Hugo Mosquera sitzt in einem Café in Berlin, gerade ist seine Schicht als medizinischer Fachangestellter in einer Praxis zu Ende. "Als Schwarze Person muss ich mich hier in Deutschland um das Dreifache anstrengen, um genauso wahrgenommen zu werden wie alle anderen", sagt der gebürtige Kolumbianer.
Trotzdem wirkt der 42-Jährige glücklich. Nach sieben Jahren in Deutschland sei er endlich an einem Ort angekommen, der ihn wertschätze und er habe eine Arbeit, mit der er leben könne, erzählt Mosquera. Das war nicht immer so. Mosquera hat in Kolumbien Architekturdesign studiert und entschied sich aufgrund besserer Lebensperspektiven, nach Deutschland zu gehen.
Hier angekommen schaffte er es nicht, in dem Beruf Fuß zu fassen. Schließlich entschied er sich für einen Neuanfang und begann eine Ausbildung zum medizinischen Fachangestellten.
Fachpersonal händeringend gesucht
In Deutschland wird händeringend Fachpersonal gesucht. Rund 46.000 Stellen blieben im Jahr 2024 laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft im Gesundheitssektor unbesetzt. Auch deswegen war der frühere Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Juni 2023 nach Brasilien gereist, um ein Anwerbeabkommen zu schließen. Brasiliens Regierung jedoch stoppte die Vereinbarung aufgrund von eigenem Fachkräftemangel im Juni 2025.
Auch in Kolumbien wird gesucht. Mosquera erinnert sich noch gut an die Werbung von Vermittlungsagenturen für Jobs im deutschen Gesundheitssektor. Private Agenturen suchen teils im Auftrag von Kliniken im Ausland nach Fachkräften, kümmern sich um Deutschkurse und organisieren den Flug. Dabei seien ein schneller Jobeinstieg, hohe Lebensqualität und gute Löhne versprochen worden, erinnert sich Mosquera. Heute sagt er: "Sie haben einen 'deutschen Traum' vermittelt, den es so nicht gibt."
Rascher Burnout droht
Das kritisiert auch Paula, die eigentlich anders heißt, aus beruflichen Gründen aber anonym bleiben will. Die Medizinerin wuchs in Kolumbien auf, studierte später Physiotherapie in Spanien, kam nach Deutschland und absolvierte ein Medizinstudium an der Charité. "Viele Fachkräfte werden unter falschen Versprechen angeworben", sagt sie.
Die 41-Jährige baut derzeit ein Netzwerk aus kolumbianischen Fachkräften im deutschen Gesundheitssektor auf. Immer wieder wendeten sich Menschen an sie und ihre Kolleginnen, da ihnen höhere Löhne, der Nachzug von Familienangehörigen oder bessere Arbeitsbedingungen versprochen worden seien, erzählt Paula. "Hier angekommen, entledigen sich die Vermittler ihrer Verantwortung."
Zudem führe das harte Arbeitsklima bei vielen der Auswanderer zu einem raschen Burnout, sagt Paula. "Unter den derzeitigen Bedingungen sind die Leute lediglich enttäuscht und wollen schnell wieder zurück", resümiert die Medizinerin, die derzeit in einem Krankenhaus in Ostdeutschland arbeitet.
"Hier gibt es keine Willkommenskultur"
Auch kulturelle Eigenheiten machten eine Ankunft in Deutschland schwierig, sagt Paula. "Hier gibt es keine Willkommenskultur, niemand, der dich am ersten Arbeitstag an die Hand nimmt und sagt: 'Komm mit uns Mittagessen'." Dies sei nicht aus Boshaftigkeit so, sondern weil die Menschen es schlichtweg nicht anders gelernt hätten.
Mosquera sagt: "Was wir erleben, ist Rassismus." Dies beginne bei der geringen Wertschätzung von Abschlüssen und komme im Alltag durch scheinbar harmlose Mechanismen des Ausschlusses, etwa beim Mittagessen oder der Kaffeerunde, vor. Dies habe er selbst erlebt und nach mehreren Versuchen, die Situation anzusprechen, die Praxis gewechselt.
Rassistische Beleidigungen
Laut einer Studie des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe erlebten 46 Prozent der befragten Fachkräfte aus dem Ausland selten oder manchmal rassistische Beleidigungen. Sieben Prozent der 311 Befragten gaben an, häufig oder sehr häufig rassistisch beleidigt worden zu sein. Mehr als die Hälfte der internationalen Fachkräfte berichtete von körperlichen Angriffen, 47 Prozent von Diskriminierung im Alltag.
Sowohl Paula als Mosquera arbeiten nun mit deutschen Abschlüssen. Der Weg dahin sei viel schwieriger gewesen, als er sich vorgestellt habe, sagt Mosquera. Für die Zukunft wünscht er sich, dass besser über die Probleme kommuniziert wird - und ausländische Kräfte nicht nur als billige Arbeitskraft gesehen werden.



