen und Unsicherheiten, auch durch Angehörige. Hitzetelefone müssten daher durch laufende Kommunikation und der Zusammenarbeit mit lokal verankerten Einrichtungen abgesichert werden.
Wie kann man Menschen ohne Risikobewusstsein erreichen?

 

In den Interviews zeigte sich zudem, dass Hitzephänomene immer wieder bagatellisiert werden, teils auch ignoriert. Eine Teilnehmerin sagte etwa sinngemäß: "Wetter ist immer, heiß war es auch häufig und geschimpft wurde auch immer über das Wetter. Da muss man mit leben." Wie ältere Menschen erreicht werden können, die kein Gefährdungsbewusstsein haben, sei offen.

An der Evaluation beteiligten sich 23 Menschen aus Recklinghausen. Die Beteiligten waren im Schnitt 82 Jahre alt, überwiegend weiblich und lebten alleine. Rund 60 Prozent der Befragten gaben in den Interviews an, Schwierigkeiten mit Hitze zu haben. "Dabei wurde oft angemerkt, dass alle alltäglichen Aktivitäten während Hitzetagen schwerer zu bewältigen sind."

Nummer des Freiburger Hitzetelefons: 0761/296 22 570