Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Zentralrat der Juden in Deutschland und wollen ihre Zusammenarbeit künftig festigen. Bei einem Treffen in Berlin vereinbarten beide Seiten, den gemeinsamen Austausch zu gesellschaftspolitischen, ethischen und aktuellen Themen zu verstetigen und zu intensivieren.
Am Mittwoch (20. Mai) kamen das Präsidium des Zentralrats der Juden unter der Leitung von Präsident Josef Schuster und eine Delegation des Rates der EKD, darunter die amtierende EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs, in der Bundeshauptstadt zusammen. Das Treffen diente dem direkten Austausch der beiden Religionsgemeinschaften über drängende Fragen der Gegenwart.
Ein besonderes Augenmerk der Gespräche lag auf der aktuellen Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland. Die Delegationen berieten über die Angriffe auf Jüdinnen und Juden sowie auf jüdische Gemeinden im Land. Zudem thematisierten die Vertreter:innen die Bedrohungen für die Demokratie in Deutschland, die durch das Erstarken extremistischer Kräfte entstehen. Neben diesen Krisen wurden auch die Chancen des interreligiösen Dialogs erörtert.
Darüber hinaus standen weitere sehr konkrete und zukunftsrelevante Fragestellungen aus Gesellschaft und Politik auf der gemeinsamen Agenda, darunter die Themen Organspende und der Wehrdienst.
Josef Schuster betonte im Anschluss an das Treffen den hohen Stellenwert der Gespräche: "Der Austausch mit dem Rat der Evangelischen Kirche ist wichtig. Er fördert die gemeinsame Verbundenheit in einer Zeit, in der jüdisches Leben zunehmend aus der Öffentlichkeit gedrängt werden soll." Der interreligiöse Dialog könne und müsse in dieser Situation eine Brücke sein, um gemeinsam das Fundament der offenen Gesellschaft zu stärken, so Schuster weiter.
Fehrs: Christliche Verantwortung für jüdisches Leben
Auch die Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs unterstrich die fundamentale Bedeutung des jüdisch-christlichen Dialogs für beide Religionsgemeinschaften sowie für die gesamte Gesellschaft. "Wir sind dankbar, dass dieser für unsere Religionsgemeinschaften und die Gesellschaft wichtige Dialog weiter gestärkt wird", erklärte Fehrs.
Der Austausch sei ein deutliches Zeichen dafür, dass man jegliche Form von Antisemitismus und Menschenverachtung entschieden ablehne. Gleichzeitig werde im Miteinander und für die jeweiligen Kirchen- und Synagogengemeinden weiter die Verständigung über ethische und politische Themen gesucht. Fehrs nahm dabei auch die eigene Religionsgemeinschaft in die Pflicht: "Als Christinnen und Christen tragen wir Verantwortung, alles dafür zu tun, dass jüdische Menschen in unserem Land sicher und frei leben."
Zum Abschluss des Treffens bekräftigten beide Institutionen ihren Willen, diesen Weg der Verständigung und des engen Kontakts in Zukunft dauerhaft fortzusetzen.




