Papst Leo XIV. hat den Oberen der Piusbrüder dazu aufgerufen, auf die für diesen Mittwoch vorgesehene Bischofsweihe zu verzichten. "Ich bitte euch und fordere euch von ganzem Herzen auf: Kehrt um!", schreibt der Papst in einem Brief an Davide Pagliarani, den der Vatikan am Dienstag veröffentlicht hat. Datiert ist der Brief aus dem Vatikan auf den 29. Juni.
"Kraft der von Christus empfangenen Vollmacht fühle ich mich mit betrübtem, aber dennoch hoffnungsvollem Herzen verpflichtet, euch aufzufordern, von eurem Vorhaben Abstand zu nehmen", schreibt der Papst. Die erzkonservative Piusbruderschaft hatte angekündigt, an diesem Mittwoch im schweizerischen Écône neue Bischöfe weihen zu wollen - ohne die Erlaubnis von Papst Leo XIV.
Der Akt kommt nach geltendem Kirchenrecht einer Spaltung gleich und kann mit der automatischen Exkommunikation der Beteiligten bestraft werden. Der Papst mahnt die Gemeinschaft nun, dass der "schismatische Akt, den ihr begehen würdet", die beteiligten Gläubigen des "rechtmäßigen und in manchen Fällen sogar gültigen Empfangs der Sakramente berauben" würde. "Das Zerreißen des nahtlosen Gewandes Christi ist eine Sünde von äußerster Schwere", schreibt der Papst.
Bereitschaft zum Dialog
In seinem Brief an Pagliarani betont Leo aber auch die Breitschaft der Kirche zu "einem Weg des Dialogs und der Verständigung". Die Kirche würdige "die Verbundenheit mit dem liturgischen Leben, das Engagement in der Priesterausbildung, den apostolischen Eifer und den Wunsch nach Treue zur Tradition", die viele Menschen auszeichneten, die der Piusbruderschaft verbunden seien. "Dies war der Grund für die Haltung der Aufmerksamkeit und des Wohlwollens, die meine Vorgänger Ihnen stets entgegengebracht haben."
Die Piusbruderschaft, der aktuell nach eigenen Angaben weltweit rund 700 Priester angehören, wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) gegründet. Weil die Piusbrüder viele dieser Reformen als zu liberal zurückweisen, stehen sie im offenen Konflikt mit dem Vatikan.




