Es hätte so ein schönes Wochenende werden können. Gute Gespräche, gutes Essen, guter Wein, und das alles vor der Kulisse des Kaisergebirges in Tirol: Was kann da noch schiefgehen? Kurz gesagt: alles. Als die sieben Freundinnen und Freunde nach mühsamem Aufstieg im Berg-Chalet eintreffen, erwartet sie eine unangenehme Überraschung: In dem Ferienhaus haben sich drei junge Leute breit gemacht.
Es handelt sich jedoch keineswegs um einen Buchungsfehler oder dergleichen: Die zwei Männer und ihre hochschwangere Gefährtin haben das ungenutzte Urlaubsdomizil ganz im Sinne von Georg Büchners Parole "Friede den Hütten, Krieg den Palästen" besetzt. Großzügig bieten sie der Clique an, ebenfalls einzuziehen, es sei doch Platz für alle. Das Septett reagiert höchst empört, zumal Juliane die Besitzerin des Hauses ist. Da ein kurz zuvor erlegtes Reh für alle reicht, schließt die zehnköpfige Gruppe erst mal einen Waffenstillstand.
Aus dieser Konstellation könnte sich sowohl ein Drama wie auch eine Komödie ergeben. "Nix ist fix" ist beides, aber noch viel mehr. Weil die Eindringlinge um die dreißig und die anderen eher Ende vierzig sind, kommt es zu einem Konflikt zwischen den Generationen. Die Atmosphäre wird immer aggressiver, schließlich fällt sogar ein Schuss, der gleich zwei Personen verletzt.
Die Konfrontation hat jedoch auch Spannungen innerhalb der älteren Gruppe zur Folge. Wie in vielen Filmen dieser Art kommt es zu Geständnissen und Bekenntnissen, alte Rechnungen werden beglichen, und schließlich ergeben sich regelrechte Feindseligkeiten. Am Ende wechselt das Vorzeichen erneut: Plötzlich geht es um Leben und Tod.
Dominique Lorenz hat zuletzt für die ARD den Freitagsfilm "Heute fängt mein neues Leben an" geschrieben, eine zunächst bestürzende Tragikomödie über eine Kleptomanin, die nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis vor den Scherben ihrer bisherigen Existenz steht. Starke Frauen sind ein typisches Merkmal für die Drehbücher der Autorin.
Das gilt auch für "Nix ist fix". Zentrale Figur ist Juliane (Julia Koschitz). Die Besitzerin des Chalets ist als einziges Mitglied der Gruppe mit sich im Reinen, alle anderen haben einen psychischen Knacks oder wurden durch unvorhergesehene Ereignisse aus der Bahn geworfen: Talkshow-Moderatorin Ines (Brigitte Hobmeier) hat ihre Sendung verloren und hadert mit dem Alter, Küchenschreiner Harry (Marcel Mohab) musste Insolvenz anmelden, Pascal (Maximilian Brückner) ist unter der Fuchtel seiner Frau (Friederike Kempter) zu einem "klitzekleinen Öko-Lämmchen" geworden, wie Ines bissig feststellt, Journalist Edwin (Felix Hellmann) hat gekündigt, weil er nicht länger für die "Macht-Elite" arbeiten will, Sanne (Katrin Wichmann) leidet, wie sich später zeigt, unter einer schweren Krankheit.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
Im Vergleich zu den Älteren bleiben die Jüngeren (Camille Dombrowsky, Simon Morzé) vergleichsweise undifferenziert. Bei ihnen müssen ein paar antikapitalistische Schlagworte genügen ("Besitz ist unmoralisch"), um ihre Haltung zu skizzieren. Einer der drei spielt allerdings eine besondere Rolle: Die Auseinandersetzungen zwischen Juliane und Vince (Slavko Popadic) münden zur Bestürzung der anderen, die prompt ein Stockholm-Syndrom vermuten, in eine leidenschaftliche Nacht. Tags drauf folgt das Trio Julianes Vorschlag, in eine Hütte in der Nähe umzuziehen, doch dann schlägt das Wetter um. Umgehend plagt die anderen das schlechte Gewissen, sie starten eine Suchaktion, und der Film wird zum Survival-Thriller.
"Nix ist fix" ist nach einigen Kurzfilmen und zwölf Serienfolgen das Langfilmdebüt von Schauspielerin Natalie Spinell. Mit Ausnahme der beschwerlichen Anreise und der gefährlichen nächtlichen Suche nach dem Trio trägt sich das Geschehen ausschließlich in der Hütte zu. Die Regisseurin hat allerdings mit Hilfe vieler Perspektivwechsel und eines klugen Schnitts dafür gesorgt, dass selbst der erste Akt, in dem die Runde um den Esstisch versammelt ist, nicht wie verfilmtes Theater wirkt.
Die souveräne Gestaltung (Kamera: Ahmed El Nagar) ist ohnehin eindrucksvoll. Spinell, gebürtige Münchenerin (Jahrgang 1982), stand schon als Teenager vor der Kamera, hat seither in vielen Filmen und Serien mitgewirkt und quasi nebenbei an der Filmhochschule ihrer Heimatstadt Regie studiert. Abschlussprojekt war der Pilot zur gemeinsam mit ihrem Mann Felix Hellmann entwickelten BR-Serie "Servus Baby", für die sie anschließend drei Staffeln drehte. Als Schauspielerin weiß sie natürlich, wie ein Ensemble geführt werden möchte, zumal Lorenz’ Drehbuch allen Beteiligten große Momente gönnt.



