Lucas von Wheel Life ganz privat

Charlotte Mattes und Lucas Zehnle vor dem Mikro
Teresa Kammerlander
Charlotte Mattes und Lucas Zehnle.
Podcast "Echt gefragt - der Deeptalk"
Lucas von Wheel Life ganz privat
Lucas hostet die Youtube-Serie Wheel Life. Er spricht im Podcast über sein Leben im Rollstuhl, einen schweren Schicksalsschlag in seiner Jugend und warum ihm Sport so viel Kraft gibt.

Als ich Lucas online treffe, gefällt mir sofort sein offenes Lächeln. Der 34-jährige Schwabe ist nervös vor seiner ersten Podcast-Aufnahme. Das überrascht mich erst mal, denn er ist Host einer YouTube-Serie und stand in den vergangenen Monaten oft im Mittelpunkt. Aber hier ist es anders. Persönlicher. Es geht nicht um eine Rolle oder eine Show, sondern um ihn selbst.

Trotz seiner Nervosität erzählt Lucas, dass er eigentlich gerne im Mittelpunkt steht. Als junger Erwachsener zum Beispiel, wenn er mit Freunden den Dancefloor gestürmt und dann im Scheinwerferlicht getanzt hat.

Oder wenn er mit seinem Handbike neue Bestzeiten fährt.

Diesen Sport macht Lucas schon seit seinem achten Lebensjahr. Er gibt ihm Kraft und das Gefühl, wenn er ein Rennen schaffen kann, dann kann er alles schaffen. Als Jugendlicher gehörte Lucas sogar zu den schnellsten Handbikern der Welt, hat er mir erzählt. 

Was es bedeutet, mit einem offenen Rücken auf die Welt zu kommen
Lucas hat eine Behinderung und ehrlich gesagt kostet es mich erst mal Überwindung, direkt danach zu fragen. Aber um ihn wirklich kennenzulernen, finde ich es wichtig zu verstehen, was es bedeutet, mit einem "offenen Rücken" geboren zu werden.

Lucas erklärt das sehr offen und verständlich, dass es sich um eine inkomplette Lähmung handelt. Klar ist: Er kann seine Füße und Zehen nicht bewegen und spürt Schmerzen sowie Druck nur bis zu den Knien. Wegen seiner Behinderung kann er keine Kinder bekommen.

Wie er und seine Ehefrau damit umgehen, erzählt er im Podcast ausführlich. Und ich finde seine Einstellung dazu ziemlich cool.

Lucas strahlt eine Leichtigkeit aus, auch, wenn er manchmal an sich verzweifle, wie er sagt. Aber nicht an seiner Behinderung. Er sei flink, jedenfalls im Vergleich zu befreundeten Rollstuhlfahrer*innen.

Behinderung von Gott gewollt

Ich will von Lucas wissen, ob er manchmal wütend ist oder damit hadert, ausgerechnet selbst eine Behinderung zu haben. Lucas verneint das ziemlich deutlich.

Im Gespräch wird schnell klar: Lucas' Eltern haben sehr viel dafür getan, dass Lukas ein Leben mit möglichst wenigen Barrieren führen kann. Er ist in einen Kindergarten gegangen, in Regelschulen und sein Vater habe ihm beispielsweise Fahrzeuge für Kinder so umgebaut, dass er sie trotz Behinderung fahren konnte.
Er sieht sich gut ausgestattet fürs Leben – auch für die Aufgaben und Verantwortung, die Gott ihm mitgegeben hat.

Suizid der Mutter verändert das Leben von Lucas

Als ich Lucas im Vorgespräch frage, ob es ein Thema gibt, das ihm besonders wichtig ist, erzählt er mir vom Suizid seiner Mutter. Er war damals 15 Jahre alt.

Dieses Detail aus seiner Geschichte berührt mich sehr. Ich frage mich erst, ob wir darüber im Podcast wirklich sprechen sollten. Gleichzeitig ist es ein so tiefer Einschnitt, der sein Leben so umgekrempelt hat, dass ich es als wichtig empfinde, um ein ganzes Bild von Lucas zu bekommen.

Ab diesem Zeitpunkt waren Lucas, sein jüngerer Bruder und sein Vater auf sich allein gestellt. Im Podcast spricht Lucas mit großer Bewunderung darüber, wie stark sein Vater damals für seine beiden Söhne war. An seine Mutter habe er heute leider nur noch wenige Erinnerungen, erzählt Lucas. Das findet er sehr traurig.

Wie sehr dieses Erlebnis sein Leben verändert hat, hört ihr im Podcast.