"Die Gewalt muss ein Ende haben"

Kinderhände
Save the Children
290.000 Kinder wurden nach Angaben des Kinderhilfswerks Save the Children in den vergangenen Wochen im Libanon vertrieben. In Notunterkünften klammern sie sich an ihre Haustiere und Spielsachen oder spenden sich gegenseitig Trost.
Save the Children im Libanon
"Die Gewalt muss ein Ende haben"
Die Lage in Nahost spitzt sich zu, viele Familien ließen auf der Flucht aus dem Libanon alles zurück, Notunterkünfte sind überfüllt und unzureichend ausgestattet, so Save the Children. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) ruft zum Gebet für die Opfer des Kriegs im Iran und im Libanon auf. In Absprache mit dem Libanesischen Roten Kreuz (LRK) kann das DRK nun bedarfsgerechte Hilfsgüter auf den Weg bringen. evangelisch.de hat für Sie die wichtigsten Ereignisse zusammengefasst.

Mehr als 831.000 Menschen, darunter 290.000 Kinder wurden nach Angaben des Kinderhilfswerk Save the Children in den vergangenen Wochen im Libanon vertrieben – und viele von ihnen mussten selbst das Nötigste zu Hause zurücklassen. So klammern sich Kinder in überfüllten Notunterkünften an ihre Haustiere und Spielsachen, die sie schnell mitnehmen konnten und die ihnen ein wenig Trost spenden, wie Mitarbeitende von Save the Children berichten.
 
"Viele Familien mussten mitten in der Nacht mit leeren Händen fliehen. Die Kinder vermissen ihre Heimatorte, ihre Freund:innen und ihre Schulen", sagt Nora Ingdal, Länderdirektorin von Save the Children im Libanon, in einer Pressemitteilung, die der Redaktion vorliegt. Mehr als 130.000 Menschen suchten in überfüllten Schulen und Sportstadien Zuflucht.

Dort gibt es zu wenige Toiletten, kaum Kochgelegenheiten und es fehlen bei kaltem Wetter Heizungen und Decken. Hinzu komme, dass der Zugang zu lebenswichtiger medizinischer Versorgung unterbrochen ist, was beispielsweise auch Dialyse- oder Krebspatient:innen betreffe, heißt es weiter.

Kinder klammern sich an Spielzeug und Haustiere

"Ein Kind, das ich traf, klammerte sich an sein blaues Spielzeugauto, weil es das Einzige war, was es von zu Hause mitnehmen konnte. Eine Familie hatte ihren Vogel in einem Käfig dabei, weil sie wusste, dass ihr siebenjähriger Sohn sonst verzweifelt wäre und nicht schlafen könnte. Eine andere Familie floh mit ihrer Katze, weil sie ihren Sohn beruhigt", so Nora Ingdal. 

Nora Ingdal, Landesdirektorin von Save the Children im Libanon, besuchte eine Schule, in die Familien nach israelischen Luftangriffen und Zwangsräumungsanordnungen fliehen mussten.

"Eine Frau musste ihr Baby in einem Auto zur Welt bringen, weil die Straßen Beiruts wegen der Massenflucht verstopft waren. Die Gewalt muss ein Ende haben. Die Kinder leiden am meisten unter dem Konflikt und die seelischen Verletzungen werden noch lange andauern." Viele Menschen im Libanon wurden bereits zum zweiten oder dritten Mal innerhalb ihres Landes vertrieben. Seit dem 2. März sind zudem 118.590 Menschen nach Syrien geflohen. Einige sitzen an der syrisch-libanesischen Grenze fest.

Fast 30 Tonnen Hilfsgüter auf mehr als 80 Paletten werden vom Deutschen Roten Kreuz für die vom Krieg betroffenen Menschen im Libanon verladen.

Save the Children verteilt im Libanon und an der Grenze zu Syrien Hilfsgüter wie Decken, Matratzen, Kissen, Babyartikel, Hygiene-Sets und Wasser. Zudem leistet die Kinderrechtsorganisation psychologische Erste Hilfe. In Absprache mit dem Libanesischen Roten Kreuz (LRK) kann auch das Deutsche Rote Kreuz seit Ende der Woche bedarfsgerechte Hilfsgüter auf den Weg bringen. 

Alarmierendes Ausmaß der Vertreibung 

Das International Rescue Committee (IRC) warnt, dass die ohnehin schon fragilen Versorgungsstrukturen im Land überlastet werden und die Bevölkerung weiter in Gefahr gerät. Die tatsächliche Zahl der Vertriebenen, die der IRC auf eine Million Menschen schätzt - darunter 300.000 Kinder - dürfte deutlich höher liegen, da die Angaben sich lediglich auf diejenigen stütze, die sich bei der Regierung registriert haben. 

"Eine Million Binnenvertriebene in Libanon innerhalb von nur zwei Wochen ist eine schockierende und zutiefst beunruhigende Zahl. Besonders alarmierend sind die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Vertreibung – ein humanitärer Wendepunkt für Libanon", so Magda Rossmann, IRC-Landesdirektorin für Libanon. "Mehr als 300.000 Kinder wurden bereits aus ihren Häusern vertrieben."

Kinder erleben ständig Gefahr und Angst

Angesichts der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten sorgt sich auch das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" um die Kinder in den betroffenen Regionen. "Kinder sind die Hauptleidtragenden dieses Krieges und einer ständigen Gefahr und Angst ausgesetzt, von Bomben und Raketen getroffen zu werden", erklärte Sternsinger-Präsident Dirk Bingener in Aachen. Für intern vertriebene Kinder und deren Familien im Libanon stelle das Kindermissionswerk eine Nothilfe in Höhe von 50.000 Euro bereit.

Mit dem Geld würden rund 700 Mädchen und Jungen sowie ihre Familien in zehn Notunterkünften in Beirut und im südlichen Teil des Landes unterstützt, hieß es. Neben warmen Mahlzeiten und Heizöl werde damit auch psychologische Betreuung finanziert. Darüber hinaus unterstütze das Hilfswerk bereits seit vielen Jahren auch Partnerorganisationen in Israel, den Palästinensergebieten, Irak und Syrien.

Nahost-Krieg: ACK ruft zum Gebet für Opfer auf

Save the Children fordert dringend ein Ende der Gewalt und appelliert an die Konfliktparteien, das humanitäre Völkerrecht zu achten, um Kinder vor weiterem Leid zu schützen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden im Libanon bislang 850 Menschen getötet, darunter 103 Kinder. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) ruft zum Gebet für die Opfer des Kriegs im Iran und im Libanon auf. Sie sei entsetzt über die Folgen des Kriegs für die Zivilbevölkerung und erkläre sich solidarisch mit den Betroffenen und deren Angehörigen, erklärt die ACK in Rastatt. 

Der Glaube an Gott verpflichte dazu, jeder Instrumentalisierung von Religion entgegenzutreten und Partei für die Opfer von Gewalt und Verfolgung zu ergreifen, heißt es weiter. Die ACK bekräftigt ihre Überzeugung, dass Frieden nicht durch Waffen, sondern durch Dialog und Diplomatie erreicht werden könne. Sie warnt die Kriegsparteien vor einer weiteren Eskalation. 

Im Iran sind nach UN-Angaben bis zu 3,2 Millionen Menschen vertrieben worden und täglich kehren etwa 1.700 Afghan:innen aus dem Iran nach Afghanistan zurück.