Otto I. erhält Sarg aus Titan, Gold und Silber

Der aus Titan, Feinsilber, Feingold und Blattgold gefertigte Sarg.
epd-bild/Jens Schlüter
Die Gebeine Kaiser Ottos des Großen ruhen im aus Titan, Feinsilber, Feingold und Blattgold gefertigte Sarg.
Im Magdeburger Dom neu beigesetzt
Otto I. erhält Sarg aus Titan, Gold und Silber
Kaiser Otto galt bereits zu Lebzeiten als "der Große". Er war ostfränkischer König und erneuerte das römische Kaisertum, pflegte internationale Kontakte und gründete das Erzbistum Magdeburg. Seine Wiederbeisetzung im Dom wurde nun gefeiert.

Mit einem Festgottesdienst im Magdeburger Dom haben Vertreter von Kirchen, Politik und Gesellschaft die Wiederbeisetzung von Kaiser Otto I. (912-973) begangen. Seine sterblichen Überreste ruhen nun in einem neuen Sarg aus Titan, Silber, Gold und Blattgold, der von der Hallenser Schmuckkünstlerin Silke Trekel stammt. Die Gebeine wurden am Dienstag im originalen Steinsarkophag des 10. Jahrhunderts im Hohen Chor des Doms beigesetzt.

Der Bischof des katholischen Bistums Magdeburg, Gerhard Feige, betonte in seiner Predigt, die erneute Bestattung der sterblichen Überreste sollte inspirieren, "vergangenen Zeiten nicht nostalgisch nachzutrauern", sondern dem christlichen Auftrag folgend die Gegenwart zuversichtlich und tatkräftig mitzugestalten. An dem Gottesdienst nahmen rund tausend Menschen teil, darunter der evangelische mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer, der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos).

Am historischen Kalksteinsarkophag waren die teilweise nur zehn Millimeter dünnen Wände durch das Gewicht einer 300 Kilogramm schweren antiken Marmordeckplatte so stark geschädigt, dass vor zwei Jahren ein Einsturz des Grabes drohte. Auch der darin befindliche mittelalterliche Holzsarg sie irreparabel beschädigt gewesen, hieß es. DNA-Untersuchungen an den "fantastisch erhaltenen Gebeinen" bestätigten, dass im Sarg wirklich Kaiser Otto liege, sagte Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller. Die Forschungen an den Grabbeigaben wie mittelalterlichen Textilien und dem Holzsarg seien noch nicht abgeschlossen.

Bischof des Bistums Magdeburg Gerhard Feige spricht im Magdeburger Dom.

Der Generaldirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Christian Philipsen, verwies darauf, dass Otto der Große nicht nur eine der prägendsten Personen auf dem historischen Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt gewesen sei, sondern auch eine Person der europäischen Geschichte. Auch Landesarchäologe Meller wies auf diesen europäischen Aspekt in Ottos Herrschaft hin und widersprach nationalistischen Ansichten. Otto sei "weder deutscher Kaiser noch Begründer der deutschen Nation" gewesen, sondern vielmehr ostfränkischer König und der Wiederbegründer des römischen Kaiserreichs.

Landesausstellung zu Otto im Jahr 2029

Kulturstaatsminister Weimer sagte, Otto der Große habe in seinem Reich unterschiedliche Völker friedlich geeint und "in unseren Nachbarn Freunde" gesehen, Verbündete gesucht und den Blick auf das gerichtet, "was uns miteinander verbindet". Als gläubiger Christ habe der Kaiser das Land zudem einem bis heute gültigen Wertekanon unterstellt. In diesem Sinne sei Otto I. ein großer Europäer und ein Förderer von Bildung und Kultur gewesen.

Ministerpräsident Schulze kündigte an, dass es 2029 eine Landesausstellung zu Kaiser Otto und der ottonischen Geschichte geben soll. Neben bestehenden Bauten des 10. Jahrhunderts wie der Stiftskirche Gernrode und der Klosterkirche Walbeck sollten vor allem die reichen Funde der Archäologen gezeigt werden, sagte er: "Otto der Große gehört zu unserer Heimat und macht Sachsen-Anhalt bis heute weit über seine Grenzen hinaus bekannt."