Bundesweit erste evangelische Dekanin gestorben

Waltraud Frodien
Christine Frodien
Die Theologin Waltraud Frodien ist im Jahr 1980 die erste Frau in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gewesen, die zur Dekanin gewählt wurde.
Anwältin der Menschen
Bundesweit erste evangelische Dekanin gestorben
Waltraud Frodien, frühere Pfarrerin der Frankfurter Emmausgemeinde, sei bereits am vergangenen Donnerstag im Alter von 89 Jahren verstorben, teilte die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach am Montag mit.

Die Theologin sei im Jahr 1980 als erste Frau in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zur Dekanin gewählt worden und habe das geistliche Leitungsamt 18 Jahre lang ausgeübt. Mit Frodien verliere die evangelische Kirche eine Persönlichkeit, die sich als Anwältin der Menschen verstanden habe, heißt es.

Mit der ihr eigenen beharrlichen Art habe sie sich für die Gleichstellung von Frauen in der Kirche engagiert. Frodiens berufliche Laufbahn als Pfarrerin sei von vielen Einschränkungen geprägt gewesen, die früher für Frauen im Pfarrdienst galten.

Pfarrberuf wurde Theologin zunächst verwehrt

Nach dem Studium der Evangelischen Theologie von 1956 bis 1962 besuchte Waltraud Frodien demnach gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Michael das Theologische Seminar in Friedberg. Von 1962 bis 1964 war sie Vikarin in Wiesbaden. In Folge der Heirat wurde ihr die Ordination als Pfarrerin vorerst verwehrt. Ein damals gültiges Kirchengesetz schrieb vor, dass verheiratete Theologinnen aus dem Dienst ausscheiden müssen. Das Ehepaar Frodien zog 1965 um nach Jerusalem, wo beide in einer arabisch-evangelischen Schule unterrichteten.

Nach ihrer Rückkehr im Jahr 1970 konnte Waltraud Frodien aufgrund einer Kirchengesetzänderung ihre erste Stelle als Pfarrvikarin in Kelkheim übernehmen. Nach dem Wechsel in die Evangelische Emmausgemeinde in Frankfurt im Jahr 1972 wurde sie dort ordiniert.

Bis zum Eintritt in den Ruhestand habe Frodien in der Eschersheimer Kirchengemeinde als Seelsorgerin gewirkt. Die Mutter von zwei Kindern und Großmutter von drei Enkeln habe sich im Ruhestand ehrenamtlich als Seelsorgerin im Hospital für palliative Medizin in Frankfurt und im daraus entstandenen Evangelischen Hospiz Frankfurt engagiert.