TV-Tipp: "Der Irland-Krimi: Du gehörst mir"

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16. April, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Der Irland-Krimi: Du gehörst mir"
"Du gehörst mir", der zweite neue "Irland-Krimi", erzählt daher eine ganz ähnliche Geschichte wie eine Woche zuvor "Die Tote am Fluss". Auch dort ging es um Männer, die nicht in der Lage sind, eine Zurückweisung zu verkraften.

Narzissen sind als Frühlingsboten allseits beliebt. Für ihren Namensvetter, den Narzissten, gilt das exakte Gegenteil. Dabei ist das antike Vorbild im Grunde eine tragische Figur: Narziss starb an unerfüllbarer Selbstliebe und mit gebrochenem Herzen. Im Krimi wird die narzisstische Persönlichkeitsstörung dagegen zumeist auf ein gekränktes Ego reduziert: Ein Mann gerät in Rage, weil er verlassen worden ist. "Du gehörst mir", der zweite neue "Irland-Krimi", erzählt daher eine ganz ähnliche Geschichte wie eine Woche zuvor "Die Tote am Fluss". Auch dort ging es um Männer, die nicht in der Lage sind, eine Zurückweisung zu verkraften. Während Markus Buschs Drehbuch die weibliche Perspektive betonte, ist in Katrin Bühligs Geschichte der Mann die treibende Kraft.

Die Handlung beginnt mit einer Entführung: Ronan Doyle (Barry John Kinsella) ist vor wenigen Monaten von seiner Frau verlassen worden. Weil Filmnarzissten grundsätzlich unter Realitätsverzerrungen leiden, ist er überzeugt, dass Grace (Lucianne McEvoy) ihn wieder lieben wird, wenn sie ein paar romantische Tage in einem Hotel verbringen; also zwingt er sie in sein Auto. Die beiden werden das Ziel der Reise jedoch nie erreichen: Die Fahrt endet im Straßengraben. In der Nähe des Unfallorts ist ein Pub, dort kehren sie ein.

Als Grace aufs Klo muss und eine Frau den Wirt herbeiruft, weil Doyle die Damentoilette nicht verlassen will, kommt es zu einem Handgemenge. Der erste Schuss ließe sich wohlwollend als Versehen im Eifer des Gefechts erklären, der zweite kommt einer Hinrichtung gleich. Der Film ist gerade mal 15 Minuten alt, trotzdem beginnt bereits das Finale; es wird 75 Minuten dauern.

Fortan entspricht "Du gehörst mir" dem erwartbaren Thriller-Muster: Doyle nimmt die Kneipengäste als Geiseln, kurz drauf trifft die Garda ein; eine klassische Pattsituation. In weiser Voraussicht hat Superintendent Kelly (Declan Conlon) seine Ex-Kollegin und gute Freundin Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) mitgebracht, die nun gewissermaßen an zwei Fronten kämpfen muss: Alsbald zeigt sich, dass der polizeiliche Verhandlungsführer ein mindestens ebenso großes Ego besitzt wie Doyle.

Für Cathrins Gesprächstrategie, Doyle mit Lob und Bewunderung zu umschmeicheln, hat Daniel McCurren nur Verachtung übrig. Er setzt auf Konfrontation und will den Geiselnehmer auf die harte Tour knacken, was selbstverständlich nicht funktioniert. Dank einer durch den Lüftungsschlitz geschobenen Minikamera samt Mikro kriegt die Polizei mit, was sich in der Wirtschaft tut. Fortan wechselt die Perspektive ständig zwischen drinnen und draußen.

Im Pub spitzen sich die Dinge angesichts der aussichtslosen Lage immer weiter zu, zumal sich Doyle zu diversen Scharmützeln mit einzelnen Gästen hinreißen lässt. Der eigentliche Reiz des Films liegt aber in der Auseinandersetzung zwischen der Psychologin und dem erfahrenen Spezialisten für Geiselnahmen. Richard Clements verkörpert diesen Mann mit kaugummikauender Breitbeinigkeit wie eine Hollywood-Figur. Das ist zwar ein probates Mittel, um den Kontrast zur empathischen Cathrin zu unterstreichen, und in sich ist die Figur trotz dieser Überhöhung durchaus schlüssig, nicht jedoch innerhalb der Rahmenbedingungen.

McCurren hat einen ausgezeichneten Ruf und lehrt sogar an der Polizeiakademie, was angesichts seines polternden Verhaltens sowie des offenkundigen Mangels an Einfühlungsvermögen und psychologischen Grundkenntnissen einigermaßen unglaubwürdig wirkt. Dramaturgisch ist es hingegen äußerst wirkungsvoll, dass Cathrin erst mal das übersteigerte Ego an ihrer Seite überwinden muss, um sich endlich mit der eigentlichen Herausforderung befassen zu können.

Angesichts der Gemengelage ist Matthias Tiefenbachers siebter "Irland-Krimi", bei dem diesmal auch die Synchronisation wie aus einem Guss klingt, deutlich fesselnder als "Die Tote am Fluss", zumal die Handlung weitgehend für sich spricht; es gibt daher deutlich weniger Erklärungsbedarf hat beim dortigen Femizid-Hintergrund. Dennoch sind die psychologischen Beweggründe auch hier interessant: Doyle hat die Trennung als ultimative Kränkung empfunden.

Misogynie mag bei seinem Verhalten ebenfalls eine Rolle spielen, aber Cathrin ahnt, dass die Mutter (Marion O’Dwyer), die schließlich ebenfalls am Ort des Geschehens eintrifft, bei der Entwicklung ihres Sohnes zum Narzissten eine entscheidende Rolle gespielt hat. Die ganze düstere Wahrheit hat sich Bühlig jedoch für den Schluss aufgespart. Das Finale steigert die Dramatik ohnehin noch mal.