Europa: Ein Kontinent im Klima-Ausnahmezustand

Gewitter am Meer
Jürgen Treiber/Fundus
Laut dem Klimabericht hat auch die Meeresoberflächentemperatur für die europäische Meeresregion das vierte Jahr in Folge einen Höchststand erreicht.
Klimabericht zu Europa
Europa: Ein Kontinent im Klima-Ausnahmezustand
Hohe Temperaturen, schmelzende Gletscher, Rekorde bei Waldbränden: Die Klimakrise hat Europa fest im Griff. Auch kältere Regionen heizen sich auf.

Kein Kontinent erwärmt sich so schnell wie Europa - und die Folgen des Klimawandels sind deutlich zu spüren. Zu diesem Schluss kommt der heute veröffentlichte Europäische Klimazustandsbericht. Der Bericht bestätige, dass sich Europa seit 1980 zweimal so schnell wie der globale Durchschnitt erwärmt habe, "was Europa zum sich schnellsten erwärmenden Kontinent der Welt macht", sagt die Generalsekretärin der Weltwetterorganisation (WMO), Celeste Saulo.

Hitzewellen träten häufiger auf und sie würden stärker. Insbesondere in Südeuropa hätten Dürren Waldbrände befeuert. "Gletscher in allen europäischen Regionen sind weiter geschmolzen." Der Report "European State of the Climate 2025" wurde vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) und der WMO erstellt. Rund 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben Beobachtungen zu zahlreichen Klimaindikatoren für Europa zusammengetragen.

Dem Bericht zufolge verzeichneten mindestens 95 Prozent des Kontinents im vergangenen Jahr überdurchschnittlich hohe Temperaturen. "2025 war eines der wärmsten Jahre in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen", sagt Samantha Burgess, Leiterin für strategische Klimaforschung beim EZMW. (Anmerkung der Red.: Die systematischen Wetteraufzeichnungen für Deutschland begannen 1881).

Meere heizen sich auf

Auch die Meeresoberflächentemperatur für die europäische Meeresregion habe das vierte Jahr in Folge einen Höchststand erreicht, sagte Burgess. Im Mittelmeer habe die Temperatur auf dem zweithöchsten Stand gelegen, knapp unter dem Wert von 2024. Den Daten zufolge wurden im Jahresdurchschnitt etwas über 21 Grad Celsius gemessen.

Die Klimafachleute verweisen auf einen "anhaltenden Trend zur raschen Erwärmung der kältesten Regionen Europas - darunter die Arktis und die Alpen". So habe das subarktische Fennoskandien, also Gebiete Norwegens, Finnlands und Schwedens nahe dem nördlichen Polarkreis, im Juli eine Hitzewelle über drei Wochen erlebt, die längste seit Beginn der Aufzeichnungen.

Rückgang von Gletschern

Während dieses Zeitraums hätten die Temperaturen in der Nähe und innerhalb des Polarkreises 30 Grad Celsius überschritten, hieß es. Der Höchstwert von 34,9 Grad sei im norwegischen Frosta gemessen worden. Auch der Rückgang der Gletscher hat sich laut dem Bericht im vergangenen Jahr fortgesetzt.

Klimaforscherin Burgess äußert sich besorgt über den Rückgang des grönländischen Eisschildes: Dieses habe rund 139 Gigatonnen Eis verloren, was einem Verlust von 100 olympischen Schwimmbecken "jede einzelne Stunde" entspreche, sagt Burgess. Alarmierend sind auch die zahlreichen Waldbrände in Europa. Insgesamt sei eine Rekordfläche von rund 1.034.000 Hektar abgebrannt, eine Fläche größer als Zypern, heißt es in dem Bericht.

In Europa liegt der Temperaturanstieg im Vergleich zur vorindustriellen Zeit dem Report zufolge derzeit bei rund 2,5 Grad Celsius und damit deutlich über dem globalen Schnitt von 1,4 Grad. Burgess begründete die schnellere Erwärmung des Kontinents mit mehreren Faktoren, darunter eine geografische Nähe zur Arktis, die sich besonders schnell aufheizt, sowie veränderte Wetterverhältnisse. Auch der Rückgang der Schneebedeckung spielt laut Bericht eine Rolle, weil dadurch weniger Sonnenlicht reflektiert wird.

Der Bericht zum Zustand des Klimas in Europa ergänzt andere Analysen zum Klimajahr 2025, das als eines der drei weltweit wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen eingestuft wird. Um das international vereinbarte Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu beschränken, müsste der Verbrauch der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas rasch sinken.