Es ist eine historische Anerkennung von Leid: Die Vereinten Nationen haben den transatlantischen Sklavenhandel als "schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit" eingestuft.
Für eine entsprechende Resolution stimmten am Mittwoch (Ortszeit) in New York 123 Mitglieder der UN-Generalversammlung. Die USA, Israel und Argentinien stimmten dagegen, 52 Länder enthielten sich, darunter die EU und Großbritannien. Deutschland wollte seine Enthaltung am Donnerstag (Ortszeit) vor der Generalversammlung erläutern.
Die von Ghana eingebrachte Resolution verurteilt den Sklavenhandel, erkennt an, dass Sklaverei, Kolonialismus und Rassismus bis heute immenses Leid bei Afrikanerinnen und Afrikanern sowie Menschen afrikanischer Herkunft verursacht haben und ruft zu Entschuldigungen sowie Wiedergutmachung auf.
Dazu könnten finanzielle Entschädigungen, Schuldenerlass, Entwicklungshilfe und die Rückgabe geraubter Kulturgüter gehören. Die Niederlande sind das einzige europäische Land, das sich bislang offiziell für seine Rolle in der Sklaverei entschuldigt hat.
Uneinigkeit über Wertung der Sklaverei als "schwerstes Verbrechen"
Die Resolution, die vornehmlich symbolischen Charakter hat, wird als weiterer Schritt auf dem Weg für mehr Gerechtigkeit, Aufarbeitung und Wiedergutmachung gesehen. Die Bezeichnung als "schwerstes Verbrechen" begründe sich in dem Ausmaß, der Dauer, des systemischen Charakters, der Brutalität und der bis heute anhaltenden Folgen, die das Leben aller Menschen durch rassistisch geprägte Arbeits-, Eigentums- und Kapitalverhältnisse weiterhin prägten, wird im Text erläutert.
Während die Resolution geschlossene Unterstützung von den Ländern der Afrikanischen Union sowie den Karibikstaaten erhielt, waren es vor allem westliche Länder, die sich enthielten oder dagegen stimmten, darunter sämtliche 27 EU-Mitgliedsstaaten und Ghanas ehemalige Kolonialmacht Großbritannien. Als Begründung wurde unter anderem die Formulierung als "schwerstes Verbrechen" angeführt. Diese erschaffe eine Hierarchie, die sich über andere Verbrechen wie Völkermord stelle, begründete die zyprische Diplomatin Gabriella Michaelidou im Namen der EU die Enthaltung.
US-Vertreter Dan Negrea begründete das Nein seines Landes damit, dass unklar sei, wer der Empfänger der Wiedergutmachungen sein solle. Zudem bestehe kein Rechtsanspruch auf Wiedergutmachung für historische Ungerechtigkeiten, die zum Zeitpunkt ihres Geschehens nach internationalem Recht nicht als illegal galten.
Resolution nicht bindend
Der an der Resolution beteiligte ghanaische Menschenrechtsanwalt Oliver Barker-Vormawor sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Die Resolution wird als bedeutenden Schritt gesehen, um zumindest die Tür zu Gesprächen zu öffnen, die lange nicht geführt wurden." Zwischen 1500 und 1800 wurden etwa 12 bis 15 Millionen Menschen in Afrika gefangen genommen und nach Amerika und in die Karibikstaaten verschleppt, wo sie gezwungen wurden, als Sklaven zu arbeiten. Schätzungen zufolge starben über zwei Millionen Menschen allein bei der Überfahrt.
Anders als die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats sind die der Generalversammlung nicht rechtsverbindlich. Sie gelten jedoch als guter Indikator für die globale Stimmung zu bestimmten Themen. Die Abstimmung am Mittwoch hatte zudem eine doppelte Symbolik: Der 25. März ist der Internationale Tag zum Gedenken an die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International begrüßten die UN-Resolution zur Sklaverei als bedeutenden Schritt für Reparationsleistungen und die Anerkennung der Sklaverei als Verbrechen.



