Der Osterstrauch
Jedes Jahr kurz vor Ostern hole ich aus meinem Garten frische Zweige herein und stelle sie in eine große Vase auf den Tisch an der Couch. Dann steige ich hinab in den Keller und krame die Kiste hervor mit dem sehr alten Osterschmuck. Er hat etwas vom Style der Osterhäschenschule, falls Sie diesen historischen Bücherschmöcker überhaupt kennen.
Dazu eine andere Schachtel mit sehr niedlichen Basteleien meiner drei Kinder. Oben angekommen, koche ich mir einen Kaffee und nehme mir viel Zeit den Strauch zu behängen. Hier trifft der altmodische Hase auf der Schaukel, der mich an meine verstorbene Mutter erinnert, auf das flauschig, gelb leuchtende Wolleküken von meinem Sohn.
Nahezu jedes Stück, ob alt oder neu hat eine Erinnerung parat. Wenn alle Plätze gut behangen sind, höre ich auf und trete zurück. Ostern kann kommen und "Ja, das Leben geht weiter", hier am Strauch von Generation zu Generation. Ob meine Kinder an mich denken werden, wenn Sie diese Schachteln finden? (Katja Eifler, Redakteurin)
Zwiebelgefärbte Eier mit Kräuterdruck
Als Kind habe ich die Osterzeit oft in einem kleinen Dorf in den Schweizer Bergen verbracht. Neben Schokoladeessen bis zum Umfallen und wilden "Power-Ranger"-Abenteuern mit meiner Schwester war das Färben von Ostereiern mit meiner Mutter mein absolutes Highlight. Besonders schön: Wir sammelten dafür kleine Blumen, Blätter und Kräuter direkt am Wegesrand. Wer keinen Bergpfad vor der Tür hat, findet passende Kräuter natürlich auch im Supermarkt.
Das braucht ihr:
- weiße Eier
- rote Zwiebelschalen
- einen Schuss Essig
- Kräuter oder kleine Blätter
- eine Feinstrumpfhose (20 DEN)
- Küchengarn oder Faden
- etwas Sonnenblumenöl
Und so geht’s:
Zuerst bereitet ihr das Farbbad vor: Gebt die Zwiebelschalen in einen Topf, bedeckt sie mit Wasser und fügt einen Schuss Essig hinzu. Alles aufkochen und anschließend einige Minuten köcheln lassen. Je länger die Schalen ziehen, desto intensiver wird die Farbe.
Währenddessen die Eier vorbereiten: Die Strumpfhose in Stücke schneiden, die groß genug sind, um jeweils ein Ei darin einzuwickeln. Ein Kräuterblatt auf das Ei legen, mit einem Tropfen Wasser leicht anfeuchten, damit es besser haftet. Dann das Ei straff in die Strumpfhose einwickeln und oben mit einem Stück Garn fest verknoten.
Nun die vorbereiteten Eier vorsichtig in das Zwiebelsud legen und mindestens 10 Minuten kochen. So sind sie anschließend bis zu einer Woche im Kühlschrank oder an einem kühlen Ort haltbar. Nach dem Kochen die Eier aus dem Farbbad nehmen und etwas abkühlen lassen. Dann die Strumpfhose vorsichtig aufschneiden und Stoff sowie Kräuter entfernen – jetzt zeigt sich das wunderschöne, natürliche Muster. Zum Schluss die Eier mit etwas Sonnenblumenöl einreiben. Das verleiht ihnen einen herrlichen Glanz und macht sie zum echten Hingucker im Osternest. (Sarah Neder, Redakteurin)
Ein Feuer für das neue Licht
Wenn ich an Osterbräuche denke, sehe ich sofort das lodernde Osterfeuer vor mir. Auch wenn ich oft umgezogen bin, diesen Brauch gibt es fast überall. Am Abend des Karsamstags versammeln sich Familien, Kinder, Freunde und Vereine auf einer Wiese. Jugendliche haben zuvor Holz gesammelt: Äste, Holz, manchmal alte Weihnachtsbäume. Daraus ist ein hoher Stapel gewachsen. Mit Einbruch der Dämmerung wird es stiller, alle rücken enger zusammen. Dann lodert das Feuer auf. Erst knistert es leise, doch bald schlagen Flammen hoch in den Himmel. Funken tanzen, Wärme breitet sich aus. Wir lachen, kommen ins Gespräch und trinken Kakao in der kühlen Nacht.
Als Jugendlicher in der Freiwilligen Feuerwehr habe ich gelernt, Feuer zu zähmen. Heute erinnert mich dieses Osterfeuer daran, dass Ostern ein Fest des Lichts ist. Die Flammen stehen für Hoffnung, Gemeinschaft und den Aufbruch in den Frühling. Das Leben will gelebt werden. (Markus Bechtold, Portalleiter evangelisch.de)
Heilender Neuanfang
Als Kind bedeutete Ostern für mich vor allem: Ostereier- und Schokoladensuche mit meinen Großeltern beim Besuch auf dem Campingplatz, wo sie dauerhaft ein zweites Zuhause hatten. Als ich dafür zu alt war – wenn es das überhaupt gibt – wurde Ostern ziemlich unwichtig in meinem Leben. Vor einigen Jahren rief eine gute Freundin aber einen neuen Brauch ins Leben, den Osterbrunch am Ostersonntag. Und der entartet mit jedem Jahr auf fantastische Weise mehr. Mehr Freunde, mehr Essen, mehr Stühle und Tische im kleinen Wohnzimmer, mehr Osterschmuck, Frühlingsblumen und kleine Geschenke um bunt gefüllte Teller. Und damit auch jedes Jahr mehr Freundschaft und Liebe und Freude am Ostersonntag. So, wie ein perfekter Sonntag sein sollte: Mit Liebe zubereitete Köstlichkeiten und gemeinsames Lachen genießen, bis wir uns kaum mehr bewegen können und den Nachmittag in Sessel und Sofa verbringen, mit Filmen, Brettspielen oder Tassen voller Kaffeesatz, aus dem wir mögliche Zukunftsvisionen erahnen.
Es ist unsere gemeinsame, kurze Auszeit von der Welt geworden, ein Tag, der für mich viel wichtiger und bestimmender für das Jahr ist, als Neujahr – heilend von der dunklen, kalten Zeit, mein "echter" Start in ein schönes Jahr. (Laura Albermann, Social-Media-Redakteurin)
Osterlamm und Osterhase
Auf dem großfamiliären Frühstückstisch bei meinen Eltern am Ostersonntag treffen sich Has' und Lamm in friedlicher, schokoladiger Eintracht. Gebacken werden Sie in den alten Backformen von Tante oder Oma mit fachmännischer Unterstützung meines Sohnes. Er übernimmt besonders gerne die Dekoration der beiden Tiere, so dass das Aussehnen des Lamms oftmals eher an einen Hund erinnert, oder die Hasenaugen etwas glubschig geraten.
Mein Sohn fragte mich erst kürzlich, warum eigentlich der Osterhase an Ostern kommt und nicht zum Beispiel die Ostermaus. Schließlich bekommen auch Mäuse viele Nachkommen. Dass der Hase die Eier tragen kann, weil er viel größer ist, das überzeugte ihn dann doch. Was es mit dem Lamm auf sich hat, lese ich sicherheitshalber noch einmal nach. Ich befürchte, dass die Erklärung nicht gut ankommt, dass im Frühling besonders viele Lämmer geboren und geschlachtet werden.
Hier schon mal für alle Eltern mit ähnlichen Wissenslücken zum Nachlesen:
Die christliche Symbolik der beiden Tiere ist doch eher gruselig: Die Bedeutung des Osterhasen stammt laut Künstlicher Intelligenz aus der "Spätantike, wo der Hase als Symbol der Auferstehung interpretiert wurde, da man früher glaubte, er schlafe mit offenen Augen – ähnlich wie Christus, der nach dem Tod nicht "entschläft"." Die Tradition des "Lamm Gottes", das für Unschuld, Reinheit und den Opfertod Jesu zur Vergebung der Sünden steht, stammt "aus dem jüdischen Pessachfest, bei dem ein Lamm als Opfertier geschlachtet wurde, um an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei zu erinnern."
Dann backen wir doch lieber flauschige Kokoslämmer und Marmorkuchen-Schokohasen und erfreuen uns an dem jährlichen Gebäck zu den Ostertagen. (Anika Kempf, Bildredakteurin)



