Karnevalswagenbauer Tilly nach russischem Urteil

Bildhauers Jacques Tilly vor einem seiner Wagen
epd-bild/Hans-Juergen Bauer
Der Bildhauers Jacques Tilly vor dem Motivwagen für den Rosenmontagsumzug 2026: der russische Präsident Wladimir Putin spiesst den Hoppeditz mit einem Schwert auf. Die Düsseldorfer Karnevalsfigur wiederum schlägt Putin mit einer Narrenpritsche auf den Kopf.
Viel Rückhalt für Künstler
Karnevalswagenbauer Tilly nach russischem Urteil
Für den Karnevalswagenbauer Jacques Tilly ist seine Verurteilung durch ein russisches Gericht eine Farce. Deutsche Politiker sehen darin einen Angriff auf Meinungsfreiheit und demokratische Werte.

Der Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly hat gelassen auf seine Verurteilung durch ein russisches Gericht reagiert und will sich dadurch nicht einschüchtern lassen. Der Prozess sei eine Farce und der russische Staat mache sich "wegen ein paar Pappfiguren lächerlich", sagte er nach dem Urteilsspruch mit Blick auf seine satirischen Karnevalswagen, die Russlands Präsidenten Wladimir Putin mit beißendem Spott aufs Korn nehmen. Die deutsche Politik wertet das Verfahren gegen Tilly als Angriff auf die freie Gesellschaft und die demokratische Kunst- und Meinungsfreiheit.

Ein Moskauer Gericht hatte Tilly, der an dem Verfahren nicht teilnahm und nach eigenen Angaben darüber noch nicht einmal informiert wurde, zu einer Haftstrafe von achteinhalb Jahren Straflager und einer Geldstrafe verurteilt. Begründet wurde die Entscheidung mit einer Verletzung religiöser Gefühle und einer angeblichen Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte durch seine satirischen Rosenmontags-Mottowagen.

Politisch motiviertes Verfahren

Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler (CDU), sprach von einem "klar politisch motivierten Verfahren mit der zu erwartenden Verurteilung" und einer Kriminalisierung von Kunst und Satire. Das Auswärtige Amt habe das Verfahren vor Ort eng verfolgt. Russland gehe massiv gegen freie Meinungsäußerungen und auch gegen Künstlerinnen und Künstler vor. "Gegen diese Praxis haben wir wiederholt ausdrücklich gegenüber der russischen Seite protestiert", betonte Güler.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nannte Kunst und Karneval einen gelebten Ausdruck demokratischer Meinungsfreiheit. Die Verurteilung Tillys offenbare "wieder einmal, dass Despoten und Autokraten Kunst immer dann fürchten, wenn sie sich nicht vereinnahmen lässt", sagte Wüst dem Evangelischen Pressedienst (epd). Weltweit versuchten autoritäre Regime, Kritik zum Schweigen zu bringen. "Jacques Tilly steht seit über 30 Jahren für Meinungsstärke, Mut und beißende Satire", sagte Wüst. Er scheue keine Institution, Staatsmacht oder Autorität und könne sich "der vollen Solidarität der Landesregierung gewiss sein".

Tillys Motivwagen von 2025: Der US-Präsident Trump und der russische Präsidenten Putin zerdrücken den ukrainischen Präsidenten Selenskyj.

Karnevalisten stehen nach "Schauprozess" zu Tilly

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) nannte es wichtig, "dass demokratische Staaten klar Haltung zeigen und deutlich machen: Satire ist kein Verbrechen, sondern ein unverzichtbarer Teil freier Gesellschaften". Das Gerichtsverfahren sei ein bekanntes Muster im System Putins: "Unklare Straftatbestände werden genutzt, um kritische Stimmen mundtot zu machen."

Der Chef der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU) sprach von einem weiteren "Offenbarungseid eines Regimes, das Gedankenfreiheit offenbar noch mehr fürchtet als Waffengewalt".

Unterstützung erhielt Tilly auch von den Düsseldorfer Karnevalisten. "Die Gedanken sind frei und müssen es bleiben", erklärte das Comitee Düsseldorfer Carneval. Man stehe an der Seite Tillys und verurteile "den Einschüchterungsversuch durch einen Schauprozess in Moskau".

Satire tut weh und wirkt

Tilly selbst nannte das Urteil "eine kleine zusätzliche Motivation", denn man sehe: "Satire tut weh, meine Arbeit wirkt", sagte der Bildhauer im Fernsehsender Phoenix. Er werde seine Arbeit genauso wie bislang fortführen. "Ich habe jetzt nicht meinen Kulturbeutel gepackt, um in Moskau ins Gefängnis zu gehen", sagte er der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" (Online).