Die Massaker in der sudanesischen Stadt Al-Faschir waren nach Worten von UN-Hochkommissar Volker Türk eine vermeidbare Menschenrechtskatastrophe.
"Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und dafür zu sorgen, dass dies nie wieder geschieht", sagte er am Montag vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen.
Bei einem Besuch im Sudan habe er erschütternde Berichte von Überlebenden gehört, sagte der Hochkommissar für Menschenrechte. "Ich habe kaum je Menschen gesehen, die so traumatisiert sind, von dem was sie erlebten." Im Oktober hatte die RSF-Miliz, die im Sudan gegen die Armee kämpft, die Stadt nach rund 18 Monaten Belagerung und Beschuss eingenommen. Tausende Menschen seien in wenigen Tagen getötet worden, Zehntausende seien geflohen, sagte Türk.
Ich habe kaum je Menschen gesehen, die so traumatisiert sind, von dem was sie erlebten.
Aus Al-Faschir in der Region Darfur gab es übereinstimmende Berichte über Massenhinrichtungen, sexuelle Gewalt an Frauen, Folter und Entführungen, sowohl in der Stadt als auch unter denen, die die Flucht wagten. Auch Angriffe auf Hilfseinrichtungen und humanitäre Helfer wurden gemeldet. "Überlebende sprachen davon, dass sie Berge von Leichen an Straßen sahen", sagte Türk, "von einer apokalyptischen Szene."
Das UN-Hochkommissariat habe schon seit mehr als einem Jahr vor dem Risiko solcher Gräueltaten in der damals belagerten Stadt gewarnt, erklärte Türk. "Die Bedrohung war klar, aber unsere Warnungen wurden ignoriert." Die internationale Gemeinschaft müsse mehr tun, forderte er. Wenn nicht getan werde, während Armeen und bewaffnete Gruppen klar ersichtliche Völkerrechtsverbrechen begingen, sei nur noch Schlimmeres zu erwarten.
Sorge um Kordofan
Türk zeigte sich zutiefst besorgt, dass sich die Verbrechen in der Region Kordofan wiederholen könnten. Dort greift die RSF-Miliz laut Medienberichten seit Tagen verstärkt zivile Ziele mit Drohnen an. Türk sprach auch von Drohnenangriffen seitens des Militärs in der Region. Dabei seien bereits Dutzende Menschen getötet worden.
Seit der Eskalation eines Machtkampfs zwischen der Armee und der paramilitärischen RSF-Miliz 2023 herrscht im Sudan ein Krieg, der eine der schlimmsten Hunger- und Vertreibungskrisen hervorgerufen hat. Durch die Gewalt und Blockaden der Kriegsparteien ist humanitäre Hilfe in vielen Gebieten nur eingeschränkt möglich. In der Region Kordofan hatte die RSF zuletzt über Monate hinweg Städte belagert, vergangene Woche konnte die Armee dorthin vordringen und Handelswege wieder öffnen.


