Grande Dame des Blues von der Elbe - Inga Rumpf

Sängerin Inga Rumpf vor Hamburg-Fototapete
Anne de Wolff
Sie nennt sich einen spirituellen Geist, konzertierte als Blues-, Rock- und Gospelsängerin auch in Kirchen und trat aus der Kirche aus - und wieder ein: Sängerin und Songwriterin Inga Rumpf - hier vor einer Fototapete mit einem Motiv aus Hamburg, wo sie den Grundstein ihrer Karriere legte.
Von Rock bis Gospel - Sängerin wird 80
Grande Dame des Blues von der Elbe - Inga Rumpf
Als Sängerin und Songschreiberin der Bands "Frumpy" und "Atlantis" galt sie um 1970 als wohl beste deutsche Rocksängerin: Inga Rumpf hat sich in der Musikszene durchgesetzt. Seit Jahren singt die Hamburgerin auch Gospelsongs in Kirchen und trat beim Deutschen Evangelischen Kirchentag auf. Aus Protest war sie mal aus der evangelischen Kirche ausgetreten - und dann aus Protest wieder eingetreten. Nun ist sie 80 Jahre alt geworden.

Sie jammte mit Musikern der "Rolling Stones", ist mit Udo Lindenberg befreundet, und Tina Turner nahm ein Lied von ihr auf. Als Sängerin und Songschreiberin der Rockbands "Frumpy" und "Atlantis" galt Inga Rumpf in den frühen 1970er Jahren als vielleicht beste Rock- und Blues-Sängerin Deutschlands. Bis heute ist die gebürtige Hamburgerin mit der unvergleichlich kräftig-tiefen Stimme ein Vorbild für viele Musikerinnen: Sie war eine der wenigen Frauen, die sich in der männerdominierten Rockmusik selbstbewusst behauptete. Seit Jahren tritt sie als Solistin mit Gospelmusik auch in Kirchen auf. Am 2. August wird Inga Rumpf 80 Jahre alt.

Die Tochter eines Hamburger Seemanns und einer ostpreußischen Schneiderin ist ein "Urgestein" der Musikszene ihrer Heimatstadt. Bereits Anfang der 1960er Jahre trat sie als Gitarre spielende Sängerin in einer Schülerband auf. "Ich wollte einfach nur singen", erinnert sich Rumpf in einer WDR-Dokumentation anlässlich ihres 75. Geburtstags vor fünf Jahren.

In den Musikclubs auf St. Pauli entwickelte sie ihren Stil, der Blues, Rock, Soul, Gospel und Jazz verbindet. 1965 stieg die dunkelhaarige Sängerin bei den "City Preachers" ein. Aus der Folkrock-Band, in der auch Udo Lindenberg zeitweise am Schlagzeug saß, ging später die Formation "Frumpy" hervor.

Schlager blieben ein Zwischenspiel

Ein Intermezzo blieb die Teilnahme der gelernten Schaufenstergestalterin am ersten Deutschen Schlagerwettbewerb im Jahr 1968. Als Solointerpretin erreichte sie mit dem Titel "Schade um die Tränen" den 8. Platz. "Das ist nicht die Welt, in der ich Erfolg haben wollte", sagt Rumpf in der WDR-Dokumentation. Ihr rauer Gesang wird manchmal mit dem der US-amerikanischen Rockröhre Janis Joplin verglichen.

"How the Gypsy was Born" war 1971 der größte Hit von "Frumpy", deren Musiker sich an der improvisationsfreudigen Hippie-Musik aus den USA orientierten. In dem Text geht es um "Diversität, Freiheit und Heimatsuche", so beschreibt es Rumpf in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst kurz vor ihrem Geburtstag. Bis heute beschäftigen diese Themen sie. Mehr als 40 Alben hat die Songschreiberin veröffentlicht.

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Nach der Auflösung von "Frumpy" 1972 gründete Rumpf die Blues-Rock-Formation "Atlantis" und wagte mit Songs wie "Rock'n'Roll Preacher" den Sprung auf internationale Bühnen. Sie tourte in den USA mit den Rockbands "Lynyrd Skynyrd" und "Aerosmith" - doch der große Erfolg blieb aus. Die Künstlerin wandte sich daraufhin einer wechselhaften Solokarriere zu, sang Songs mit englischen und deutschen Texten.

Titel für Tina Turners Comeback

Künstlerisch geadelt wurde sie, als die US-amerikanische Rocksängerin Tina Turner Rumpfs Song "I Wrote a Letter" als Rückseite ihrer Comeback-Hitsingle "Let's Stay Together" (1983) aufnahm. Ihre "große schwarze Schwester" habe sie leider nie persönlich getroffen, sagt Rumpf. "Und das bedaure ich sehr."

Whiskey und Jamsession mit Keith Richards

Als sie 1988 in London in einem Studio Songs aufnahm, kamen die "Rolling Stones"-Gitarristen Keith Richards und Ron Wood zu einer Jamsession vorbei - und brachten Whiskey und Bier mit. Die Aufnahmen wurden 2021 auf dem Doppelalbum "Universe of Dreams/Hidden Tracks" veröffentlicht.

Ende der 1990er Jahre wandte sich Inga Rumpf verstärkt der Gospelmusik zu: "Blues und Gospel sind die Wurzeln vieler Genres." Aus Protest sei sie aus der evangelischen Kirche ausgetreten, erzählt sie  - und dann aus Protest wieder eingetreten. "Ich bin ein spiritueller Mensch und zugleich der Ansicht, dass jede Institution für Offenheit, Toleranz, Achtung und Spiritualität stehen soll", sagt sie. "Das vermisse ich gelegentlich, und dafür mache ich mich stark."

Kirchen als Orte des Rückzugs und der Inspiration

Immer wieder trat Rumpf bei kirchlichen Veranstaltungen auf, unter anderem auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag und in Kirchen wie dem Hamburger Michel. Gotteshäuser seien für sie "Orte des Rückzugs und der Inspiration". Auch gehörte Rumpf der Jury des Musikwettbewerbs Gospel Award der evangelischen und katholischen Kirchen und des Kinderhilfswerks "World Vision" an. Die US-amerikanischen Gospelsängerinnen Mahalia Jackson und Nina Simone nennt sie als Vorbilder.

Zu ihren schönsten Erlebnissen zähle, den "King of Blues" B.B. King und den US-amerikanischen Popsänger Lionel Richie bei ihren Deutschland-Tourneen begleitet zu haben, erinnert sich Rumpf. Ans Aufhören denkt sie nicht: "Musik ist mein Leben." Ihren 80. Geburtstag will sie am 13. September mit Freunden mit einem - ausverkauften - Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie nachfeiern. "Es wird einen Live-Mitschnitt vom Konzert geben", verspricht Inga Rumpf. "Und dann sehen wir mal weiter."

Info: WDR-Dokumentation/Musiksendung "Rockpalast": "Inga Rumpf - My Life is a Boogie" (2021) auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=OcKCEPG967w

Autobiografie von Inga Rumpf: "Darf ich was vorsingen?", 352 Seiten Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2021, 20 Euro

Internet: https://www.ingarumpf.de