Ziel der Aktionswoche, ist es, für das Thema Einsamkeit zu sensibilisieren und Angebote zum gemeinsamen Austausch und zur Begegnung sichtbar zu machen. Dabei können Bibliotheken mit ihrem niedrigschwelligen Angebot eine zentrale Rolle spielen. Auf der Homepage von Eliport finden Sie anlässlich der Aktionswoche vielfältige Angebote, die sich nicht nur für Büchereien, sondern auch für Gemeinden eignen.
Einsamsein - Eine Befreiungsgeschichte
Der Kampf gegen vererbte Vereinsamung.
Der Autor war als Journalist bei großen deutschen Printmedien tätig und berichtet autobiographisch von seinem Leben und Leiden in den letzten Jahren. Schon kurz vor der Corona-Zeit war er psychisch und körperlich am Ende. Er vegetierte ohne Job und fast ohne Sozialkontakte in einer vermüllten Dachgeschosswohnung. Drogen- und Medikamentenmissbrauch prägten schon lange sein Leben. Sein Vater hatte bereits vor Jahrzehnten Selbstmord begangen und seine Mutter lud ihn 2019 in die Schweiz zu ihrem assistierten Suizid ein. Sie hatte ihrem Sohn eine Einsamkeit, die besonders durch die Motive Status und Prestige gespeist wurde, vorgelebt. So zieht auch er sich zurück, bis es nicht mehr geht. Psychiatrie-Erfahrungen folgen. Menschen, die wirklich an ihm interessiert sind, helfen ihm, langsam aus der Krise zu kommen. Haas schildert all dies in schonungsloser Offenheit. Sein großes sprachliches Talent macht den beeindruckenden Text sehr gut lesbar.
Eher leicht verpackte schwere Kost für alle, die an dem gesellschaftlich drängenden Thema interessiert sind. Tobias Behnen
Haas, Daniel: Einsamsein - Eine Befreiungsgeschichte. Daniel Haas. München: Goldmann 2026. 221 S. ; 21 cm.
ISBN 978-3-442-30233-8, geb.: 22,00 €
Jahr um Jahr um Jahr um Jahr. Wie man gefunden wird, wenn niemand sucht
Tommys Leben startet quasi an jedem Geburtstag neu. Er wird von seiner Umwelt vergessen.
Was passiert, wenn sich plötzlich niemand mehr an mich erinnert? Was macht es mit meinem Leben, wenn ich jedes Jahr ganz neu anfangen muss? Der Roman des Australiers Michael Thompson beleuchtet diese Fragen in einem Gedankenexperiment.
Tommy lebt von klein auf mit der Anomalie, dass sein Leben an seinem Geburtstag einen RESET erfährt, wie er das nennt. Er selbst bleibt, wie er war. Aber alle Gegenstände, die auf ihn hinweisen, verschwinden. Das Universum (oder wer auch immer dafür verantwortlich ist) verändert die Umstände, so dass die Lücke, die entsteht, wenn Tommy ausradiert wird, in den Gedanken und Erinnerungen der Menschen anders gefüllt wird. Als Lesende fiebern wir mit, wenn Tommy sich auf den nächsten RESET vorbereitet und trickreich versucht, an Dingen und vor allem an Menschen festzuhalten. Dieses Mitfühlen der Einsamkeit und Enttäuschung trägt durch den Roman und stellt uns selbst immer wieder vor die Frage, was in unserem Leben wichtig ist und unvergessen sein sollte.
Ein leicht zu lesender Roman, der, verpackt in diese Anomalie, tiefe existentielle Fragen stellt. Erwachsenen Leserinnen und Lesern ebenso wie jungen Menschen ab 14 Jahren gern empfohlen. Birgit Schönfeld
Thompson, Michael: Jahr um Jahr um Jahr um Jahr. Wie man gefunden wird, wenn niemand sucht. Roman. Michael Thompson. Dt. von Anja Mehrmann. München: Piper 2025. 415 S. ; 21 cm.
Aus d. austral. Engl.
ISBN 978-3-492-07281-6, kt.: 18,00 €
Der andere Arthur
Zwei Lebensschicksale, die miteinander durch ihre Einsamkeit verbunden sind.
Der ehemalige Literaturprofessor Arthur Opp hat seit vielen Jahren sein Haus nicht mehr verlassen. "Das Erste, was du über mich wissen musst: Ich bin unglaublich dick. Ich esse, was ich will - und vor allem: wann ich will." Inzwischen wiegt er 250kg. Was er braucht, lässt er sich liefern. Die Pappschachteln häufen sich an, der Staub wächst vor sich hin. Dazwischen Arthur und seine Erinnerungen. Alles verläuft still, geordnet - und gleichzeitig voller Leere. Liz Moore erzählt diese Einsamkeit ohne großes Pathos und ohne Dramatik.
Arthurs einziger Außenkontakt: ein seit 18 Jahren anhaltender Briefkontakt mit seiner ehemaligen Studentin Charlene. Beide verbindet die Einsamkeit. Als Charlene Arthur um Hilfe für ihren Sohn Kel bittet, ändert sich Arthurs Leben. Schon im 2. Kapitel ändert sich die Perspektive und Kel erzählt von seinem Lebenskampf, der Suche nach seinem Platz. Arthur und Kel sind zwei spannende Charaktere, die miteinander durch Charlene und Einsamkeit verbunden sind.
Mich hat dieser ruhige, nachdenkliche Roman in den Bann gezogen und berührt. Sehr lesenswert! Christine Stockstrom
Moore, Liz: Der andere Arthur. Liz Moore. Dt. von Cornelius Hartz. München: C.H.Beck 2026. 377 S. ; 22 cm.
Aus d. Engl.
ISBN 978-3-406-84333-4, geb.: 26,00 €
Der Hase im Mond
Neun japanische Geschichten voller Poesie, die aber auch Abgründe in zwischenmenschlichen Beziehungen aufzeigen.
Ein Paar, das schon in die Beziehungsjahre gekommen ist, entdeckt in der gegenüberliegenden Wohnung eine Doppelgängerin der Frau. Die Beobachtung wird zur Obsession, bis der Mann eines Tages seine Frau verlässt und in die andere Wohnung zieht. Ein Professor predigt den Studierenden strengste buddhistische Askese und verschlingt heimlich hinter dem Müllplatz Fleischreste. Eine Hausfrau steckt im Alltagstrott fest, sie schaut sich immer wieder die Katastrophenfilme über Fukushima an und findet darin wieder zu ihren eigenen Gefühlen.
Es sind Geschichten von Sonderlingen, Außenseitern und bindungsunfähigen Menschen. Das ist die große Meisterschaft von Flasar, sie kann aus verschiedenen Perspektiven in der Ich-Form erzählen. Allerdings bietet sie wenig Identifikation an. Dafür sind die Geschichten zu düster und zu pessimistisch, sie gehen meist nicht gut aus. Wer sich trotzdem darauf einlässt, bekommt ein vielschichtiges Bild der japanischen Gesellschaft und einen anderen Blick.
Für Literaturkreise geeignet. Im Rahmen des gerade großen Booms an Japanbüchern empfohlen. Gesine Meerheimb
Flašar, Milena Michiko: Der Hase im Mond. Japanische Geschichten. Milena Michiko Flašar. Berlin: Wagenbach 2025. 235 S. ; 22 cm.
ISBN 978-3-8031-3379-3, geb.: 24,00 €
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