Mit einer Feierstunde ist in Berlin an das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler und den versuchten Umsturz des NS-Regimes vor 82 Jahren erinnert worden.
Beim diesjährigen Gedenken vor rund 700 Anwesenden am Montag im Ehrenhof des Bendlerblocks rief der Vorsitzende der Stiftung 20. Juli 1944, Robert von Steinau-Steinrück, dazu auf, nach dem Vorbild des Widerstands auch heute "Gräben zu überwinden, die uns vermeintlich trennen". Die Gegnerschaft zu Hitler habe Menschen geeint, "die sich in normalen politischen Zeiten vermutlich nicht einmal auf der Straße gegrüßt hätten".
Die NS-Propaganda habe "wider ihr eigenes Wissen" den Umsturzversuch als Tat einer kleinen Gruppe von Offizieren dargestellt. "Und er beruhte neben den Frauen im Widerstand auch auf den Frauen der Widerstandskämpfer", betonte Steinau-Steinrück. Bei der Gedenkveranstaltung vor rund 700 Anwesenden ging es insbesondere um die unterschiedliche Herkunft der Widerstandskämpfer.
Zu ihnen gehörten dem Stiftungsvorsitzenden zufolge Menschen, die zunächst Anhänger des NS-Regimes gewesen seien: "Sie fanden die Kraft zur Einsicht und zur Umkehr." Dieser Mut inspiriere dazu, "immer wieder unsere eigenen Überzeugungen kritisch zu hinterfragen".
Prien: Gruppen getragen "von gemeinsamen Werten"
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hob hervor, der Widerstand sei nicht nur vom Mut einzelner Personen getragen worden, sondern von Gruppen aus unterschiedlichen Milieus, "die von gemeinsamen Werten getragen wurden". Prien, deren Großvater jüdisch war, betonte ihre eigene Verbindung zur NS-Zeit: "Ich stehe hier als Bürgerin und als Nachfahrin von Opfern und Überlebenden der Schoah."
Die Grundhaltung ihres Großvaters sei gewesen: "Es gibt keine Kollektivschuld. Jeder Mensch trägt Verantwortung für sein eigenes Handeln."
Evers: Recht und Demokratie stärker als ihre Gegner
Der Berliner Finanz- und Kultursenator Stefan Evers (CDU) wies ebenfalls auf die Breite des Widerstands abseits des Militärischen hin, etwa den kirchlichen und den kommunistischen Widerstand. "Der 20. Juli erinnert uns daran, dass die Verantwortung für das eigene Land und die Verantwortung für seine Werte untrennbar miteinander verbunden sind", sagte Evers.
Eine freie Gesellschaft lebe "nicht allein von guten Gesetzen und starken Institutionen", sondern von Menschen, "die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen", sagte der Berliner Bürgermeister. "Ich bin mir sicher: Recht und Demokratie sind stärker als diejenigen, die sie bekämpfen."
Widerstandskämpfer im Bendlerblock erschossen
An der Stelle, wo in der Nacht zum 21. Juli unter anderem Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944) erschossen worden war, legte Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) gemeinsam mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, einen Kranz nieder. Am 20. Juli 1944 versuchte die Gruppe um Stauffenberg, Adolf Hitler zu töten. Hitler überlebte das Attentat in der "Wolfsschanze", der Staatsstreich misslang.
Die Stiftung 20. Juli 1944 wurde im Jahr 1949 als "Hilfswerk 20. Juli 1944" gegründet, um die Überlebenden und Hinterbliebenen des Umsturzversuches zu unterstützen. Zentrales Anliegen der Stiftung ist, das Erbe des Widerstands gegen die NS-Diktatur zu bewahren und zu vermitteln.



