Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hat zum Karfreitag davor gewarnt, sich an das Leid und die Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und anderswo zu gewöhnen.
"Wir dürfen uns nicht gewöhnen an die brennenden Städte und verwüsteten Landstriche, an den tausendfachen Tod durch Drohnen und Raketen. Wir dürfen uns nicht gewöhnen an Völkerrechtsbruch und Menschenrechtsverletzungen", erklärte die Hamburger Bischöfin am Donnerstag: "Das vergossene Blut klagt die Mächtigen an: Sucht Wege zu einem gerechten Frieden."
"Wir erinnern uns an all jene, die zu uns geflohen sind, um der Gewalt zu entkommen. Wir denken an die Notleidenden und unter Druck Geratenen in unserem Land", fügte Fehrs hinzu: "Wir sehen jeden einzelnen Menschen, seine Bedürftigkeit, seine Würde. Selbst Mensch zu bleiben, muss uns ein dringendes Anliegen sein, gerade weil die Populisten unserer Tage sich überbieten mit ihrer Hetze und ihrem Hass." Es sei daher ein Glück, "in einem Rechtsstaat zu leben, der auf einem Grundgesetz basiert, das die Würde eines jeden Menschen für unantastbar erklärt."
"Unfassbare Gnade"
Der Kreuzweg spüre dem Leiden von Jesus Christus nach - bis zu seinem Tod am Kreuz, so Bischöfin Fehrs weiter: "Und wir gehen mit. Wir stehen unter dem Kreuz und üben uns im Mit-Leiden. Buchstäblich. Denn für eine Haltung der Mitmenschlichkeit, die heute nur allzu schnell als emotionale Fehlentwicklung belächelt wird, braucht es tatsächlich Übung und wiederkehrendes Bewusstwerden." Sie rief dazu auf, Menschlichkeit zu leben, für andere da zu sein, "auch wenn man sich eher zurückziehen möchte vor lauter Furchtbarkeiten in dieser Welt".
Es sei "eine unfassbare Gnade, durch Jesu Tod erlöst zu sein", erklärte Fehrs weiter. Der Tod am Kreuz werde zum Anfang einer neuen Hoffnung. Und mit Blick auf die Osterbotschaft von der Auferstehung Jesu werde klar: "Dieser Tod darf nicht das Ende sein! Gewalt und der Schrecken dürfen nicht das letzte Wort behalten. Nie. Nirgends."



