Zur Festigung der Demokratie in Deutschland muss nach Überzeugung von Demokratieforscherinnen und -forschern verstärkt das Gespräch mit deren Gegnern gesucht werden. Mehr Orte des kontroversen Austausches seien nötig, sagt Christian Jansen, Vorsitzender der Gesellschaft zur Erforschung der Demokratiegeschichte (GEDG), dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Dafür müssten Wissenschaft, Politik und Bürgerschaft aber aus einer "Komfortzone" herauskommen, in der eine manchmal unangenehme Auseinandersetzung mit Kritikern oder auch Feinden der Demokratie vermieden werde.
Kirchengemeinden oder auch die Bundeswehr könnten geeignete Orte sein, um in einer zunehmend gespalteten Gesellschaft für demokratische Werte wie Freiheit, Rechtssicherheit und ein friedliches Miteinander zu werben, sagt der pensionierte Historiker aus Trier.
Schwierig bleibe es, Menschen zu erreichen, die sich von einer demokratischen Gesellschaft abwendeten, sagt der Historiker Jansen. AfD-Wählerinnen und -Wähler sowie Verschwörungstheoretiker etwa besäßen oft eine festgefügte Meinung und ließen sich kaum auf Diskussionen ein.
Der vor fünf Jahren gegründete gemeinnützige Verein mit Sitz in Frankfurt hat sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Demokratie in Deutschland zu erforschen, sie möglichst breit zu vermitteln und sie in aktuellen Debatten wirksam zu machen.
Menschen zum Mitmachen bewegen
Historische Erkenntnisse aus den deutschen Freiheitsbewegungen im 19. Jahrhundert und dem Kampf für Demokratie im 20. Jahrhundert könnten die Menschen zum Mitmachen in einem demokratischen Gemeinwesen gewinnen, ergänzt die Mainzer Historikerin Sarah Traub.
Thematische "Anknüpfungspunkte" seien etwa die Geschichte der Frauenrechte, Theaterstücke in Schulklassen, Zeitzeugengespräche oder Angebote in den Sozialen Medien, so Traub, die Leiterin des Teams der GEDG-Forscherinnen und -forscher ist.




