Zum bevorstehenden Osterfest rufen die Kirchen zu Hoffnung und Gottvertrauen auf - den globalen Krisen und Konflikten zum Trotz. "Ostern ist der Einspruch Gottes gegen die scheinbar unbegrenzte Macht", sagte der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, am Mittwoch:
Nicht Panzer, Despoten oder der Hass behielten das letzte Wort, sondern die Liebe. "Lasst euch von den dunklen Bildern der Kriege und der Ohnmacht nicht niederdrücken", betonte Kramer, der auch Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.
Ostern ist das älteste und wichtigste Fest der Christenheit. Es erinnert an die Mitte des christlichen Glaubens: die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz.
"Stärker als die Mächte des Todes"
Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Christiane Tietz, erklärte, der Glaube helfe zu einem klaren Blick auf das Leben mit all seinen Brüchen. Zugleich gebe er die Gewissheit, dass "Gottes Lebenskraft stärker ist als die Mächte des Todes". Inmitten von Krisen, Konflikten und negativen Schlagzeilen sei die christliche Osterbotschaft als Quelle einer realistischen Hoffnung ernstzunehmen. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, unterstrich: "Ostern stärkt die Hoffnung, dass nicht das Recht des Stärkeren siegt, sondern die Kraft der Liebe."
Auch die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst ruft angesichts von Krieg, Leid und gesellschaftlicher Verrohung dazu auf, an der Hoffnung festzuhalten und nicht zu resignieren. Ostern stehe für die Kraft des Lebens, das sich selbst dort Bahn breche, wo alles dunkel und erstarrt erscheine, schreibt die Kirchenpräsidentin in ihrer am Donnerstag in Speyer veröffentlichten Osterbotschaft.
Ostern sei der Moment, in dem Menschen darauf vertrauen dürften, dass neues Leben wachse, obwohl vieles dagegenspreche. "Glauben an das, was man noch nicht sieht. Das ist Ostern", schrieb Wüst. Es gehe darum, sich nicht mit Hoffnungslosigkeit abzufinden, "sondern auf die leisen Zeichen des Lebens zu achten". Auch die biblische Ostergeschichte beginne nicht in einer heilen Welt, sondern in Trauer, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Die Frauen am Grab von Jesus Christus seien mit einem "Winterherzen voller Trauer" gekommen und hätten erfahren, dass der Tod nicht das letzte Wort behalte. Die Osterbotschaft sei ein Auftrag, "dem Frost der Gegenwart Menschlichkeit entgegenzusetzen". Dies sei möglich mit einem freundlichen Wort, einer ausgestreckten Hand.
Überall auf der Welt erlebten Menschen Qual, Leid, Schmerz und Tod, sagte auch die westfälische Präses Adelheid Ruck-Schröder am Donnerstag in Bielefeld. Als Beispiele nannte sie die palästinensischen Gebiete und Israel sowie Iran und Ukraine. Dennoch oder gerade deshalb feierten Christinnen und Christen auf der ganzen Welt das Osterfest, mitten im Krieg, mitten im Frieden. "Ostern bedeutet Hoffnung für die Welt", sagte die Präses.
Hoffnung für Christinnen und Christen im Mittelpunkt
Auch die großen internationalen Kirchenbünde, Weltkirchenrat und Lutherischer Weltbund, stellten die Hoffnung in den Mittelpunkt ihrer Osterbotschaften. Die Auferstehung von Jesus Christus symbolisiere ein Aufbegehren gegen Kriege, wirtschaftliche Ungerechtigkeit, sexuelle Gewalt, politische Unterdrückung, Klimakatastrophe und religiöse Verfolgung, erklärte der Moderator des Zentralausschusses des Weltkirchenrates, Heinrich Bedford-Strohm, in Genf.
Gott weiter am Werk
In der Osterbotschaft des Weltkirchenrates heißt es, Christinnen und Christen seien Menschen, die sich von einer Botschaft leiten lassen, die ins Leben führt. Ostern solle als eine Zeit der Gewissheit gefeiert werden, "dass die vielen Abgründe, in die wir derzeit in der Welt schauen, nicht alles sind". Die Menschen näherten sich nicht einem finsteren Loch, sondern einem neuen Himmel und einer neuen Erde, in der alle Tränen getrocknet würden.
Der Lutherische Weltbund betonte in seiner Osterbotschaft: "Selbst, wenn wir Leid oder Verlust erfahren, sollten wir uns daran erinnern, dass der Tod nicht das letzte Wort hat." Die Auferstehung Christi mache deutlich, "dass Gott weiterhin am Werk ist".
Der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, äußerte die Hoffnung, dass "Sünden, Traurigkeit, Ängste und Sorgen, Hass und Aggression, Terrorismus, Krieg und Gewalt" überwunden würden. "Möge die friedvolle Kraft der Auferstehung Frieden in uns, in unserer Gesellschaft und auf unserer Erde wachsen lassen", heißt es in seiner am Mittwoch in Höxter veröffentlichten Osterbotschaft.



